Zum Hauptinhalt springen

Der Bierosoph vom Liebefeld

Im Könizer Erzbierschof finden Bierliebhaber neben einem grossen Sortiment einige der skurrilsten Biere der Welt.

Nikola Stosic
Anton Flükiger schenkt im Erzbierschof 17 unterschiedliche offene Biere und über 200 Flaschenbiere aus.
Anton Flükiger schenkt im Erzbierschof 17 unterschiedliche offene Biere und über 200 Flaschenbiere aus.
Urs Baumann

Wer den von aussen unscheinbaren Erzbierschof betritt, merkt schnell, dass hier eine Bieroase liegt. Der Hopfengeschmack liegt in der Luft. Bieruntersetzer aus aller Welt und Scherenschnitte von alten Kassenzetteln schmücken die Wände. Ein Blick auf die Karte, dann die Überraschung: Dies sind keine normalen Biere.

Ehe man sich entscheidet, kann man diverse und teilweise skur­rile Biere testen. Das eine schmeckt nach Essigwein, gewöhnungsbedürftig, aber ein Genuss im Abgang (Abbaye de Saint Bon-Chien). Eines riecht ein wenig nach Altersheim. Nase zu und durch, und es zerläuft dann doch auf der Zunge (Strättligen-Bier).

Leidenschaft als Beruf

Jeder hatte die Idee schon einmal: Den Job hinwerfen und eine Bar eröffnen. Für die meisten bleibt dies ein Leben lang ein Tagtraum. Nicht aber für Anton Flükiger. Er lebt den Traum.

Flükiger, der in Köniz lebt, ist gelernter IT-Berater. Seine Leidenschaft für Biere stand jedoch schon immer an erster Stelle. 2006 machte er die Ausbildung zum Biersommelier. Anfangs nutzte er sein breites Wissen über die Bierwelt, um Degustationen in seinem Freundeskreis zu organisieren. Da es damals aber schwierig war, in der Schweiz an Qualitätsbier zu gelangen, begann Flükiger mit dem Importieren von IPA (Indian Pale Ale) aus dem Ausland.

Daraus wurde 2010 dann ein Onlineshop. Er erinnert sich noch gut an die Anfänge: «Ich wurde oft ausgelacht. Niemand hatte Verständnis für meine Begeisterung an Sauerbieren.» Er liess sich jedoch nicht entmutigen und wollte der Schweiz zeigen, «was es an Bieren eigentlich alles gibt». Zweifel an seiner Geschäftsidee bestanden nie, und eine breite Kundenbasis gewährleistete Erfolg. Dennoch war hier noch nicht Schluss.

2011 eröffnete Flükiger sein erstes Lokal im Liebefeld in Köniz. Zwei Jahre darauf folgte ein Lokal in Winterthur und 2015 schliesslich eines in Zürich und eines in der Berner Innenstadt.

Erfolgsrezept

Das Konzept ist in allen Lokalen das gleiche: viele Zapfhähne, keine laute Musik, die den Biergenuss verzerren könnte, und keine Werbung und Festlegung auf einzelne Biermarken. 17 Biere stehen frisch vom Fass zur Auswahl. Ist ein Fass leer, wird es durch ein komplett anderes Bier ersetzt. «Das bringt Abwechslung. Wieso sollte man sich auf ein paar Biere beschränken?», meint Flükiger. Wem das nicht ausreicht, kann sich an den rund 200 Bieren aus der Flasche bedienen.

Der Fokus liegt klar auf dem Entdecken. Wer auf der Suche nach Erklärungen zu Biergeschichte, Bierstilistik, Fakten und Mythen ist, der wird im ­Erzbierschof fündig. Am interessantesten findet Flükiger Blinddegustationen mit seinen Besuchern: «Wenn der visuelle Bezug fehlt, muss man auf seinen Gaumen vertrauen. Da lernt man auch viel über sich selber.»

Das exotischste Bier, das man hier übrigens finden kann, ist das aus Oregon stammende Voodoo Doughnut Maple Bacon Ale. Und ja, es schmeckt nach einem typisch amerikanischen Frühstück samt dem Speck.

Zukunftsaussichten

Für die Zukunft hat Flükiger moderate Ziele: «Auf dem Markt überleben ist die Hauptsache.» Sorgen macht er sich vor allem aufgrund der Zunahmen an Hobbybrauereien. Gab es 2010 rund 35 Brauereien in der Schweiz, so sind es heute deutlich über hundert. Dies führe laut Flükiger zu einer grossen Amateurisierung auf dem Biermarkt. Diese kleinen Brauereien würden den Markt stürmen und ihre eigenen Preisbedingungen aufstellen. Des-halb sei die Zusammenarbeit schwierig.

Momentan ist er auf der Suche nach einem neuen Standort für das Lokal im Liebefeld. Das jetzige Gebäude wird Ende Jahr abgerissen. Er wolle aber in Köniz bleiben und die dortige Kundschaft nicht verlieren.

Der Erzbierschof wird in Zukunft laut Flükiger weiterhin auf ein breites Know-how setzen. «Wer sich Wissen über Bier aneignen will, bekommt das bei uns. Wissen macht konkurrenzfähig», sagt er stolz und nimmt den letzten Schluck seines Lieblings­bieres.

Dieser Artikel wurde automatisch auf unsere Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch