«Das ist doch Verhältnisblödsinn»

Ostermundigen

Ruedi Gygax kämpft gegen das Tram. Er tue dies nicht primär, weil er auf der Rüti direkt neben der geplanten Tramwendeschlaufe wohne, betont er. Es gehe ihm um die hohen Kosten.

Am 15. September ist die Haltestelle Ostermundigen Rüti an der Reihe.

Am 15. September ist die Haltestelle Ostermundigen Rüti an der Reihe.

(Bild: BZ)

Markus Zahno

Ruedi Gygax steht bei der Kurve unten am Ostermundiger Rütihoger. Bis auf den Hoger hinauf sind es etwa hundert Meter, die Steigung beträgt bis zu 13 Prozent. «Das Tram kommt hier nicht hoch», sagt er. Deshalb ist ein Tunnel vorgesehen. Laut den Tramverantwortlichen kostet er rund 16 Millionen Franken, Gygax dagegen geht von 50 Millionen aus – «und das für ein paar Meter Tram. Das ist doch ein Verhältnisblödsinn.» Ganz zu schweigen von den Bäumen, die für den Tunnel gefällt werden müssten, und der Einstellhalle, die wegen des Tunnels verlegt werden müsste.

Vor vier Jahren kaufte Ruedi Gygax auf der Rüti eine neue Wohnung mit wunderbarer Aussicht auf den Hättenberg und den Bantiger. Zwei Monate nachdem der Wohnungskauf über die Bühne gegangen war, hörte Gygax zum ersten Mal, dass auf der Wiese direkt neben dem Haus eine Tramwendeschlaufe geplant ist. Wenn das Volk Ja sage zum Tram Region Bern, sei es hier vorbei mit der Idylle und der Ruhe. «Dann wird es hier gewaltig quietschen.»

Als Präsident der IG Verkehr Ostermundigen steht Ruedi Gygax im Kampf gegen das Tram in der vordersten Reihe. Oft hört er den Vorwurf, er handle aus Eigeninteresse. Doch das sei nicht der Hauptgrund, betont er. Viel mehr störe ihn das schlechte Kosten-Nutzen-Verhältnis des Tramprojekts. «Sehen Sie», sagt der 67-Jährige, greift in das mitgebrachte Mäppli und zieht eine Studie der Hochschule Luzern heraus.

Diese empfahl den Luzerner Verkehrsbetrieben, statt des Trams Doppelgelenkbusse anzuschaffen. Mit über zweihundert Plätzen würden diese Busse die tiefen Kosten des Busses mit den hohen Kapazitäten des Trams verbinden. «Und diese Busse kämen ohne Tunnel den Rütihoger hinauf.» Trambefürworter sind überzeugt, dass die Situation in Bern nicht mit jener in Luzern vergleichbar ist. Gygax dagegen ist überzeugt, dass «die Alternativen zum Tram zu wenig seriös geprüft» wurden.

Wer gewinnt?

Mittlerweile steht Ruedi Gygax oben am Rütihoger, dort, wo der geplante Tunnel enden würde. Eine Anwohnerin kommt vorbei. Er rede gerade über das Tram, klärt Gygax sie auf. «Kommt das Tram denn jetzt definitiv?», fragt sie. «Nenei», antwortet der Rentner, «es gibt noch die Abstimmung.Wir können immer noch gewinnen.»

Haltestellen-Serie: Wir reisten die geplanten Tramlinie von Köniz nach Ostermundigen entlang und stoppten an diversen Haltestellen, um zu zeigen, was sich verändern würde. Mit diesem Beitrag endet die Serie. tram.bernerzeitung.ch

Berner Zeitung

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