«Der Körper bietet ein perfektes System»

Romy Schaller ist Gehirnfitness-Trainerin. Gehirnfitness? Trainerin? Tönt das nicht ein wenig abgehoben?

Fitness fürs Gehirn durch gezieltes Körpertraining: Romy Schaller unterrichtet an der New Dance Academy in Bern.

Fitness fürs Gehirn durch gezieltes Körpertraining: Romy Schaller unterrichtet an der New Dance Academy in Bern.

(Bild: Enrique Muñoz Garcia)

Romy Schaller lacht laut heraus und schlägt die Hände über dem Kopf zusammen. «Beim Gehirnfitnesstraining geht es um medizinisch fundierte Körperpädagogik. Darum, über den Körper den Kopf von Blockaden zu lösen. Denn der Kopf ist unser schlimmster Blockierer.» Aha. Und wie geht das?

Nun wird die quirlige, energiegeladene 59-Jährige konkret, biegt den Oberkörper behende nach vorn, streckt sich, dreht den Kopf nach links und rechts, nach oben, nach unten. «Schauen Sie, das Hirn wird fit durch Körpertraining für Bauch, Rücken und Beine, durch Atemtraining, Hals- und Nackenübungen – aber auch durch Entspannung und Meditation.»

Ebenso gehören kopflastige Erinnerungsübungen mit Zahlen und Wörtern dazu. «Der Körper bietet jedem Menschen ein perfektes System dazu, auch im Kopf fit zu sein.» Nur müsse man dieses System eben intelligent zu nutzen wissen. Das alles sei im Übrigen durch die moderne Gehirnforschung belegt.

«Keine Vorkenntnisse»

Wir befinden uns mitten in einem Raum der New Dance Academy am Bubenbergplatz in Bern, in dem Romy Schaller seit zwanzig Jahren ihre Trainingskurse für Gruppen anbietet. Fast täglich fährt sie von ihrem Wohnort Heimberg dafür in die Bundesstadt. Zudem erteilt sie individuelles Einzelcoaching. «Vorkenntnisse braucht es für das Training nicht. Wichtig ist, dass die Kursteilnehmerinnen und Kursteilnehmer mit Begeisterung dabei sind», betont Romy Schaller.

Das Training wirke in erster Linie präventiv. Es biete Gegensteuer zu den Mechanismen in unserer Leistungsgesellschaft und könne mithelfen, Ängste abzubauen. «Es ist ein ganzheitliches Programm für Körper und Geist.» Dies im Gegensatz zu «klassischen» Trainingsmethoden wie etwa reinem Kraft- und Konditionstraining oder auch Yoga.

Blockaden im Kopf sollen gelöst werden. Bild: Enrique Muñoz Garcia

Doch wie wird man eigentlich «lizenzierte Gehirnfitnesstrainerin»? Also: Romy Schaller hat gleich mehrere berufliche Ausbildungen abgeschlossen. So ist sie diplomierte Bewegungspädagogin, diplomierte Atemtherapeutin und ebenfalls diplomierte Tanzsporttrainerin.

Am deutschen Gluckerkolleg, einer Hochschule für Sportlehrer und Therapeuten, spezialisierte sie sich schliesslich im Bereich Gehirnfitness und erwarb eine Lizenz als Trainerin. «Für diesen Beruf muss man wissen, wie der Körper funktioniert», erklärt Romy Schaller.

«Nicht stehen bleiben»

Und was für Leute kommen in ihre Kurse? Die begeisterte Tänzerin, Saxofon- und Golfspielerin denkt kurz nach. «Man kann es vielleicht so sagen: Es sind in der Regel Menschen, die mitten im Leben stehen. Und die in ihrem Leben schon etwas erreicht haben. Die aber nicht stehen bleiben, sondern sich persönlich weiterentwickeln wollen.»

Lehrer gehören dazu, Ar­chitekten, Ingenieure, sogar Diplomatinnen. «Aber Gehirnfitnesstraining ist keine elitäre Angelegenheit», präzisiert Romy Schaller im selben Atemzug. «Da können durchaus auch Büezer, Studenten oder Hausfrauen mitmachen.» Sagts – und bereitet sich auf die nächste Lektion mit einer Gruppe vor.

Berner Zeitung

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