Crystal Meth: Drei Personen vor Gericht

Bern

Ein Koch, eine zweifache Mutter und ein Lehrling stehen vor dem Regionalgericht in Bern, weil sie in den Handel mit der hochgefährlichen Droge Crystal Meth verwickelt gewesen sein sollen.

Drei Personen stehen vor dem Regionalgericht, weil sie mit Crystal Meth gehandelt haben sollen.

Drei Personen stehen vor dem Regionalgericht, weil sie mit Crystal Meth gehandelt haben sollen.

(Bild: Keystone)

Crystal Meth ist der Strassenname für Methamphetamin. Der Stoff wird vor allem in Tschechien produziert. Experten gehen davon aus, dass die rasch süchtig machende Billigdroge in der Schweiz weniger verbreitet ist als in anderen europäischen Ländern. Denn hierzulande können sich viele Drogenkonsumenten besseren Stoff leisten.

Einen Crystal-Meth-Markt gibt es aber offensichtlich auch in der Schweiz. Das zeigt der seit Montag laufende Prozess vor dem Regionalgericht Bern-Mittelland.

Im Zentrum steht ein 31-jähriger Koch aus Deutschland, der laut Anklageschrift fast ein Kilogramm Methamphetamin unter die Leute gebracht haben soll. Er soll das Rauschgift jeweils in Tschechien erworben und mit dem Auto in die Schweiz geschmuggelt haben.

Gemäss seinen Angaben war er selber der Droge verfallen. Seit März 2013 sitzt er hinter Gittern. Vor Gericht zeigte er sich offen für eine stationäre therapeutische Massnahme, selbst wenn diese länger dauern sollte als eine Freiheitsstrafe. Er wolle mit Drogen nichts mehr zu tun haben und wieder Fuss in seinem Beruf fassen.

Stoff von Vietnamesen

Zwischen Februar 2012 und März 2013 soll er mehrmals und mit wechselnder Begleitung nach Tschechien gefahren sein, um sich bei unbekannten Vietnamesen mit Crystal Meth einzudecken. Zweimal war ein heute 23-jähriger Schweizer mit von der Partie. Wer von beiden die treibende Kraft war, ist umstritten.

Der Schweizer beteuerte, erst bei der zweiten Fahrt habe es ihm gedämmert, dass da ein krummes Ding laufe. Das Geld, das er dem Mann vorgestreckt habe, sei für dessen Schuldentilgung gedacht gewesen und nicht für den Drogenkauf. Er habe nur eine Nebenrolle gespielt und bedaure die Verfehlung sehr. Der Deutsche hingegen gab an, zur zweiten Fahrt sei er vom jungen Kollegen mit Gewalt gezwungen worden.

Der Lehrling konsumierte offenbar kein Crystal Meth - anders als eine heute 45-jährige Schweizerin, die zu den Kundinnen des Kochs gehörte. Sie reiste im März 2013 mit nach Tschechien, «weil ich einfach einmal erleben wollte, wie es ist, dort Crystal einzukaufen».

Reue gezeigt

Bei der Rückkehr am 8. März 2013 flogen die beiden auf. Die Polizei stoppte ihr Auto mit den Drogen im Raum Bern-Wankdorf. Wer der Polizei allenfalls einen Tipp gab, darüber kann der Deutsche nur rätseln. Er und auch die Schweizerin beteuerten aber vor Gericht, es sei gut, dass die Polizei dem Treiben ein Ende bereitet habe.

«Es musste aufhören, damit das Ganze ein Ende hatte», sagte die Frau. Sie bereue heute, «einen solchen Seich gemacht zu haben». Mittlerweile habe sie ihr Leben neu ausgerichtet und wolle sich um ihre beiden halbwüchsigen Kinder kümmern.

Sie befindet sich wie der junge Schweizer auf freiem Fuss. Der Deutsche sitzt derweil hinter Gittern und möchte den 10-Kilo-Sack mit weissem Granulat zurück, den die Polizei offenbar als verdächtig eingestuft und deshalb beschlagnahmt hatte. Es handle sich um ein kostspieliges Material, das er für seine Zuckerskulpturen brauche.

Das Urteil wird am Mittwoch erwartet.

cla/sda

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