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Der Stau ist weg, die Verkehrsführung bleibt speziell

Seit 15 Monaten rollt der Verkehr über den zweistöckigen Wankdorfplatz. Wichtigste Erkenntnis: Der einstige tägliche Stau hat sich weitgehend aufgelöst. Viele Verkehrsteilnehmer haben aber Mühe mit der «speziellen» Verkehrsführung.

Der tägliche Stau rund um den Wankdorfplatz ist weitgehend Vergangenheit. Die Baudirektion hat vor und nach dem Umbau Rückstaulängen und Fahrzeiten gemessen. Die detaillierten Resultate werden im Frühjahr erwartet
Der tägliche Stau rund um den Wankdorfplatz ist weitgehend Vergangenheit. Die Baudirektion hat vor und nach dem Umbau Rückstaulängen und Fahrzeiten gemessen. Die detaillierten Resultate werden im Frühjahr erwartet
Stefan Anderegg
Wer rechts abbiegen will, muss links bleiben. Die rechte Spur führt oberirdisch nämlich nur gerade aus.
Wer rechts abbiegen will, muss links bleiben. Die rechte Spur führt oberirdisch nämlich nur gerade aus.
Stefan Anderegg
Im zweispurigen unterirdischen Kreisel sind manche Automobilisten überfordert.
Im zweispurigen unterirdischen Kreisel sind manche Automobilisten überfordert.
Beat Mathys
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Der tägliche Stau in der Papiermühlestrasse ist weitgehend Vergangenheit. Während die Verkehrsteilnehmer an der alten Kreuzung am Wankdorfplatz regelmässig minutenlang warten mussten, kommt der Verkehr dank der neuen doppelstöckigen Verkehrsführung meist schnell voran. Rund 48'000 Autos passieren den Knotenpunkt täglich, zwei Drittel wählen die Route durch den unterirdischen doppelspurigen Kreisel – so wie von den Verkehrsplanern prophezeit.

Früher waren es über 60'000 Autos täglich. Offenbar sind nun einige Automobilisten aufs Tram umgestiegen oder umfahren den Wankdorfplatz – zum Beispiel über die zusätzliche Wankdorfausfahrt, die gleichzeitig wie der Platz eröffnet wurde.

Nachdem es in den ersten Wochen einige Unfälle auf dem Wankdorfplatz gegeben hat, ist die Unfallhäufigkeit jetzt «normal», wie die Polizei auf Anfrage sagt. Es gebe nicht mehr oder weniger Unfälle als an anderen Kreuzungen mit gleich hohem Verkehrsaufkommen.

«Wir sind grundsätzlich zufrieden», sagt Adrian Gugger, Gesamtprojektleiter des Wankdorfplatzes. Die Rückmeldungen von Bernexpo und vom Einkaufszentrum seien positiv. Gugger betont: «Dank des neuen Wankdorfplatzes gibt es auf dem umliegenden Strassennetz heute kaum noch Stau.»

Die Baudirektion hat vor und nach dem Umbau Staulängen und Fahrzeiten gemessen. Die Resultate dieser Untersuchung werden im Frühjahr erwartet.

Viele fahren falsch

So weit, so gut. Ein Augenschein am Wankdorfplatz macht aber deutlich: Hier läuft nicht alles rund. Man beobachtet abenteuerliche Spurwechsel, Abbiegen trotz Verbot, Ehrenrunden im unterirdischen Kreisel. Auch nach mehr als einem Jahr erschliesst sich die Verkehrsführung auf und unter dem Wankdorfplatz längst nicht allen Verkehrsteilnehmern.

Stefan Plüss, Schulungsleiter beim TCS Sektion Bern, gibt Kurse zur richtigen Fahrweise beim Wankdorfplatz. Bisher haben rund 200 Teilnehmer diese Kurse besucht. Ein Rekordwert für einen Kurs zu einer einzelnen Kreuzung. «Viele Leute sind durch den Wankdorfkreisel verunsichert», sagt Plüss. An den Kursen nehmen überdurchschnittlich viele Frauen teil, weiter sei das Durchschnittsalter tiefer als bei anderen TCS-Kursen, so der Schulungsleiter.

Die wichtigste Regel dafür, den Wankdorfplatz schnell und sicher zu passieren, lautet: oberirdisch nur geradeaus fahren. Wer abbiegen will, nutzt den unterirdischen Kreisel. Zum Stade de Suisse kommt man nur via Kreisel. Der TCS-Lehrer versteht, warum viele Leute mit der Verkehrsführung Mühe haben. «Für Automobilisten, die nie am Kreisel ausgebildet wurden, ist es sehr schwierig.» Wer allerdings in den letzten zehn Jahren den Führerschein erworben hat, sollte den zweispurigen unterirdischen Kreisel eigentlich bewältigen können, findet Plüss.

«Befremdend» ist für den Experten, dass rund um den Wankdorfplatz sehr viele Spurwechsel nötig sind. Selbst wenn man gemäss der Signalisation eingespurt hat. «Besonders bei starkem Verkehr sind diese Spurwechsel schwierig.»

Intuition umgekehrt

«Unlogisch» findet der TCS-Schulungsleiter, dass man von der rechten Spur am Wankdorfplatz nicht rechts abbiegen kann. Besonders wer nicht ortskundig sei, habe es schwer. «Wer rechts abbiegen will nimmt intuitiv die rechte Spur.» Obwohl es oberirdisch eigentlich verboten ist, biegen viele dennoch rechts ab.

Ist der neue Wankdorfplatz eine Fehlkonstruktion? «Nein», sagt Plüss. Für den TCS überwiegen die Vorteile durch die Kapazitätserhöhung und die weitgehende Auflösung des Staus. «Aber man hätte die Verkehrsführung besser machen können.»

Befremdend viele Spurwechsel? Unlogische Verkehrsführung? Gesamtprojektleiter Adrian Gugger relativiert die Vorwürfe. «Ja, es gibt bei manchen Routen viele Spurwechsel», räumt er ein. «Aber es hat nur beschränkt Platz, und es gibt sehr viele Verkehrsverbindungen auf dem Wankdorfplatz.»

Dass man links einspuren müsse, um dann rechts abzubiegen, sei in der Tat «speziell», sagt Gugger. «Das ist nun mal eine Eigenschaft dieses Projekts.» Auch er habe Verständnis dafür, dass Fremde damit Mühe hätten. Aber: «Die Zielangaben sind klar signalisiert.» Die Verkehrsführung sei zwar nicht «08/15», wie Gugger sagt, doch wer einmal das Prinzip verstanden habe, komme problemlos voran. Das Wichtigste sei, dass der tägliche Stau Richtung Wankdorfplatz nun der Vergangenheit angehöre. «Der neue Wankdorfplatz brachte für alle Verkehrsteilnehmenden, insbesondere auch für die Fussgänger, Velos und den öffentlichen Verkehr, die erwartete Verbesserung.»

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