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Der beliebte Aareweg verschwindet

Immer mehr frisst sich die Aare unterhalb des Muribads ins Ufer hinein. Mit diversen Massnahmen versuchte der Kanton den Fluss schon zu bändigen. Nun will er der Aare freien Lauf lassen und den ­beliebten Aareweg aufheben.

Hält dem Druck der Aare nicht mehr stand: Der Uferweg zwischen dem Parkplatz Wehrliau und dem Muribad wird früher oder später vom Fluss weggespült werden.
Hält dem Druck der Aare nicht mehr stand: Der Uferweg zwischen dem Parkplatz Wehrliau und dem Muribad wird früher oder später vom Fluss weggespült werden.
Tanja Buchser

Aareschwimmer, Jogger, Picknicker, Spaziergänger – in Scharen pilgern sie jeden Sommer ans rechte Aareufer in Muri. Besonders beliebt und für viele geradezu eine Attraktion: der Abschnitt zwischen dem Parkplatz Wehrliau und dem Muribad, wo es sich auf einer prächtigen Baumallee die Aare entlang flussaufwärts schlendern lässt.

Im kommenden Sommer dürfte das jedoch zum letzten Mal möglich sein. Der Grund: Der Kanton will der Aare genau in diesem Bereich mehr Platz geben und den beliebten Aareweg samt den dahinter liegenden Tümpeln aufheben. Als Ersatz soll landeinwärts ein neuer Weg gebaut werden.

«Das muss gestoppt werden!»

Bei der Muriger Bevölkerung kommt das gar nicht gut an. Im Dorfheft, wo der Kanton Mitte April seine Pläne vorstellte, gingen in den Leserbriefspalten die Emotionen hoch: Mit der geplanten Verlegung des Uferweges gehe nicht nur einer der schönsten Spazierwege Muris verloren, auch das Tierreich in der unmittelbaren Umgebung sei gefährdet.

Ausserdem habe die grosse Renaturierung in den vergangenen Jahren mehr Schaden angerichtet als geholfen. Kurz: «Das Projekt Wegverlegung muss gestoppt werden!»

Tatsächlich lassen die Pläne des Kantons aufhorchen. Erst vor vier Jahren hatte er bei der Wehrliau sowie auf der anderen Flussseite das Ufer aufwendig saniert, um es vor grösseren Hochwassern zu schützen.

21 Millionen Franken kostete die Renaturierung. Bald einmal wurden jedoch Nachbesserungen nötig, denn durch das breitere Flussbett bildete sich eine Kiesbank. Sie lenkte die starke Strömung vermehrt in Richtung Ufer und drohte dieses wegzuspülen.

Als temporäre Massnahme wurde versucht, mit Blocksteinen gegen den Druck der Wassermassen anzukämpfen. Dann auch mit Baumstämmen, die man quer in die Aare legte, um die Strömung abzubremsen. Beides offenbar nur mit mässigem Erfolg.

Erosion durch Hochwasser beschleunigt

Warum der ganze Aufwand, wenn der Uferweg nun doch geopfert werden muss? Beim kantonalen Tiefbauamt verteidigt man das Vorgehen. «Eine Verlegung des Aareweges war schon 2006 in Diskussion», sagt Thomas Wüthrich, Bereichsleiter Wasserbau.

Ziel der Renaturierung sei schliesslich sehr wohl gewesen, der Aare grundsätzlich mehr Platz zu geben, sich auszubreiten. «Die grossen und lang andauernden Hochwasser von 2014 und 2015 haben die Erosionsprozesse aber zusätzlich beschleunigt», so Wüthrich.

Fakt ist: Wird der heutige Aareweg so belassen, wie er ist, werden früher oder später Teile davon abbrechen und wird sich der Fluss seinen Weg in die Gonzenbachgiesse – so heissen die daneben liegenden Tümpel – bahnen. «Dass dies einmal passieren würde, war von Anfang an klar und Teil des Projekts», betont Wüthrich.

Verhindern lasse sich dies nicht. «Weil es sich um eine Auenlandschaft von nationaler Bedeutung handelt, dürfen wir das Ufer in diesem Bereich nicht verbauen.» Die temporären Massnahmen seien lediglich dafür da gewesen, mehr Zeit zu gewinnen, eine Lösung zu suchen.

Diese ist mit der Wegverlegung nun gefunden. Geprüft wurden laut Thomas Wüthrich auch Stege, die man dereinst über abgebrochene Wegstellen aufbauen könnte. «Das wäre rein technisch zwar möglich, aber würde auch immer wieder aufwendige Unterhaltsarbeiten erfordern.»

«Je mehr Platz man der Aare gibt, desto weniger ­Schaden kann sie anrichten.»

Thomas WüthrichTiefbauamt des Kantons Bern

Deshalb habe man sich zusammen mit der Gemeinde nun dafür ausgesprochen, der Aare ihre natürliche Dynamik zurückzugeben und dafür eine sichere Wegverbindung zu garantieren. Denn: «Je mehr Platz man der Aare gibt, desto weniger Schaden kann sie letztlich anrichten.»

Neue Halbinsel entsteht

Läuft alles nach Plan und blockieren keine Einsprachen das Projekt, sollen die Bauarbeiten für den neuen Weg bereits nächsten Winter beginnen. Er wird ungefähr 50 Meter vom heutigen Weg entfernt am Fuss des Aarehangs bis zum Muribad führen (siehe Karte).

Gerechnet wird mit Baukosten von rund 800'000 Franken. Und was passiert mit dem alten Weg? Er wird nach den Bauarbeiten seinem Schicksal überlassen und – zumindest der untere Teil – früher oder später von der Aare weggespült. «Das kann unter Umständen nur ein paar Monate oder auch einige Jahre dauern», sagt Wüthrich.

Trotz des Verlusts des vermeintlich schönsten Spazierweges der Gemeinde – ein kleiner Trost bleibt den Murigern. Zwar wird der neue Wegabschnitt nicht mehr wie bisher unmittelbar neben der Aare vorbeiführen.

Dafür aber dürfte sich durch die Ausweitung des Flusses dereinst eine neue Halbinsel unterhalb des Muribads bilden. Ob sie in Muri das Zeug zur neuen Attraktion haben wird, bleibt abzuwarten.

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