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Der Sturm nach der Ruhe

Jahrelang hat die Glockenuhr auf dem Dorfschulhaus in Wabern im Viertelstundentakt geschlagen – bis sie restauriert werden musste. Die Stille haben Anwohner offenbar so genossen, dass sie fortan weniger Geläut forderten. Mit Erfolg.

Die Glocke im Türmchen des Dorfschulhauses schlägt nicht mehr im Viertelstundentakt.
Die Glocke im Türmchen des Dorfschulhauses schlägt nicht mehr im Viertelstundentakt.
Christian Pfander

Manchen raubt es den Schlaf. Manche finden, es gehöre einfach dazu. Manche wiederum merken es gar nicht erst. Die Rede ist vom Geläut, das insbesondere von Kirchenglocken ausgeht.

Vor kurzem ging ein Streit in Wädenswil zwischen Lärmgeplagten und Glockenbefürwortern so weit, dass das Bundesgericht entscheiden musste. Es entschied im Sinne der Tradition und beschloss, dass die umstrittenen Kirchenglocken auch künftig nachts im Viertelstundentakt weiterläuten dürfen.

Gefallen an plötzlicher Stille

In Wabern gab es heuer einen ähnlichen Fall. Betroffen war aber nicht die Kirchenglocke, sondern die Uhr mit Glockenschlag auf dem Dach des Dorfschulhauses. Jahrelang schlug die Uhr, die mit Baujahr 1908 die älteste des Ortsteils ist, zu jeder Viertelstunde. Immer. Auch nachts. Und jahrelang hat das offenbar niemanden besonders gestört – bis im vergangenen Jahr.

«Es kam die Bitte, ob man künftig wenigstens nachts auf den Viertelstundentakt verzichten könne.»

Urs Wilk, Gemeinderat

Da ging das alte Uhrwerk plötzlich kaputt und musste restauriert werden. Plötzlich war es ruhig, und mehrere Monate blieb es in der Folge still. So still, dass die Nachbarschaft offensichtlich Gefallen daran fand.

Als die frisch restaurierte Uhr nämlich im vergangenen Herbst wieder zum Laufen gebracht wurde, empfanden das einige Anwohner auf einmal als störend. «Es kam die Bitte, ob man künftig wenigstens nachts auf den Viertelstundentakt verzichten könne», erzählt der Könizer Gemeinderat Urs Wilk (FDP).

Die Gemeinde prüfte die Möglichkeiten und kam zum Schluss, dass Anpassungen aus technischen Gründen nur bedingt möglich sind. «Entweder erklingt der Viertstundenschlag Tag und Nacht oder gar nicht», erklärt Wilk.

Stundentakt als Kompromiss

Anders als in Wädenswil endete die Angelegenheit in Wabern allerdings nicht vor Gericht, denn die Gemeinde fand einen Kompromiss: Sie liess die Uhr auf dem Dorfschulhaus zwar wie bisher im 24-Stunden-Betrieb schlagen, nahm aber den Viertelstundentakt raus.

Nun schlägt die Glocke immerhin nur noch zur vollen Stunde. Dem Vernehmen nach herrscht bei den Anwohnern seither wieder Ruhe – zumindest bis es zur nächsten Restaurierung kommt.

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