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Das «Bäremüntschi» von 1976

Wenn am 25. Oktober der Bärenpark eröffnet wird, müssen für Bern neue Ansichtskarten gedruckt werden. Bei Verlagen und bei Bern Tourismus laufen die Vorbereitungen, um das neue Daheim der Mutzen ins beste Licht zu rücken.

«Look! The young bears!», sagt eine amerikanische Touristin und zeigt ihrem Begleiter beim Kiosk am Bärengraben eine Ansichtskarte. Auf dem Foto geben sich zwei junge Bären ein «Müntschi». Die herzigen Pelzknäuel sehen aus wie Mischa und Mascha, die Bärchen, welche die Stadt Bern vom russischen Präsidenten Medwedew geschenkt bekommen hat. Aber die Bären auf dem Bild sind nicht Mischa und Mascha. Das Foto hat Werner Forster vom Gümliger Kartenverlag Wefo kurz vor dem «Bärnfest» von 1976 geschossen. «Ein solcher Schnappschuss gelingt einem nicht alle Tage», sagt der Fotograf. Das Sujet ist seither ein Bestseller. Auch die amerikanische Touristin kauft die Karte schliesslich – obschon die «falschen» Bären abgebildet sind.

Noch sind an Kiosken und Souvenirläden in Bern Ansichtskarten vom Bärengraben zu finden. Zum Teil spaziert Meister Petz sogar noch über Betonboden. Doch auch diese uralten Karten werden häufig gekauft, wie Maria Moser, Geschäftsführerin des Kiosks am Bärengraben erzählt. «Seit Mischa und Mascha hier sind, laufen vor allem diejenigen Karten gut, auf denen junge Bären abgebildet sind.» Den Touristen sei es egal, dass die Bilder teilweise 30 Jahre alt seien.

Die neuen Sujets

Lange werden diese Karten nicht mehr im Angebot sein: Bei den Verlagen und bei Bern Tourismus arbeitet man an den neuen Sujets. «Sobald die Baumaschinen weg sind und der Bärenpark eröffnet ist, fertigen wir neue Karten an», sagt Werner Forster vom Gümliger Verlag. Vor Ort wird er sich ein Bild davon machen, wie er den Bärenpark ins rechte Licht rücken kann. «Der Park ist eher schwierig zu fotografieren», sagt Forster, der seit 35 Jahren im Ansichtskartengeschäft tätig ist. Er werde den richtigen Ort finden müssen, von dem aus sowohl der Park als auch die Bären zu sehen seien.

Auch bei der Zürcher Photoglob AG laufen die Vorbereitungen auf Hochtouren. Der national tätige Ansichtskartenverlag – eine Tochtergesellschaft von Orell Füssli – ist in Bern ein grosser Anbieter. «Der Bärengraben und der neue Bärenpark sind das Sujet aus Bern. Entsprechend sorgfältig planen wir die neuen Karten», sagt Geschäftsführer Gion Schneller. Möglichst rasch nach der Eröffnung will Photoglob neue Bilder schiessen und die Ansichtskarten auf den Markt bringen. «Unsere Aussendienstmitarbeiter werden sukzessive die alten gegen die neuen Karten austauschen», sagt Schneller. Photoglob handelt schweizweit mit 25000 verschiedenen Sujets. Der Bärengraben/Bärenpark gehört zu den am besten verkauften. Man strebe auch die Zusammenarbeit mit Tourismusorganisationen an, sagt Schneller. «Damit unsere Karten zum Werbeauftritt eines Ortes passen.»

Wahrzeichen

Bei Bern Tourismus arbeitet man ebenfalls bereits an der Vermarktung des Bärenparks. «Der Bärengraben ist das Wahrzeichen von Bern, der Bärenpark wird das neue werden», sagt Daniela Zehr. Die Tourismusorganisation nehme zwar keinen Einfluss darauf, welche Karten an den Kiosken verkauft würden, biete aber selber Karten an. Diese werden beim Tourist Center verkauft. «Auch unsere offiziellen Werbebroschüren werden natürlich angepasst», sagt Zehr.

Die Drillinge

So müssen sich nun also die Fotografen auf die Pirsch begeben, um vielleicht Mischa und Mascha beim «Bäremüntschi» zu überraschen. Welche Bärchen sich auf der alten Karte küssen, kann nicht einmal mehr der ehemalige Bärenwärter Emil Hänni sagen.

Ein Blick in sein Archiv zeigt, dass es sich um Nachwuchs von Bärin Marina handelte. Die Familie lebte Ende der 1970er-Jahre im Bärengraben. Sofort erkannt hat Emil Hänni dafür die Drillinge auf den anderen Karten: Heinz, Rolli und Regi tollten 1983 mit ihrer Mutter Berna durch den Graben.

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