Der Mann, der den SBB Farbe verlieh

Uli Huber (81) erhält den Berner Design-Preis 2019. Ein Besuch im Atelier des ehemaligen Chefarchitekten der SBB.

Uli Huber wohnt und arbeitet im Berner Altenbergquartier.

Uli Huber wohnt und arbeitet im Berner Altenbergquartier.

(Bild: Raphael Moser)

Helen Lagger@FuxHelen

Uli Huber wohnt und arbeitet in nächster Nähe zur Aare im Altenbergquartier. Das Atelier liegt im Untergeschoss seines Wohnhauses. Bei den letzten grossen Überschwemmungen habe er mit vielen Helfern Sandsäcke schleppen müssen, verrät der 1938 in Langenthal geborene Architekt. Bereitwillig setzt sich Huber für den Fotografen auf ein Mäuerchen, die Aare im Rücken.

Ordner, Bücher über Architektur, Ausstellungsplakate und Familienfotos liegen und stehen in dem schmalen Bau dicht beieinander. Huber erhält heute im Kornhausforum den mit 15'000 Franken dotierten Berner Design-Preis. Im Rahmen der Ausstellung «Bestform» wird ein Ausschnitt seines Schaffens zu sehen sein.

Farbenlehre

Huber prägte das Erscheinungsbild der SBB während vieler Jahre. Von 1973 bis 1999 war er Chefarchitekt und Leiter der Abteilung Hochbau bei der Generaldirektion der Schweizerischen Bundesbahnen in Bern. Er arbeitete eng mit privaten Architektur- und Ingenieurbüros, Designateliers und Künstlern zusammen. So liess Huber unter anderem die biederen Schürzen des weiblichen SBB-Schalterpersonals durch moderne Dienstkleider ersetzen. Dafür hatte er die Zürcher Modedesignerin Ruth Grüninger beauftragt.

«Es sollte ein möglichst reines Rot nahe an der Farbe der Schweizer Flagge sein.»Uli Huber, Gewinner des Berner Design-Preises

«Ich hatte am Anfang weitgehend freie Hand», erinnert er sich. Auch das SBB-Logo liess Huber überarbeiten. Ausserdem erhielt er grünes Licht, die grünen Lokomotiven in Rot umzuspritzen. «Es sollte ein möglichst reines Rot nahe an der Farbe der Schweizer Flagge sein.» Ein reineres Orange, ohne beige Brustbinde, schwebte ihm hingegen für die RBS-Züge und -Busse vor. Mit den grossen Frontscheiben und dem darauf leuchtenden Logo samt integrierter Zielanzeige verpasste er in Zusammenarbeit mit dem RBS und Stadler Rail der dritten S-Bahn-Generation einen modernen Auftritt.

Alle Disziplinen einbezogen

Der Gestaltungswille von Huber manifestiere sich in einem Gesamtkunstwerk, das alle Disziplinen miteinbeziehe, sagt Anna Niederhäuser, Präsidentin des Fachausschusses der Berner Design-Stiftung. «Er hat eine breite Öffentlichkeit darauf aufmerksam gemacht, dass die Identität einer Institution sowohl in der Architektur, dem Produktedesign als auch in der Grafik zum Ausdruck kommt.»

Nach dem Prinzip der Patenschaft gehen 5000 Franken von Hubers Preisgeld an einen förderungswürdigen Newcomer im gestalterischen Bereich. Huber hat sich für die Produktedesignerin Lisa Ochsenbein entschieden: «Es war mir wichtig, eine Frau auszuzeichnen, da ich selbst Vater dreier Töchter in freien Berufen bin.» Seine älteste Tochter ist die Tänzerin und Choreografin Anna Huber, seine mittlere Tochter Susanne ist Pianistin und Sophie, die jüngste, eine bekannte Filmerin. Huber selbst absolvierte ursprünglich eine Lehre als Hochbauzeichner. Danach studierte er an der Berner Fachhochschule für Architektur in Burgdorf sowie an der ETH in Zürich.

Talent und Verantwortung

Bevor Huber zu den SBB ging, arbeitete er für das Architekturbüro Zweifel + Strickler in Zürich, dessen Zweigbüro in Saint- Aubin er leitete und woraus sein eigenes Büro entstand. Für die SBB gestaltete er unter anderem die neuen Hallen des Schienenverkehrs im Verkehrshaus Luzern oder leitete von 1993 bis 2016 die Beratungsgruppe Gestaltung der Alp Transit Gotthard AG.

Die Landschaft wurde in vielen Projekten Hubers mitgestaltet. Bei den sanierten untersten zwei Tunneln der einzigartigen Sustenpassstrasse wird die Schalttechnik elegant in einem in der Seitenansicht dreieckigen Betonblock verborgen.

Gegen die Zersiedelung

Huber gehört zu den zahlreichen Architekten, die sich für die Zersiedelungsinitiative starkgemacht haben. Manchmal müsse man Bauen verhindern. Gutes Bauen habe nicht nur mit Talent, sondern immer auch mit Respekt und Verantwortung zu tun, begründet er.

«Gute Architektur versucht die Bedürfnisse der Menschen vorwegzunehmen», ist Huber überzeugt. Sein Gipsmodell der Portallandschaft des Lötschberg-Basistunnels ist bereit für den Transport ins Kornhaus. Dass er nach dem Design-Preis Schweiz «Verdienste» den Berner Design-Preis «erst» mit über achtzig Jahren bekomme, störe ihn überhaupt nicht.

Preisverleihung: heute Donnerstagabend um 19 Uhr, Kornhausforum Bern. Ausstellung «Bestform»: bis 28. April. www.bernerdesignstiftung.ch

Berner Zeitung

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