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Der geheimnisvolle Schuh

Etwa 100 Jahre lag ein einzelner Kinderschuh unentdeckt im Schulhaus Laubegg, jetzt ist er dort als Kunstwerk ausgestellt. Wie kam er wohl dorthin? Im Buch «Der Schuh» schreiben 14 Schweizer Autoren seine Geschichte.

Ein kleiner brauner Schuh schwebt im Schulhaus Laubegg wie schwerelos in einem Glaskasten. Der Kasten ist neu, der Schuh aber liegt schon lange dort. Um die hundert Jahre lag er unentdeckt in einem verstaubten Winkel, bis er dieses Jahr vom Künstlerduo Haus am Gern (Rudolf Steiner und Barbara Meyer Cesta) aus der Vergessenheit geholt wurde. Die beiden fanden den Schuh, als sie das Schulhaus für einen Wettbewerb zur Kunst im öffentlichen Raum der Stadtbauten Bern besichtigten. Sie nahmen ihn mit und brachten den Schuh später wieder ins Schulhaus zurück – als Kunstwerk.

Auf Geschichtensuche

Für seine meist kleinen Betrachter wirft die neue Vitrine viele Fragen auf. Woher kommt der Schuh? Was für eine Geschichte verbirgt sich hinter ihm?

Mögliche Antworten finden sie im dazugehörigen Buch «Der Schuh». Darin erzählen vierzehn Schweizer Autorinnen und Autoren, darunter Ruth Schweikert, Michael Stauffer und Pedro Lenz, ihre Geschichte zum geheimnisvollen Schuh. So könnte es sein, dass er einem 93-jährigen Geistermädchen gehört, das sich schon lange einen zweiten wünscht. Der zweite Schuh ist aber vielleicht in Amerika und sein Besitzer berühmt. Vielleicht aber wurde der Schuh gar nie getragen, sondern ist das Resultat eines unglücklichen Schuhmachers, der sechs Jahre vergeblich daran gearbeitet hat.

Kunst macht Schule

Die kurzen Geschichten dienen aber nicht nur der Unterhaltung, sondern auch dem Unterricht. «Das Projekt regt die Fantasie der Kinder an und bietet für den Unterricht zahlreiche Ansatzpunke», sagt Rudolf Steiner. Das Buch sei für die Kinder lediglich eine Hilfestellung. Wichtiger sei, dass sie selbst Geschichten erfinden und das Objekt hinterfragen könnten. Auch Urs Schütz, der als Schulleiter in der Wettbewerbsjury sass, ist mit dem Kunst-am-Bau-Projekt zufrieden. «Es ist etwas Lebendiges und funktioniert immer wieder aufs Neue.» So erhalten die Laubegger Schüler alle ein Exemplar des Buches.

Glück im Pech

Doch wie kommt man überhaupt dazu, einen alten Schuh auszustellen? Dahinter steckt auch eine ungewöhnliche Geschichte. Kaum nämlich hatten die beiden Künstler den Schuh aus dem Bauschutt gezogen und mitgenommen, begann eine einzige Pechsträhne. Im Atelier wurde eingebrochen und die Computer, Festplatten und Archive gestohlen. Abgesegnete Werkbeiträge kamen nicht an, das Auto ging kaputt. «Dieser Schuh bringt uns Unglück», dachten die beiden und beschlossen, ihn ins Schulhaus zurückzubringen, in der Hoffnung, das Pech wieder loszuwerden. Und siehe da, mit dem Sieg des Wettbewerbs kam das Glück zurück. (Verlag: SJW 2362)

Buchvernissage: «Der Schuh», Morgen Freitag um 20 Uhr, Grand Palais Bern. Die Vernissage findet im Rahmen des Berner Literaturfests statt.

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