«Das Rennen in Bern wird ein Riesenspektakel werden»

Fünf Wochen vor dem E-Prix ist am Donnerstag erstmals ein Formel-E-Bolide durch die Berner Innenstadt gefahren. Eine Rennstrecke wie diese habe er in seiner Karriere noch nie erlebt, sagt der Rennfahrer Sébastien Buemi.

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Schnittige Sportwagen sieht man selbst in der Velostadt Bern ab und an. Doch dieser stromlinienförmige türkis-graue Bolide mit dem breiten Frontspoiler und der spitzen Nase zieht in der Berner Innenstadt viele verwunderte Blicke auf sich.

Als er auf einmal nach vorn schiesst, auf den Bundesplatz abbiegt und anstelle des motorsporttypischen Motorengeheuls nur ein hohes Surren von sich gibt, wird auch den letzten Passanten klar, dass sie hier kein Formel-1-Auto vor sich haben, sondern einen Formel-E-Rennwagen.

Im Cockpit des Wagens: Sébastien Buemi, einer der erfolgreichsten Schweizer Rennfahrer der letzten Jahre. Wenn er am 22. Juni das nächste Mal durch Bern fährt, wird er anders als beim gestrigen Schaufahren nicht mehr geduldig Fussgänger passieren lassen und sich an das Tempolimit halten. Er wird mit 240 Kilometern pro Stunde den Aargauerstalden runter­rasen.

Sébastien Buemi rollt mit seinem Rennwagen durch die Berner Altstadt. Quelle: sda

Schon bevor Buemi in seinem Stromflitzer die Startlinie passiert, steht fest: Das erste Rundrennen in Bern seit 65 Jahren wird der grösste städtische Sportanlass des Jahres werden. Es hievt Bern auf eine Weltbühne – nebst der Bundesstadt stehen Metropolen wie Paris, Rom oder New York im Rennkalender der Formel E. Das eröffne Bern eine Möglichkeit, sich als innovationstreibende Kraft zu präsentieren, sagte Stadtpräsident Alec von Graffenried (GFL) am Donnerstag vor den Medien.

Berner Ökostrom bestellt

Dass die rot-grüne Stadtregierung ein Autorennen unterstützt, ist für von Graffenried kein Widerspruch. «Der Swiss E-Prix in Bern wird mehr als ein Formel-E-Rennen werden. Er beweist, dass die Elektrotechnologie zu Höchstleistungen fähig ist.» Damit setze der Anlass ein Zeichen für den Umstieg auf die Elektromobilität und helfe, die Stadtberner Energieziele rund um den Ausbau der Elektromobilität zu erfüllen, so der Stapi.

«230 bis 240 km/h in einer Stadt ist ziemlich schnell»: Rennfahrer Sébastien Buemi freut sich auf das Formel-E-Rennen in Bern. Video: Peter Berger

Zudem gaben die Organisatoren am Donnerstag bekannt, dass sie sich mit Energie Wasser Bern geeinigt und bei dem Berner Energieversorger Ökostrom für den E-Prix bestellt haben. «Der Vertrag ist unterschrieben», sagt Pascal Derron, Chef der Veranstaltungsfirma Swiss E-Prix Operations AG. Von der Grössenordnung her entspreche die Stromlieferung dem Jahresverbrauch von zwei Einfamilienhäusern.

Bern erwarte ein Volksfest, sagt Alberto Longo, Mitbegründer der Formel E und scheinbar vom Enthusiasmus seiner Vorredner angesteckt. «Nach dem Erfolg der Formel E in Zürich im letzten Jahr setzen wir alles daran, diesen in Bern noch zu übertreffen. Wir werden den Menschen hier ein gigantisches Spektakel bieten.»

Dazu sollen auch einige technische Neuerungen beitragen, die im vergangenen Jahr in Zürich noch nicht zu sehen waren, verrät Longo: «Wir haben auf diese Saison hin einen neuen Rennwagen entwickelt, der gegenüber dem Vorgänger über die doppelte Batterieleistung verfügt.»

Attack-Modus eingeführt

Die Neuerung mache einerseits möglich, dass das gesamte 45 Minuten dauernde Rennen mit demselben Wagen gefahren werden könne, so Longo. Andererseits gehe mit der stärkeren Batterie die Einführung eines neuen Fahrmodus einher, sagt der Formel-E-Mitbegründer.

«Wir haben einen Attack-Mode eingeführt mit Extraleistung, den die Fahrer für maximal vier Minuten aktivieren können. Damit können sie auf dieser technisch anspruchsvollen Strecke in der Berner Innenstadt rasante und spannende Überholmanöver fahren.»

«Es nervt schon etwas, dass ich nicht selber mitfahren kann»: Die in Thun geborene Venturi-Testfahrerin Simona de Silvestro würde am liebsten gleich selber am Berner Formel-E-Rennen teilnehmen. Video: Peter Berger

Anspruchsvoll – das Adjektiv fällt mehrmals. Eine Strecke wie diese habe er in seiner gesamten Karriere noch nie erlebt, betont der Schweizer Formel-E-Fahrer Sébastien Buemi. «Sie sieht fantastisch aus», sagt der frühere Formel-1-Fahrer mit breitem Grinsen. «Als ich einzelne Streckenabschnitte zum ersten Mal abgefahren bin, dachte ich: Wow! Das ist aber steil hier. Die Rennstrecke wird uns Fahrern alles abverlangen.»

«Als ich einzelne Streckenabschnitte zum ersten Mal abgefahren bin, dachte ich: Wow! Das ist aber steil hier.»Sébastien Buemi, Rennfahrer

Gratis am Aargauerstalden

Grundsätzlich könne das Berner Rundrennen gratis verfolgt werden und Zuschauerinnen und Zuschauer seien überall entlang der Rennstrecke willkommen, sagt Swiss E-Prix-Chef Pascal Derron. «Wir empfehlen aber ausdrücklich, das Rennen in den Gratis-Fanzonen am Aargauer­stalden zu verfolgen.» Denn dort stehe ganz klar am meisten Platz zur Verfügung. Zudem würden Grossbildschirme aufgestellt, auf denen das gesamte Rennen mitverfolgt werden könne.

Auf der Nydeggbrücke und um den Bärengraben herum werde es VIP-Zonen für rund 2000 bis 3000 Zuschauer geben, «Hospitality-Logen» nennt Derron die Zonen. Nebst dem Sitzplatz an bester Lage gebe es hier für den Eintrittspreis auch Essen und Trinken.

Eine andere, spezielle Zone mit Essens- und Getränkeständen sei unterhalb des Klösterli­stutzes geplant, so der Swiss-E-Prix-Chef. Dazu eine Kinderzone auf der anderen Seite der Untertorbrücke in der unteren Altstadt.

Im sogenannten E-Village in der Kramgasse würden ausserdem ebenfalls Grossbildschirme aufgestellt, auf denen das Rennen live mitverfolgt werden könne, sagt Pascal Derron.

Zudem könnten sich Besucherinnen und Besucher an den Ausstellungsständen über die neusten Technologien im Bereich der Elektromobilität und über Nachhaltigkeit informieren. Das Rennen selbst ist zwar nicht nachhaltig. Doch wolle man mit dem E-Prix dem Thema eine Plattform bieten, so Derron.

Verkauf startet am 20. Mai

Die beiden Zuschauertribünen werden oberhalb des Aargauer­staldens entlang der Laubeggstrasse stehen. Aufgrund des beschränkten Platzangebots werden sie jedoch nicht allzu viele Plätze umfassen – wie viele genau, kann der Swiss-E-Prix-Chef noch nicht genau sagen. «Die Tickets für die Tribünenplätze werden am 20. Mai in den Vorverkauf kommen und knapp unter 100 Franken kosten», sagt Pascal Derron.

Der Swiss-E-Prix-Chef rechnet mit einem grossen Zu­schauerandrang: «Nach Zürich kamen letztes Jahr 150'000 Leute. Mein Gefühl sagt mir, dass wir auch in Bern mindestens 100'000 Zuschauer auf den Strassen sehen werden.»

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