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Das Theater im Theater

Aufruhr im Gemeindesaal Schlossgut: Es wird wieder Theater gespielt — laut und mit viel Klamauk.

Im Stück «Der nackte Wahnsinn» herrscht bei der Aaretaler Volksbühne unter der Regie von Alex Truffer das blanke Chaos.
Im Stück «Der nackte Wahnsinn» herrscht bei der Aaretaler Volksbühne unter der Regie von Alex Truffer das blanke Chaos.
Andreas Blatter

Wenn die Theaterleute der Aaretaler Volksbühne Münsingen auf der Bühne stehen, kann sich das Publikum auf beste Unterhaltung gefasst machen. Die Mitglieder des Vereins sind erfahrene Amateurdarsteller und haben ihr Können bereits in verschiedensten Inszenierungen gezeigt. Zu ihrem Repertoire gehörten Komödien, Nachdenkliches, Geschichtliches und Futuristisches. Dieses Jahr wagt sich ein neunköpfiges Ensemble nun an etwas, von dem Amateure eigentlich die Finger lassen sollten. Unter der Regie von Alex Truffer ist das Stück «Der nackte Wahnsinn» des Dramatikers Michael Frayn zu einem veritablen Klamauk mutiert. Doch das Abenteuer ist gelungen, an der Premiere am Donnerstag erntete das Ensemble viele Lacher und spontanen Applaus.

Im «Nackten Wahnsinn» geht es um das Geschehen hinter der Bühne, um Beziehungswirrwarr unter den Schauspielern und um schlecht vorbereitete Auftritte. Damit reiht sich das Stück in die Sparte «Theater im Theater» ein. Dies kann als Komödie dargestellt werden. Truffer jedoch wollte mehr: Was anfänglich noch als leichte, süffige Kost daherplätschert, steigert sich im zweiten und im dritten Akt zu einem Klamauk der lauten Sorte. Alles gerät durcheinander, nichts mehr ist real, das Theater im Theater wird ad absurdum geführt, das pure Chaos herrscht.

Eigene Ideen eingebracht

Die neun Amateurschauspieler liessen sich auf das Experiment «Klamauk» ein und konnten das Stück mitgestalten. Remo La Marra dazu: «Der Regisseur bot uns die Möglichkeit, in der Interaktion zu improvisieren. Das Resultat ist relativ weit weg vom Ursprungstext und geprägt durch unsere Ideen.» La Marra spielt den Regisseur. Eine Aufgabe, die er kennt und bei der Aaretaler Volksbühne schon wahrgenommen hat. Vieles sei im Stück gleich, einiges jedoch völlig anders. Der Regisseur sei zwar nicht Teil des Ensembles, trage aber Sorge zum Wohlbefinden der Darsteller. La Marra kann sich nicht vorstellen, dass in einem Amateurtheater ein Regisseur dermassen rüde und von Egoismus geprägt mit den Schauspielern umgehen würde, wie diesin der Inszenierung dargestellt wird. Aber einmal in eine solche Rolle zu schlüpfen und auch all die möglichen Pannen und Peinlichkeiten, die auftreten können, darzustellen, das sei spannend.

Inszenierung mit Klamauk

Die Stückwahl der Aaretaler Volksbühne kommt etwas überraschend. Im Frühling spieltedie Ad-hoc-Gruppe AH plus im Casino des Psychiatriezentrums Münsingen ein ähnliches Stück. «Spilet wyter» handelt vom Scheitern einer Theateraufführung. Mit von der Partie waren auch Vereinsmitglieder der Aare­taler Volksbühne. «Die zeitliche Nähe zu unserer Inszenierung war bei uns kein Thema», sagt Stückwahl-Präsidentin Therese Wittwer-Liechti dazu. Etwas geärgert hat sie sich allerdings über einen anderen Umstand: Die Emmentaler Liebhaberbühne hat für ihre diesjährigen Aufführungen ebenfalls das Stück von Michael Frayn gewählt. Doch die Inszenierung in Münsingen sei anders, einmalig, und sie hoffe nun auf positive Reaktionen aus dem Publikum.

Man mag die Sparte «Theater im Theater» mögen oder nicht, auch Inszenierungen mit Klamaukelementen sind Geschmacksache. Was aber nicht Geschmacksache ist, sind die Leistungen des Ensembles.Dieses brillierte mit viel Können geprägt durch gekonnte Mimik, Gestik und Redetalent.

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