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Daheim im Pfarrhaus

Das 107. und letzte Pfarrhaus aus Staatsbesitz ist an Private gegangen: Thomas Wenzel und Judith Zumbrunn erzählen, wie es sich lebt im Gebäude, das früher für das Dorf so wichtig war.

Stolze Besitzer eines Pfarrhauses: Judith Zumbrunn und Thomas Wenzel.
Stolze Besitzer eines Pfarrhauses: Judith Zumbrunn und Thomas Wenzel.
Beat Mathys

Dieses Haus strahlt etwas Spezielles aus. Nicht nur, weil es seit mehr als hundertfünfzig Jahren an Ort und Stelle steht, auf Fundamenten übrigens, die zu einem noch älteren Vorgängerbau gehörten.

Nein, hier am Chilchrain 9 in Limpach war jahrhundertelang der Pfarrer daheim. Dieser war nicht nur eine angesehene Respektsperson. Sondern auch so etwas wie der verlängerte Arm der Regierung in Bern, die seit der Reformation auch in kirchlichen Fragen die Führung für sich in Anspruch nahm.

Die Zeiten haben sich zwar längst geändert – doch all dies wirkt in vielen Pfarrhäusern bis heute ein Stück weit nach. Besonders in einem ländlich-bäuerlich geprägten Dorf mit 350 Einwohnern, wie Limpach eines ist.

Zum ersten Mal kein Pfarrer

Ob Thomas Wenzel und Judith Zumbrunn nun mit Herr und Frau Pfarrer angesprochen werden? Die beiden lachen, schütteln den Kopf. Vor knapp drei Monaten sind sie ins altehrwürdige Gebäude mit Baujahr 1840 eingezogen, und sie fragen keck zurück: Warum das denn so sein sollte?

«Wir sind im Dorf offen und herzlich empfangen worden.» Der Kontakt sei zwar noch nicht sehr eng, aber stets in einem freundlichen Ton. Man begegne sich auf Augenhöhe.

Genau: Am 1. Dezember des letzten Jahres sind im Pfarrhaus Limpach definitiv neue Zeiten angebrochen. Mit Thomas Wenzel und Judith Zumbrunn wohnen zum ersten Mal überhaupt Leute hier, die mit dem Pfarrberuf rein gar nichts am Hut haben.

Die Mittvierziger sind beide in der Pflege tätig und gehen ihrer Arbeit auch nicht im Dorf selber, sondern auswärts nach. Anders als ihre Vorgänger wohnen sie auch nicht zur Miete: Die zwei haben das Pfarrhaus dem Kanton abgekauft.

Passiert ist dies im Rahmen einer grösseren Aktion: Gestützt auf einen Vorstoss im Grossen Rat hat der Kanton die 107 Pfarrhäuser aus seinem Portefeuille über die Jahre hinweg Stück für Stück abgestossen.

Als Käufer traten in der Regel die betroffenen Kirchgemeinden auf, vereinzelt auch Gemeinden, Stiftungen oder ein Schulheim – und in sechs Fällen Private. Thomas Wenzel und Judith Zumbrunn gehören in diese letzte Kategorie. Sie kauften das 107. und damit letzte Pfarrhaus aus Staatsbesitz.

Über zwei Bieterrunden

Was sie dazu gebracht hat? Die beiden trugen sich schon länger mit dem Gedanken, ein Haus zu kaufen, und dass es etwas Älteres sein sollte, verstand sich irgendwie von selber. Allerdings dachten sie eher an ein Bauernhaus, und sie schauten auch das eine oder andere vor Ort an. Doch entweder war der Preis zu hoch oder die Bausubstanz zu schlecht, oder beides zusammen traf zu.

Beim Pfarrhaus Limpach war alles anders. Als die beiden vor zwei Jahren auf ein erstes Inserat hin ins Dorf fuhren und vom leicht erhöht gelegenen Kirchenparkplatz auf die Liegenschaft herabblickten, wussten sie sofort, «dass es das ist». Das Haus habe von Anfang an eine stimmige Botschaft ausgesendet, erinnern sie sich, und auf die Frage, was das konkret heisse: «Es war ein Bauchgefühl.»

Trotzdem mussten sie sich gedulden. Ein erster Kontakt mit dem Kanton dämpfte die Vorfreude nämlich gleich wieder. Wer das Haus kaufe, so hörten sie, müsse entweder den Pfarrer weiter zur Miete haben oder aber eine Ersatzwohnung für ihn finden.

Weil so an einen Kauf nicht zu denken war, liessen sie die Sache auf sich beruhen – bis sich im letzten Jahr plötzlich der Kanton wieder meldete und ohne Bedingung verkaufen wollte.

Nun ging es Schlag auf Schlag. Auf einer vorgegebenen Minimalbasis stiegen sie in eine erste und später noch in eine zweite Bieterrunde. Am Ende setzten sie sich gegen die anfänglich sechs Beteiligten durch. Zu welchem Preis, behalten sie für sich.

Auf eine gute Nachbarschaft

Wie sie zur Aussage stehen, das Pfarrhaus sei ein Fass ohne Boden? So begründet die Kirchgemeinde, warum sie vom Liegenschaftskauf Abstand nahm und nur die angebaute Pfundscheune erwarb. Dort betreibt sie schon länger einen Saal, diesen ergänzt sie zurzeit um ein Pfarrbüro und ein Archiv.

So schlecht stehe es um das Pfarrhaus doch gar nicht, halten Thomas Wenzel und Judith Zumbrunn entgegen. Wer ein altes Haus kaufe, wisse, dass er investieren müsse, im konkreten Fall in den Ersatz der Fenster oder der elektrischen Installationen. Das Dach dagegen sei nach wie vor tipptopp, «es hält nochmals so lange, wie es schon steht».

Eine gute Nachbarschaft mit der Kirchgemeinde ist den beiden wichtig. Dass sie sich im Kaufvertrag verpflichtet haben, nicht gegen das Glockengeläut vorzugehen, ist schon fast Nebensache.

Man werde Rücksicht auf die Anlässe nehmen, etwa für das Seniorenessen im Saal den Hausplatz frei halten oder bei Hochzeiten auf Gartenarbeit verzichten, stellen sie in Aussicht. Zuallererst lernt man sich aber besser kennen: Nächste Woche hat der Kirchgemeinderat auf einen Kaffee eingeladen.

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