Credit Suisse steigt aus

Köniz

Das wars: Die Credit Suisse Funds AG lässt die geplante Überbauung auf dem Bläuacker fallen. Die Gemeinde als Haupteignerin beunruhigt das nicht sonderlich. Ein neuer Investor lasse sich an dieser Lage leicht finden.

<b>In Schieflage:</b> Die lädierte Profilstange steht symbolisch für die geplante Überbauung auf dem Kiesplatz neben dem Migros-Zentrum Bläuacker in Köniz.

In Schieflage: Die lädierte Profilstange steht symbolisch für die geplante Überbauung auf dem Kiesplatz neben dem Migros-Zentrum Bläuacker in Köniz.

(Bild: Beat Mathys)

Stephan Künzi

Der juristische Streit mit den Nachbarn im Café Scherz ist beigelegt und die Baubewilligung da. Das steht fest, seit Gemeinderat Christian Burren (SVP) am Montag das Könizer Parlament zur Zukunft der Überbauung auf dem Kiesplatz neben der Migros Bläuacker informiert hat.

Doch nach wie vor sind viele Fragen offen, und es werden nun sogar noch mehr. Seit gestern ist nämlich bekannt: Dem sogenannten Bläuacker II ist der Investor abhandengekommen.

Als der damalige Gemeinderat Urs Wilk im Mai 2016 das Geschäft zuhanden der Volksabstimmung vorstellte, schien die Sache klar zu sein. Die Gemeinde sollte an der Urne Ja zu einem Baurecht sagen, das Köniz und die Burgergemeinde Bern als gemeinsame Landbesitzerinnen dem Investor gewähren sollten, und Wilk sagte auch, wer das sei: Die Credit Suisse Funds AG, ein Immobilienfonds der gleichnamigen Grossbank.

Heute ist das Schnee von gestern: «Die Credit Suisse Funds AG hat sich aus dem Projekt ­zurückgezogen», hält Sprecherin Melanie Gerteis auf Nachfrage in einer knappen Mail fest. Grund dafür sei «einerseits die Verzö­gerung bei der Erlangung der Baubewilligung, andererseits die veränderten Verhältnisse beim Vorvermietungsstand».

Migros und Bank

Das lässt Raum für Interpretationen offen, zumal die Sprecherin für Details telefonisch nicht mehr zu erreichen war. Schon länger bekannt ist indessen, dass die Migros als Mieterin der Gewerberäume im hinteren der zwei geplanten Neubauten nicht mehr so eindeutig feststeht. Auch in diesem Punkt schien im Mai 2016 Klarheit zu herrschen.

Der Grossverteiler werde seine Verkaufsaktivitäten auf den Bläuacker II ausdehnen, kündigte Wilk damals an. Dem hielt Mi­gros-Sprecherin Andrea Bauer im letzten Frühling entgegen, man prüfe höchstens die Möglichkeit, weitere Flächen für Gastronomie und Lager zu mieten. Heute sei das Megacenter nicht mehr so ­gefragt, im Trend liege der Kleinladen um die Ecke.

«Der Bläuacker II liegt so attraktiv, dass sich ein neuer Investor problemlos finden lassen wird.»Thomas Brönnimann, Gemeinderat

Ebenfalls offen ist, was mit den Gewerberäumen im vorderen Neubau passiert. Eigentlich wollte die Credit Suisse ihre Könizer Filiale hierhin zügeln. Weil sich der ursprünglich für den Frühling 2017 geplante Baubeginn ­wegen des Streits verzögerte, schloss die Bank vor zwei Monaten ihre alte Filiale, ohne bereits Ersatz zu haben.

Sprecher Andreas Kern versichert zwar, dass Köniz für die Credit Suisse als Standort unverändert wichtig sei. Ob die neue Filiale auf dem Bläuacker oder nicht doch anderswo eingerichtet werde, stehe aber noch nicht fest.

Kryptisch sind schliesslich auch die Auskünfte von Losinger-Marazzi. Die Generalunternehmung hat die Überbauung entwickelt und die Credit Suisse Funds AG als Investorin vermittelt. Vor zwei Jahren sei «das Projekt inklusive Projektpartnern (Mieter, Investor)» tatsächlich «definiert» gewesen, hält Sprecherin Daniela Born fest.

Dann kam der Streit mit dem Café Scherz, und heute ist alles offenbar etwas ­anders: «Wir sind in Kontakt und Verhandlungen mit verschiedenen potenziellen Mietern und Investoren.» Und weiter, ohne ins Detail zu gehen: «Es gilt die neuen Anforderungen und Bedürfnisse im Projekt zu integrieren.»

Nun im nächsten Frühling

Losinger-Marazzi zeigt sich optimistisch, mit den Bauarbeiten im nächsten Spätfrühling beginnen zu können. Dass dies möglich ist und dann endlich Baurechtszinsen fliessen, glaubt auch Köniz. Gemeinderat Thomas Brönnimann (GLP) erinnert an die Nähe zur Migros nebenan, aber auch zum Coop vis-à-vis sowie zu weiteren Läden: «Der Bläuacker II liegt so attraktiv, dass sich ein neuer Investor problemlos finden lassen wird.»

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