Der lange Kampf um den Fussballplatz

Köniz

Seit Jahren träumt der FC Wabern von einer besseren Infrastruktur. Die Politik wäre für Massnahmen bereit. Doch nun blockieren Einsprachen das Projekt. Das 40-Jahr-Jubiläum des Vereins ist deshalb getrübt.

Das Fussballfeld beim Gymer Lerbermatt: Seit Jahrzehnten kickt der FC Wabern hier, fühlt sich aber nicht willkommen. Foto: Urs Baumann

Das Fussballfeld beim Gymer Lerbermatt: Seit Jahrzehnten kickt der FC Wabern hier, fühlt sich aber nicht willkommen. Foto: Urs Baumann

Christoph Albrecht

Eigentlich sollte sich Martin Eggimann freuen. Der FC Wabern, von dem er im 17. Jahr Präsident ist, feiert dieses Wochenende sein 40-jähriges Bestehen. Diverse Fussballturniere stehen auf dem Programm. Sponsorenläufe. Bratwurst und Bier.

Nur: Zum Feiern zumute ist dem 64-Jährigen kaum. Statt von Vorfreude auf das Vereinsfest spricht er von «Frust». Von einer «gewissen Resignation». Von einem «Fass ohne Boden». Und davon, dass er «als Präsi bei dieser Sache» wohl keinen Durchbruch mehr erleben werde.

Seit Jahrzehnten kämpft der Verein, der noch nie einen eigenen Fussballplatz hatte, um eine bessere Infrastruktur. Denn die Sportanlage des Gymnasiums Lerbermatt, wo der FC Wabern seit 1984 Gastrecht hat, reicht für den Trainings- und Spielbetrieb der 14 Mannschaften und gegen 200 Junioren nicht mehr aus.

«Wir sind seit über dreissig Jahren auf der Lerbermatt und besitzen noch immer keinen Schlüssel zur Anlage.»Martin Eggimann, Präsident FC Wabern


Kein Zugang während Ferien

Ein Problem ist der Rasenplatz. Er ist zu klein, entspricht von der Fläche her gerade noch den ­Anforderungen des Fussballverbandes. Steigt die aktuell in der 3. Liga spielende erste Mannschaft des FCW aber in die 2. Liga auf, wo sie in der Vergangenheit immer wieder kickte, ist dort Endstation. Ein weiterer Aufstieg wäre wegen des Platzes nur mit Sonderbewilligung möglich.

Hinzu kommt ein seit je stark beschränkter Zugang zu den Garderoben des Gymer: Ausserhalb der Schulzeiten, also während Ferien und Feiertagen, sind die Räumlichkeiten für den Fussballclub geschlossen. «Wir sind seit über dreissig Jahren auf der Lerbermatt und besitzen noch immer keinen einzigen Schlüssel zur Anlage», sagt Martin Eggimann.

Das erfordert organisatorische Sonderefforts. Nicht nur müssen die Verantwortlichen des FC Wabern in solchen Fällen Bälle und sonstiges Material mangels Zugang jeweils mit Privatautos zum Training karren. Auch für Meisterschaftsheimspiele, die vom Fussballverband etwa über Ostern oder Pfingsten angesetzt werden, sind immer wieder Verschiebedaten nötig.

Vor rund drei Jahren schien es, als würde sich die Situation verbessern. Der politische Wille war auf einmal da, das Könizer Parlament sprach sich für eine Aufwertung der Fussballinfrastruktur auf der Lerbermatt aus. Das aufgegleiste Projekt liess sich sehen. Es beabsichtigte nicht nur den Ausbau des Platzes zu einem ligatauglichen Fussballfeld. Entlang der Kirchstrasse sollte zudem ein Neubau entstehen – mit Garderoben, Duschen, WC, Materialraum und sogar einem eigenen, kleinen Clublokal.

Ausbauprojekt blockiert

Bis heute existiert das Vorhaben jedoch nur auf dem Papier. Grund sind Einsprachen von Anwohnern. Sie befürchten unter anderem mehr Lärm, Licht und Verkehr im Quartier. Das Dossier ist derzeit beim Kanton. Das Amt für Gemeinden und Raumplanung (AGR) wird nach der Prüfung der Einsprachen entscheiden, wie es mit dem Projekt weitergeht.

Wann dies der Fall sein wird, ist offen. Und selbst wenn sich das AGR hinter die Fussballer stellen würde, wäre damit noch nichts gewonnen. Im Umfeld des Vereins rechnet man damit, dass die Einsprachen weitergezogen würden. Instanz um Instanz.

Auch FC-Präsident Martin Eggimann weiss, dass das Spiel noch bis weit in die Verlängerung hinein dauern könnte. «Für uns stellt sich deshalb die Frage, ob der Platz auf der Lerbermatt überhaupt noch der richtige ist.» Dies, zumal sich der Verein auf der Anlage generell nicht willkommen fühlt.

«Als externer Nutzer kommen wir uns hier oft wie Störenfriede vor», so Eggimann. Die Anlage sei ausgerichtet für den Schulsport. Um zur Garderobe zu gelangen, müssten die Fussballer etwa mit den Fussballschuhen durch die Turnhalle laufen. Immer wieder komme es deswegen zu Konflikten mit den Anlageverantwortlichen.

Eggimann vermisst die Wertschätzung. Schliesslich leiste man seit Jahren wertvolle Jugend- und Integrationsarbeit. Er träumt deshalb von einem eigenen Fussballplatz, zum Beispiel auf dem Nesslerenareal an der Gemeindegrenze zu Kehrsatz, wo gemeindeeigenes Land zur Verfügung stünde.

«Köniz fehlen vier Felder»

Gemeinderat Hans-Peter Kohler (FDP) zeigt Verständnis. «Köniz fehlen mindestens vier Fussballfelder», sagt er. Die Gemeinde sei in diesem Bereich arg im Rückstand. Trotzdem hält er ein eigenes Feld für den FC Wabern derzeit für unrealistisch. Das Nesslerenareal könnte für die Zukunftsplanung der Gemeinde zwar durchaus auch im Bereich Schule und Sport mal zum Thema werden.

«Im Fokus steht aktuell aber der Ausbau der Felder in der Lerbermatt und beim Oberstufenzentrum Köniz.» Auch letzteres Projekt kam bis jetzt nicht vom Fleck, da es um Landerwerb ging. «Die Prüfung von Alternativen wurde nun gestartet», so Kohler.

Und so bleibt Martin Eggimann nichts anderes übrig, als mit dem Status quo vorliebzunehmen. Und der heisst Lerbermatt, auch heute beim Jubiläumsfest. Immerhin: Dieses ist trotz Sommerferienzeit möglich – dank Sonderbewilligung.

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