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Der predigende Ökonom

Ansgar Gmür, pensionierter Direktor des Schweizerischen Hauseigentümerverbands, wird am Sonntag in Meikirch eine Predigt halten.

Ansgar Gmür bei einer 1.August-Rede 2015.
Ansgar Gmür bei einer 1.August-Rede 2015.
Manuela Matt

Dass sich ein Ökonom zum Thema «Reichtum verpflichtet – Armut auch» seine Gedanken macht, mag weiter nicht verwundern. Wenn dieser Ökonom aber Ansgar Gmür heisst, ist ihm eine höhere Aufmerksamkeit sicher: Der pensionierte Direktor des Schweizerischen Hauseigentümerverbands wird am Sonntag in Meikirch auf die Kanzel steigen und im Rahmen des diesjährigen Kirchensonntags eine Predigt halten.

Reichtum und Armut – der 65-Jährige will nicht missverstanden werden. Und das gleich in doppelter Hinsicht: Er werde zwar auch, aber nicht nur zu all den Fragen rund ums Geld reden. Das vom Synodalrat für den diesjährigen Laiensonntag vorgegebene Thema greife viel weiter, schliesslich könne man zum Beispiel auch reich an Gefühlen oder arm an Beziehungen sein. Und ja, wer meine, als ehemaliges Gesicht der Schweizer Hauseigentümerinnen und -eigentümer sei er ein klassischer Vertreter des Geldadels, liege genauso falsch. Die gut situierten Mitglieder gebe es im Verband zwar sehr wohl. Im Vergleich zu den Einfamilienhausbesitzern, die sich ihr Heim hart erarbeiten müssten, seien sie aber in einer klaren Minderheit.

Ohnehin wird Ansgar Gmür nicht müde, den kleinen Mann von der Strasse zu markieren, zu betonen, dass er zeitlebens der einfache Bergbauernbub geblieben sei. In seiner Jugend in Amden im St. Galler Oberland habe die Religion eine wichtige Rolle gespielt, schlägt er den Bogen zurück zu seinem Auftritt in Meikirch: Er sei als Ministrant in der katholischen Kirche ein und aus gegangen, habe den Priester bei den Vorbereitungen zur Messe unterstützt, ihm auch geholfen, sich feierlich einzukleiden.

Etwas vom Glauben aus den Kindertagen ist heute noch spürbar, wenn Ansgar Gmür von seinem grossen Interesse an der Religion erzählt. Der Kirche als Institution hat er zwar schon länger den Rücken gekehrt, und mittlerweile fühlt er sich auch dem reformierten Glauben näher. Diesem geht er nun aber auf den Grund. Schon zu Zeiten des Hauseigentümerverbands hat er sich an der Theologischen Fakultät Zürich eingeschrieben, und zur Motivation für sein Studium sagt er: «Wenn ich dereinst vor Gott stehe und gefragt werde, was ich für ihn getan habe, möchte ich nicht zur Antwort geben: wenig bis gar nichts.›»

Sicher noch zwei Jahre lang wird Ansgar Gmür Vorlesungen besuchen und dann die Zeit an der Uni mit dem Bachelor beenden. Dieser Abschluss genüge ihm vollauf, in seinem Alter könne und wolle er auch gar nicht mehr auf eine weitere Prüfung und ein fixes Pfarramt hinarbeiten. Ihm schwebe vielmehr vor, mal hier und mal dort als Prediger oder Seelsorger einzuspringen. Über mangelndes Interesse könne er sich schon heute nicht beklagen. Er bekomme regelmässig Anfragen – wie ebenjene für Sonntag in Meikirch.

Die Predigt beginnt um 10 Uhr.

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