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Blinde Liebe zum Tanz

Die vierte Ausgabe der Tanzplattform Bern begeisterte mit tänzerischer Vielfalt aus aller Welt. Erstmals wurden zwei Beiträge ausgezeichnet.

Ausgezeichnet: «L’aveuglement».
Ausgezeichnet: «L’aveuglement».
zvg

Trotz Höchsttemperaturen ist der Saal in den Vidmarhallen voll. Die 2013 von Estefania Miranda, der Tanzdirektorin von Konzert Theater Bern, initiierte Tanzplattform ist mittlerweile etabliert.

Nach dem Motto «Bern sucht den Superchoreografen» wurden sechs Gastgruppen aus Belgien, Italien, Spanien, Taiwan und Südkorea eingeladen, gegeneinander anzutanzen. Drei Beiträge aus dem eigenen Ensemble sind ebenfalls mit von der Partie. Alle Stücke konnten in voller Länge während des Festivals erlebt werden.

Am Schlussabend gibt es kurze Auszüge aus allen Beiträgen zu sehen. Die Zuschauer können den Publikumspreis vergeben, während eine Fachjury den Hauptpreis bestimmt. Nicht Geld, sondern Erfahrung gibt es zu gewinnen. Der beste Choreograf wird in der nächsten Spielzeit ein Stück zum Thema «Einstein» produzieren können.

Vielfalt und Geselligkeit

Das Finale macht Spass, denn es ist ein bisschen wie Tapas essen unter Freunden: Es gibt Vielfalt, Geselligkeit («Wen hast du gewählt?») und allerlei Überraschungen.

In «Hand to Hand» der spanischen Choreografin Roser López Espinosa geben sich ein Mann und eine Frau nach den ­Regeln eines Judokampfes Saures, bis die Musik von Tschaikowsky die beiden zu besänftigen scheint. Humor mit Virtuosität zu verbinden gelingt dem süd­koreanischen Choreografen Ahn Soo-young.

Er hat sich an «Schwanensee» abgearbeitet. Ein verwirrter Siegfried trifft auf einen heimatlosen Schwan, während Ballett und Streetdance kollidieren. Dafür erhält er den Publikumspreis, der aus einer Werkresidenz in Bern besteht.

Blind und innerlich

Doch wer kriegt den Hauptpreis? Das Niveau sei dieses Jahr derart hoch gewesen, dass man gleich zwei Stücke ausgezeichnet habe, erklärt Stephan Märki, Intendant von Konzert Theater Bern, am Ende.

«Das wird teuer», witzelt er. Die Gewinner sind der taiwanesische Choreograf Po-Cheng Tsai (Compagnie B. Dance) mit seinem Stück «Innermost» sowie die belgische Compagnie Les Vikings für «L’aveuglement». In «Innermost» suchen zwei Tänzer nach Balance. Es geht um den eigenen inneren Feind. Technisch brillant wird hier gesprungen und gerungen.

«L’aveuglement» sorgt hingegen für den schönsten Pas de deux des Abends: Eine Frau trifft auf einen mit Blindheit geschlagenen Mann – zur Musik von Tom Waits wagen beide einen Neuanfang. Die Choreografen Victor Launay und Sara Olmo sind Choreografen und Tänzer in einem. Man darf bei so viel Kreativität gespannt sein, wie die Gewinner Einsteins Relativitätstheorie vertanzen werden.

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