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Der neue Aareweg «ist vertretbar»

Es ist ein Plädoyer für eine dynamische Aue, in der die Aare ihre Kräfte frei entfalten kann: Jan Ryser von Pro Natura erklärt, warum es Sinn machen kann, den Uferweg in der Wehrliau zu verlegen.

Links das Schilf, rechts der heutige Uferweg: Jan Ryser plädiert für eine dynamischere Gonzenbachgiesse.
Links das Schilf, rechts der heutige Uferweg: Jan Ryser plädiert für eine dynamischere Gonzenbachgiesse.
Iris Andermatt

«Wenn etwas anders wird, ist es nicht einfach schlechter.» Nachdenklich lässt Jan Ryser seinen Blick über die Gonzenbachgiesse schweifen. Idyllisch glitzert das stille Wasser hinter dem Parkplatz Wehrliau in Muri im Sonnenlicht. Zur Linken leuchtet das satte Grün des Schilfgürtels, zur Rechten werfen die mächtigen Bäume des Aareuferwegs willkommenen Schatten.

Der Uferweg ist auch das Thema, das den Biologen und Geschäftsleiter von Pro Natura Bern auf Einladung dieser Zeitung in die Auen bei Muri führt. Genauer das, was Kanton und Gemeinde hier vorhaben: Weil die Aare stärker am Ufer nagt als vor­aus­ge­sagt, wollen sie den Weg auf die andere Seite der Gonzenbachgiesse verlegen und die Allee der Erosion preisgeben.

Gross ist nun der Sturm der Entrüstung in Muri und der nahen Stadt Bern, denn für so viele stellt der Weg weit mehr dar als die Verbindung vom Parkplatz zum Muribad. Er ist ein Ort zum Spazieren, Grillieren, kurz zum Verweilen an lauen Sommerabenden – kein Wunder, haben in zwei Wochen gegen 3100 Personen ihre Unterschrift unter eine Petition gesetzt und so ihr Missfallen über das Geplante ausgedrückt. Heute wird das Begehren dem Gemeinderat übergeben.

Grosse Artenvielfalt

Dabei, nimmt Ryser den Faden auf, könne das Wegprojekt für die Gonzenbachgiesse eine Chance sein. Der Biologe redet nun allgemein von den Auen, davon, dass es verschiedene Elemente in diesen flussnahen Landschaften gibt. Neben Gebieten mit stehenden Gewässern wie der Gonzenbachgiesse gibt es auch Zonen, die den Kräften des Wassers voll ausgesetzt sind. Sie werden regelmässig überschwemmt und sind an den exponiertesten Stellen von Kiesbänken geprägt, derweil ein Stück landeinwärts schon erste Gehölze wachsen. Weiden zum Beispiel oder auch Erlen.

Diese dynamischen Zonen seien einem steten Wandel unterworfen und böten verschiedenste Lebensräume, fährt Ryser fort. Entsprechend vielfältig ausgeprägt sei die Pflanzen- wie die Tierwelt, kurz: «Eine so grosse Artenvielfalt auf so engem Raum bietet die Natur sonst an kaum einem Ort.»

Die ruhigeren Gebiete mit stehenden Gewässern, auch darauf weist Ryser hin, hätten ebenfalls ihren Wert. Sie seien aber genauso nur eine Momentaufnahme: «Weil die äusseren Einflüsse fehlen, verlanden sie und werden ­irgendwann zu Wald.»

Unvermittelt ist er bei einem Punkt angelangt, an dem die Kritiker mit der Petition einhaken. Sie können nicht verstehen, dass der neue Weg die Spaziergänger in Scharen in ein unberührtes Biotop lenken wird. In dicht besiedelten Gebieten wie der Region Bern gehe es im Naturschutz nicht ohne Kompromisse, hält Ryser dem entgegen. Wer einen neuen Lebensraum schaffe, opfere ei­nen bestehenden – «im Einzelfall muss man abwägen, welchem man den Vorzug gibt».

Lenkende Massnahmen

Dass er im Fall der Gonzenbachgiesse das Vorgehen durchaus für vertretbar hält, sagt Ryser offen. Zu rar seien die Stellen geworden, an denen die Aare ihre Kräfte frei entfalten könne. Stellen mit stehenden Ge­wässern dagegen gebe es an der Aare einige. Und nochmals: Von idealen Verhältnissen wie in Osteuropa, wo den Flüssen genug Raum für Auenlandschaften verschiedenster Art bleibe, sei die Region Bern weit entfernt. «Dafür fehlt der Platz.»

Was er zum befürchteten Besucheransturm sage? «Der Druck auf das Gebiet ist so oder so da.» Klar entstünden am neuen Weg wohl auch neue Grillplätze – ne­ben jenen an der heutigen Allee, die trotz Erosion zumindest in Teilen bestehen blieben. Notfalls müsse man die Leute entsprechend lenken. Ein Wassergraben oder ein dorniger Strauch bewirke viel.

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