Buskers: So klingt die Welt in Berns Gassen

Bern

150 Künstler aus aller Welt treffen sich ab Donnerstag bis zum Samstag am Berner Strassenmusikfestival Buskers und hoffen auf grosszügiges Hutgeld. Zehn Tipps aus dem üppigen Programm.

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Nakupelle: Amerikanischer Slapstick

Er kämpft mit Leitern, mit der Schwerkraft, der Liebe und mit seiner eigenen Tollpatschigkeit – und kommt dabei selber fast unter die Räder. Joe Dieffenbacher alias Clown Nakupelle liebt die Selbstironie, lacht aber auch gerne über andere. So sollte auch das Publikum zur Selbstironie fähig sein. Denn diese Show ist interaktiv angelegt, und bei Nakupelle kann es durchaus vorkommen, dass sich auch ein Zuschauer plötzlich komplett zum Affen macht. Höchstfreiwillig versteht sich. Aber zum Schreien komisch, für Kind und Anhang.

Forró Afiado: Brasilianisches Lebensgefühl

Forró ist ein brasilianischer Musik- und Tanzstil aus dem Nordosten des Landes. In Städten wie Fortaleza, Recife oder Natal finden oft sogenannte Forró-Feste statt – und das kann jeweils gut und gerne die ganze Nacht dauern. Die brasilianisch-spanische Truppe Forró Afiado wird in Bern wohl nicht gerade die ganze Nacht durchspielen, trotzdem wird sie das Lebensgefühl dieses fröhlichen Musikfestes vermitteln und die Besucher mit dem Forró-Fieber anstecken. Denn die Klänge, gespeist aus verschiedenen Rhythmen wie Xote, Xaxado oder Baião, gehen schon nach wenigen Takten über die Ohren direkt ins Blut.

Britischer Folk: Concrete Mountain

So temporeich hört man Folk selten. Da fangen die Saiten der Fiedel beinahe Feuer, da glüht die Akustikgitarre förmlich, wenn sie vom Londoner Quartett Concrete Mountain bearbeitet werden. Ungehobelten Folk spielt diese Band, nein, eigentlich rotzt sie ihn heraus. Und Frontmann Rob Hill singt, als ob er gerade eine Flasche Tabasco hinuntergekippt hätte. Ihren Stil nennen die Musiker Hard Appalachian Folk – eine Kombination aus dem klassischen amerikanischen String-Folk des Appalachen-Gebirges und rauem Londoner Punk. Diese Band sollte man sich im Programmheft tiefrot anstreichen.


Quelle: Youtube.com

Bence Sarkadi: Ungarische Puppenspiele

Wenn plötzlich ein verrückt gewordener Professor Marilyn Monroe auferstehen lassen will, ist Bence Sarkadi am Werk: Der Puppenspieler aus Budapest versteht es, seinen selbst gebauten Puppen mit Witz, Timing und Sinn für Poesie Leben einzuhauchen und Geschichten zu erzählen, die man so noch nicht gehört und gesehen hat. Hier schweben Schlangen, wackeln türkische Trommler mit den Hüften und tanzen coole Cowboys zu Walzerklängen.

Inselmusik all’Italia: Tama Trio

Wie klingt das Meer? Das Tama Trio aus Sardinien und Sizilien weiss es ganz genau und bringt die italienische Volksmusik der beiden Inseln nach Bern, mit seinen typischen Instrumenten wie der Zampogna, einer Art italienischem Dudelsack, und der Tamorra, dem traditionellen Tamburello. Die Musik von Mauro Palmas, Pietro Cernuto und Nando Citarella klingt mal sehnsüchtig, mal innig und melancholisch oder klagend – immer aber aufrichtig und traditionsverbunden. Aber Vorsicht: Akutes Fernweh nicht ausgeschlossen.

Schweizer Countryrock: Papst & Abstinenzler

Guter Mundartrock muss nicht zwingend aus Bern kommen, er kann auch – halten Sie sich fest – Schaffhauser Ursprung haben. Das werden Papst & Abstinenzler in den Gassen Berns wieder einmal beweisen. Ihre Mischung aus Country, Rock und Pop kommt erfrischend uneitel daher, feiner Humor trifft auf ungehobelten Punk, Westernromantik auf urbanen Zynismus. Für Papst & Abstinenzler ist Gefälligkeit keine Option. Und gerade deshalb kommt man nicht umhin, an dieser Band Gefallen zu finden.

Japanische Pantomime: Yosuke Ikeda

Was der Japaner Yosuke Ikeda tut, lässt sich irgendwo zwischen Pantomime, Tanz und Musik verorten. Vor allem aber ist es sein verblüffendes Timing, das einen staunen und schmunzeln lässt. Aus einer Abfolge von Bewegungen, Klängen und Buchstaben erzählt Ikeda elegant Geschichten und öffnet neue Welten aus bekannten Dingen. So schafft er es etwa, den Beatles-Song «Hello Goodbye» ganz neu zu interpretieren.

Orientalische Klangreise: Göksel Yilmaz Ensemble Völkerverbindend: In Türkisch, Arabisch und Kurdisch wird beim Göksel Yilmaz Ensemble gesungen, orientalische Klänge vermischt mit westlicher Klassik und Jazz. Die Mitglieder des Quintetts kommen aus der Türkei, aus Ungarn, Deutschland und den Niederlanden. So nimmt einen das Ensemble ganz selbstverständlich mit auf eine poetische Klangreise voller Freude und Temperament, Traurigkeit und Wehmut.

Die Leidenschaft Südafrikas: Voices of Africa

Gesang, Perkussion und Bewegung verbindet das Ensemble Voices of Africa. Die sechsköpfige Truppe bringt dem Berner Publikum die Kultur aus den Townships von Port Elizabeth, dem Schmelztiegel Südafrikas, singend und tanzend näher. Die Stimmen sind unverstärkt, die Bewegungen geschmeidig und leidenschaftlich. Da macht Zuschauen Spass, und wer sich traut, darf gerne mittanzen. Weniger Mutige klatschen einfach in die Hände oder wippen im Takt. Nur Stillstehen ist kaum möglich bei der mitreissenden Performance dieser sechs weit gereisten Musiker und Tänzer.

Blues und Rock aus Down Under: Wille & the Bandits

Wenn der gebürtige Australier Wille Edwards und seine englischen Banditen musizieren, stehen sie mit beiden Beinen auf dem Boden. Denn ihre Musik ist fest verwurzelt im Roots Rock, klingt mal bluesig, mal folkig – immer aber markig und knorrig. Musik, die einen im Innersten packt, egal ob die Hitze gerade brennt oder der Regen runterprasselt. Wille steht drüber. Und die, die ihm zuhören, sowieso.

Infos:Das Strassenmusikfestival Buskers startet am Donnerstag in seine 12. Runde und dauert bis zum Samstag. Es finden in der Berner Altstadt rund 300 Vorstellungen von insgesamt 150 Kulturschaffenden statt – jeweils von 18 bis 24 Uhr. Das Programm inklusive Festivalbändeli kann bei den 300 Helfern für 10 Franken, 20 Franken (Gönner) oder 5 Franken (Kinder) bezogen werden. Weitere Infos inklusive genauer

Auftrittszeiten der Künstler: www.buskersbern.ch

Berner Zeitung

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