Der letzte «Engadiner» der Ruderer

WohlenseeAm Samstag findet der Armadacup zum letzten Mal in dieser Form statt. Hier traf sich seit über dreissig Jahren, wer im Rudern Rang und Namen hat.
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Hans Ulrich Schaad

Sie sind Weltmeister oder Olympiasieger, das Jahr über harte Konkurrenten. Einmal im Jahr aber sitzen die besten Skiff-Ruderer am gleichen Tisch beim Essen und haben es sogar lustig. So erzählt es Thomas von Burg, seit zehn Jahren OK-Präsident des Armadacups auf dem Wohlensee.

Am Samstag werden die Ruderstars ein letztes Mal mit den Organisatoren bei einem Fondue anstossen. Weil niemand mehr im OK die Verantwortung für die Gesamtleitung und insbesondere das Sponsoring übernehmen will, ist die 32. Austragung die letzte mit einem international stark besetzten Rennen. «Das tut weh», sagt von Burg, der seit den Anfängen vor über dreissig Jahren dabei ist.

Organisiert wird der Armadacup vom Regattaverein Bern als Trägerverein, der sich vorwiegend aus Mitgliedern der Ruderclubs Bern und Wohlensee zusammensetzt. Im Regattaverein sind auch mehrere Personen aus dem Seeclub Biel, so etwa der OK-Präsident. Aktuell ist von Burg ebenfalls für das Sponsoring verantwortlich. Er schätzt seinen Aufwand für die beiden Chargen mit je 120 Stunden.

Weil der Armadacup ein internationaler Wettkampf ist, sei der Aufwand hoch. Helfer gebe es zwar immer genug, und auch die Finanzen seien kein Problem. Aber es fand sich niemand, der sich zutraute und bereit war, diesen Rudergrossanlass in seiner jetzigen Form als OK-Präsident zu organisieren.

Gedanken zur Zukunft

Von Burg hat viele Personen angesprochen, ob sie nicht seine Nachfolge oder mindestens das Amt des Sponsorenchefs übernehmen möchten. Aber alle haben abgewinkt. Inzwischen hat der Verein eine neue Führung, die sich Gedanken über die Zukunft des Cups gemacht hat. Aber eine Analyse habe ergeben, dass der Anlass in heutiger Form, mit hochkarätiger internationaler Beteiligung, 2019 kaum mehr möglich sein werde.

Der Armadacup mit Massenstart gilt in der Szene als «Engadiner» der Ruderer. Er habe seinen Ursprung auch beim grossen Langlaufevent im Engadin, blickt Thomas von Burg zurück. Marc Furrer, der Initiator des Armadacups, habe mit einigen Kollegen jeweils den Skimarathon absolviert und einmal darüber diskutiert, ob ein ähnlicher Anlass auch im Rudern möglich wäre.

Bild: Nicole Philipp

«Die Spitzenruderer kommen immer wieder gern und lieben dieses Rennen.»Thomas von BurgOK-Präsident Armadacup

Sie machten auf dem Wohlensee einen Test: Ja, es ist möglich. So fand Ende Oktober 1987 das erste Rennen über die rund neu Kilometer statt. Sieger war der Deutsche Peter-Michael Kolbe, seines Zeichens mehrfacher Weltmeister im Skiff.

Die Tücken der Strecke

Peter-Michael Kolbe sei der Einzige, der einmal ein Startgeld erhalten habe, sagt Thomas von Burg. Seither starten die Ruderstars ohne Antrittsgage auf dem Wohlensee. Die Organisatoren übernehmen Unterkunft, Verpflegung und Reisespesen.

Ein Bootsbauer stellt für die Cracks Material zur Verfügung. Und es gibt ein Preisgeld: Der Sieger erhält 1500 Franken. «Die Spitzenruderer kommen immer wieder gern und lieben dieses Rennen», sagt der OK-Präsident. Der Termin im Oktober liege günstig am Ende der Saison. Zudem habe es lange kaum ähnliche Wettkämpfe gegeben.

Heute finden solche Regatten etwa in Turin, Boston oder Neuseeland statt. Letztere wird von Mahé Drysdale organisiert. Der zweifache Olympiasieger und mehrfache Weltmeister war Dauergast am Wohlensee.

Der Armadacup ist für die Teilnehmenden eine grosse Herausforderung. Der Massenstart mit 250 Ruderern, keine Bahnen, viele Kurven, Untiefen und Seegras oder Algen haben ihre Tücken. Speziell sei auch, so von Burg, dass sich Profis, Frauen und Hobbyruderer im gleichen Wettkampf messen und ihre Zeiten direkt vergleichen könnten.

Man habe mal diskutiert, die Frauen in einem eigenen Feld starten zu lassen, aber: «Sie wollen sich direkt mit den Männern messen.» Die Teilnehmenden absolvieren die Strecke zweimal. Denn die Boote müssen beim Bootshaus des Rowing Club Bern in der Eymatt gewassert werden. Der Weg zum Start beim Stauwehr Mühleberg erfolgt rudernd.

Seegras ist gemäht

Für das Rennen am Samstag ist alles bereit. Die Strecke befinde sich in einem sehr guten Zustand, schreiben die Organisatoren. Es habe kaum Schwemmholz und nur noch wenig Algenwuchs. Die BKW hat das Seegras im Wohlensee in den letzten Wochen gemäht. Einem attraktiven und hochkarätig besetzten Armadacup steht damit nichts mehr im Weg.

Mit den Brüderpaaren Valent und Martin Sinkovic – die Kroaten gelten derzeit als weltbeste Ruderer – und den Iren Paul und Gary O’Donovan haben sich wieder aktuelle und ehemalige Medaillengewinner an Weltmeisterschaften und Olympischen Spielen angemeldet.

Berner Zeitung

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