Der Schlüssel zum Leben in Bern

Bern

Damit sich Migranten in der Stadt Bern besser zurechtfinden, gibt es Freiwillige, die ihnen helfen – sogenannte Schlüsselpersonen. Lamya Hennache ist eine von ihnen und erzählt von ihren Einsätzen.

Die Marokkanerin Lamya Hennache ist viel beschäftigt. Ständig rufen Leute an, die sie um Rat fragen.

Die Marokkanerin Lamya Hennache ist viel beschäftigt. Ständig rufen Leute an, die sie um Rat fragen.

(Bild: Urs Baumann)

Sie sind erst seit kurzem in der Schweiz, können die Sprache nicht und wissen nicht, wie das Schweizer System funktioniert. Migranten haben meist Mühe, sich in einem fremden Land zurechtzufinden. Um ihnen den Einstieg in Bern leichter zu gestalten, gibt es in der Stadt rund siebzig sogenannte Schlüsselpersonen.

Lamya Hennache ist eine dieser Freiwilligen. Sie arbeitet mit dem Berner Kompetenzzentrum Integration zusammen und unterstützt die Migranten bei der Eingliederung. Meist haben die Schlüsselpersonen ebenfalls einen Migrationshintergrund – so auch Hennache.

Die gebürtige Marokkanerin lebt seit April 2008 in der Schweiz und hat seit zwei Jahren einen Master in internationalem und europäischem Recht. Durch das Praktikum beim gemeinnützigen Verein Swiss Exile in Biel, der sich für Migranten in der Schweiz einsetzt, wurde Hennaches Interesse am Asylwesen geweckt. «Ich habe festgestellt, dass es ein Bedürfnis der Migranten ist, mehr im Alltag unterstützt zu werden», sagt sie.

Trotz ihrem Masterabschluss hat die 38-Jährige bis jetzt keine Anstellung als Juristin gefunden, da in den meisten Fällen ihre Berufserfahrung zu gering sei. Ihr Mann hingegen ist erwerbstätig. Nur zu Hause sitzen und Däumchen drehen könne und wolle sie nicht, sagt sie. Darum widmet sie sich der Freiwilligenarbeit.

Sprachliche Brücken bauen

Häufig fungiert Hennache als Übersetzerin für Arabisch und als Vermittlerin zwischen Sozialarbeitern und Asylsuchenden. So auch für die Kirchgemeinde Muri und im Café Paulus, das der Pauluskirche im Länggassquartier angehört. Jeden Montagnachmittag treffen sich hier Asylsuchende zu einer Diskussionsrunde. Hennache hilft ihnen, alltägliche und rechtliche Fragen zu klären oder Gesuche zu stellen. Dabei handelt es sich oft um Beschwerden, wenn die Niederlassungsbewilligung nicht verlängert oder das Einbürgerungsgesuch abgelehnt wurde.

Hin und wieder komme es vor, dass die Kirche den Asylsuchenden das nötige Geld für die Beschwerde zur Verfügung stelle, erklärt Hennache. Sie werde dann als Beraterin der Kirche hinzugezogen und erörtere, ob überhaupt eine Chance bestehe, dass das Gesuch angenommen werde. Daneben ist sie für die französische Kirche in Bern, den christlichen Friedensdienst für Frauen und für das Haus der Religionen an der Aktionswoche der Stadt Bern gegen Rassismus tätig (siehe Box).

Ungleiche Chancen

«Mir gibt die freiwillige Arbeit viel», so Hennache. Dadurch könne sie sich ein grosses Kontaktnetz aufbauen, welches für ihre berufliche Karriere hilfreich sein könnte. «Vor allem bin ich wegen meiner Kultur und Sprache mehr als nur eine Juristin», sagt sie, «denn ich kenne die Lage der Betroffenen.» Trotzdem ist sie mit deren Einstellung nicht immer einverstanden. «Manche Migranten glauben, dass Schweizer Anwälte eine bessere Chance haben, ihr Anliegen durchzusetzen, und nehmen mich weniger ernst», sagt sie. Grund dafür sei, dass sie ebenfalls eine Migrantin sei, glaubt Hennache.

Berner Zeitung

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