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Der Leidensdruck ist gross

Das Talgutzentrum ist in die Jahre gekommen. Will es überleben, muss sich etwas Grundlegendes ändern, das ist allen Beteiligten klar. Nur was? Die Gemeinde sucht Antworten, auch Coop und Migros denken mit.

Im Talgutzentrum: Peter Schmid von Coop, Matthias Thümmler von der Migros und Peter Gubler, Vertreter der Stockwerkeigentümer (v. l.).
Im Talgutzentrum: Peter Schmid von Coop, Matthias Thümmler von der Migros und Peter Gubler, Vertreter der Stockwerkeigentümer (v. l.).
Beat Mathys

Einst wurden in diesem Laden mitten im Ittiger Talgutzentrum Kleider verkauft. Doch seit einiger Zeit steht das 95 Quadratmeter grosse Lokal leer. Mit einem Plakat im Schaufenster suchen die Besitzer nach neuen Mietern. Aufschrift: «Wir vermieten Perspektiven.»

Die Perspektiven für das Talgutzentrum in seiner jetzigen Form sind aber nicht allzu rosig. Der Bau aus den Achtzigerjahren ist zu gross dimensioniert. Gestalterisch mag er heutigen Ansprüchen nicht mehr genügen, das Shoppingerlebnis fehlt.

Coop ist zwar im Zentrum präsent, doch die Migros nicht: Ihre Filiale steht neben dem Zentrum und ist über eine andere Einstellhalle zugänglich. Zudem sind die Öffnungszeiten der 27 verschiedenen Talgutläden uneinheitlich. Das ist ärgerlich für die Kundinnen und Kunden; also weichen sie auf neuere Shoppingcenter in der Umgebung aus.

34 Eigentümer

Es muss sich also etwas ändern im Talgutzentrum. Das ist den Beteiligten bewusst: den Gemeindebehörden, den Betreibern der Läden wie auch den Besitzern der Gebäude. Nicht weniger als 34 Stockwerkeigentümer sind ­involviert – 34 Parteien mit unterschiedlichsten Interessen. Sie auf eine gemeinsame Linie zu bringen, ist schwierig.

Die Perspektiven für das Talgutzentrum in seiner jetzigen Form sind nicht allzu rosig.

Die Besitzverhältnisse seien das Grundproblem, sagt Peter Gubler, der im Talgutzentrum ein Notariatsbüro betreibt. Mittlerweile hat der Leidensdruck eine Dimension erreicht, dass die Stockwerkeigentümer einstimmig einen Ausschuss eingesetzt haben.

Das Gremium, dem auch ­Gubler angehört, sucht nach Lösungen, wie die Besitzverhältnisse vereinfacht werden könnten. Denkbar ist, dass Investoren das Talgutzentrum übernehmen und erneuern, ja, vielleicht sogar neu bauen.

Bevölkerung wird befragt

«Wir müssen den Detailhandel in Ittigen neu denken», sagt Gemeindepräsident Marco Rupp (Bürgervereinigung). Zusammen mit der Uni St. Gallen lancieren die Gemeindebehörden deshalb eine Bevölkerungsbefragung.

Sie laden alle Ittiger Haushalte per Flyer ein, 32 Fragen zum Einkaufsverhalten zu beantworten. Das Ziel: herausfinden, welche Einkaufsformen künftig gefragt sind. Danach gilt es, die Erkenntnisse auf dem ganzen Gemeindegebiet umzusetzen, natürlich auch im Talgutzentrum.

Dass das Zentrum seine Berechtigung hat, das ist für Marco Rupp klar. Es stehe an guter Lage, zudem würden immer mehr Leute auf dem Nachhauseweg nach der Arbeit einkaufen. «Das ist eine grosse Chance für Ittigen», sagt Rupp. Immerhin gibt es in der Gemeinde, Swisscom und Bundesverwaltung sei Dank, heute 12 500 Arbeitsplätze.

Kommt die Migros?

Eine wichtige Rolle spielen Coop und Migros. Beide haben sich in einem Koordinationsabkommen mit der Gemeinde verpflichtet, auf der Suche nach neuen Lösungen zu helfen. «Wir stehen zum Talgutzentrum», erklärt Peter Schmid, Leiter der Coop-Verkaufsregion Bern.

«Wir müssen den Detailhandel in Ittigen neu denken.»

Marco Rupp, Gemeindepräsident

Kürzlich hat Coop das Restaurant im Talgutzentrum modernisiert, der Supermarkt wird in den nächsten Jahren folgen. Denn das Talgutzentrum werde immer noch über die Gemeindegrenzen hinaus genutzt, hat Schmid festgestellt. 10 Prozent der Kunden im Coop Ittigen stammen zum Beispiel aus Stettlen und Ostermundigen.

Als das Talgutzentrum seinerzeit geplant wurde, war Coop dagegen, dass sich auch die Migros hier niederlässt. Heute ist das ­anders: «Eine Integration der ­Migros in das Talgutzentrum ist anzustreben», heisst es im von Coop und Migros unterzeichneten Koordinationsabkommen.

Ob es tatsächlich zur Integration kommt, ist aber ungewiss. Kurzfristig bestehe keine Absicht, den heutigen Standort des Migros-Supermarktes zu überdenken, erklärt Matthias Thümmler, Leiter Expansion, Planung und Entwicklung bei der Migros Aare. Man prüfe aber – wie an jedem Standort – «alle Gegebenheiten und Möglichkeiten».

Klar ist schon jetzt: Solche Änderungen brauchen Zeit. «Wenn wir bis in drei, vier Jahren neue planerische Grundlagen für das Talgutzentrum haben, sind wir schnell», sagt Gemeindepräsident Rupp.

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