Crystal-Meth-Prozess: 3 Personen verurteilt

Bern

Ein Koch, eine zweifache Mutter und ein Lehrling wurden vom Regionalgericht in Bern verurteilt.

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Der Crystal-Meth-Prozess am Regionalgericht in Bern endet mit drei Schuldsprüchen. Den Hauptangeklagten verurteilte das Gericht am Mittwoch zu einer Freiheitsstrafe von 48 Monaten und einer ambulanten therapeutischen Behandlung.

Der 31-jährige Koch aus Deutschland war nach eigenen Angaben der Billigdroge verfallen, die vor allem in Tschechien produziert wird. Mindestens sieben Mal soll er nach Tschechien gefahren sein, um sich dort bei vietnamesischen Dealern das Methamphetamin zu besorgen.

Genaue Menge unbekannt

Das Gericht sah es als erwiesen an, dass der Mann 746 Gramm des Stoffs für den Weiterverkauf importierte, und verurteilte ihn unter anderem wegen schweren Widerhandlungen gegen das Betäubungsmittelgesetz. wie viel Crystal Meth er genau unter die Leute brachte, liess das Gericht offen. Auf jeden Fall sei der Koch «nicht in der untersten Liga der Dealer» tätig gewesen, sagte Gerichtspräsident Urs Herren bei der Urteilseröffnung.

Der Mann habe einst ein geregeltes Leben geführt, sei seinem Job nachgegangen und ein guter Fussballer gewesen. Dann sei er auf die schiefe Bahn geraten. Zur Tatzeit zwischen 2012 und 2013 sei er schwer drogen- und spielsüchtig gewesen. Das könne ihm strafmildernd angerechnet werden. Gemäss Gutachten sei das Rückfallrisiko gross, stellte Herren fest. Deshalb dränge sich eine Therapie auf, die im Vollzug begonnen und danach weitergeführt werden solle.

Der Deutsche, der schon seit zwei Jahren hinter Gittern sitzt, bedankte sich nach der Urteilseröffnung bei Herren dafür, dass ihm das Gericht eine Chance gebe. «Nutzen Sie diese», empfahl ihm der Gerichtspräsident.

Lehrling war «Begleiter und Kurier»

Zweimal wurde der Koch auf den Reisen nach Tschechien von einem heute 21-jährigen Schweizer begleitet. Dieser lieferte vereinzelt auch Drogen an Kundschaft in der Schweiz aus, darunter Bordelle in Bern.

Der Lehrling nahm selber kein Crystal Meth; vor Gericht stellte er sich als Mitläufer dar. Der Deutsche wies ihm hingegen die Rolle des Anstifters zu. Aus Sicht des Gerichts war der junge Mann aber tatsächlich nur «ein Begleiter und Kurier», dem wohl die Abwechslung gefallen habe.

Womöglich hätten ihn auch die Spannung und die - allerdings bescheidenen - Verdienstmöglichkeiten gereizt, mutmasste Herren. Der Lehrling soll mit gut 200 Gramm Crystal Meth zu tun gehabt haben. Er wurde zu einer Freiheitsstrafe von 15 Monaten verurteilt, davon sechs Monate unbedingt.

Bedingte Strafe für zweifache Mutter

Schuldig erklärt wurde auch eine 45-jährige Schweizerin. Die zweifache Mutter gehörte zu den Kundinnen des Kochs. Sie reiste nur einmal mit nach Tschechien, nach eigenen Angaben aus Lust am Abenteuer.

Bei der Rückkehr am 8. März 2013 flogen die beiden auf. Die Polizei stoppte ihr Auto mit den Drogen im Wankdorf. Die Frau, die nach eigenen Angaben wieder clean ist, wurde am Mittwoch zu einer bedingten Strafe von 13 Monaten verurteilt.

Nazi-Droge für Arme

Crystal Meth ist der Strassenname für Methamphetamin. Das Aufputschmittel wurde während des Zweiten Weltkriegs unter dem Namen Pervitin von den Nazis an die deutschen Soldaten abgegeben.

Heute ist die Droge gemäss Experten in der Schweiz weniger verbreitet als etwa in Deutschland. Denn hierzulande können sich die meisten Drogenkonsumenten besseren, weniger gefährlichen Stoff leisten.

cla/sda

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