Der Vergleich der Berner Mega-Kinos

Seit einem Monat gibt es mit dem Cinedome Muri ein ­zweites Multiplexkino in der ­Region. Wie schneidet das ­neue Kino gegenüber dem­jenigen im Westside ab? Hier kommt der ultimative Kinocheck.

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Wer in Bern ins Kino geht, bewegt sich eher nicht mehr in die Stadt, sondern an deren Rand. Ins Westside nach Bümpliz oder in den Cinedome nach Muri. Dort aber braucht es für das perfekte Kinoerlebnis mehr als nur einen ­guten Film.

Trifft man sich etwa mit Freunden, will man vor dem Film noch gemeinsam gut essen gehen. Und plant man einen schönen Tag mit der Familie, ist man froh um ­weitere Angebote in Reichweite. Entsprechend viele Kriterien berücksichtigten die Testerin und der Tester für den grossen Kinovergleich dieser Zeitung. Maximal 5 Sterne waren in jeder Kategorie zu vergeben.

Zwischen dem vor einem Monat eröffneten Cine­dome Muri und dem Pathé Westside liegt ein Altersunterschied von zehn Jahren.

Dieser macht sich besonders in Sachen Technik bemerkbar: Was Audio- und Bildqualität anbelangt, ist der Cine­dome dem Westside deutlich überlegen: Das Imax in Muri bietet nicht nur «fortschrittliche Projektionstechnologie», wie das Kino auf seiner Website schreibt, sondern auch ein 12-Kanal-Soundsystem.

Zusätzlich ist ein Saal mit Dolby-Atmos-Technologie ausgestattet, wodurch die Geräusche nicht nur von allen Seiten, sondern auch von oben auf die Zuschauer treffen. Im West­side wiederum sorgt ein Dolby-Surround-Soundsystem, Version 7.1, für den richtigen Klang.

Gleichstand

Der Westen der Stadt Bern vermag wiederum in den Kategorien «Gastronomie» und «Drumher­um» zu punkten; dank der guten Lage inmitten des Einkaufszentrums gibt es nicht nur viele zusätzliche Möglichkeiten, sich zu beschäftigen.

Hinzu kommt beim Pathé Westside die gute Anbindung an den öffentlichen Verkehr – sowohl per Tram als auch per S-Bahn gelangt man zum Kino –, welcher beim Cinedome zu wünschen übrig lässt. Was die Kinderfreundlichkeit anbelangt, schneiden hingegen beide Kinos gleich gut ab.

Für das perfekte Kinoerlebnis braucht es mehr als nur einen guten Film.

Auch wenn der Kinovergleich schliesslich unentschieden ausfällt – beide Multiplexanlagen erzielen genau 31,5 Sterne –, sind die Unterschiede doch deutlich: Im Cinedome Muri steht das Filmerlebnis im Mittelpunkt. Wer einen heiss ersehnten Blockbuster geniessen will, kommt hier dank einer ausgezeichneten Bild- und Tonqualität voll auf ­seine Kosten.

Das Westside hingegen besticht durch ­seine Vielseitigkeit. Hier wird der Kino­besuch nicht nur durch den Film zum Erlebnis.

Cinedome
Die Kitag nennt es ein «Multiplexkino der Extraklasse». Und das Megakino muss sich tatsächlich nicht verstecken: 10 Säle mit 1400 Plätzen beinhaltet das Lichtspielhaus, dazu gehört auch ein Imax mit der grössten Leinwand der Region, ausgestattet mit einem Soundsystem der neusten Generation. In Muri läuft das Abspielen der Filme zudem vollautomatisch ab – eine Weltneuheit. Moderner geht es also fast nicht. Allerdings: Im ersten Monat gab es bereits eine Panne, als auf einmal nichts mehr funktionierte. Wir geben für die Ausstattung dennoch 5 von 5 Sternen. cha

Westside
Was Anzahl Säle und Sitze ­anbelangt, ist das Pathé West­side dem Cinedome noch einen Schritt voraus. Insgesamt 2432 Sessel verteilen sich hier auf 11 Säle. Zudem geniesst es den Pionierstatus: Es war das erste Multiplexkino in der ­Region Bern und hat damit neue Massstäbe gesetzt. Bisher hat uns an der Ausstattung im Westside zwar noch nie etwas gefehlt, im direkten Vergleich zum Cine­dome Muri zeigen sich jedoch einige Schwächen. So bleibt ­besonders im Bereich Ton- und Bildqualität noch viel Luft nach oben. Deshalb geben wir nur 3 von 5 Sternen. sm

Cinedome
Die Betreiber versprechen «vom neusten Hollywoodblockbuster bis zum anspruchsvollen Studiofilm» eine breite Palette. Effektiv standen in der Testwoche 16 Streifen auf dem Programm. Viele werden mehrmals täglich gezeigt, früheste Spielzeit ist um 14.15 Uhr, späteste um 23.30 Uhr. Die meisten Filme sind nur in synchronisierter Fassung zu sehen (7), ein paar auch in Originalsprache (4), teils gibt es beide Möglichkeiten (3). Der Eintritt kostet 19.30 Fr. (1.50 Fr. mehr als in den Stadtkinos). Den Imax-Film gibts für 26.50 Fr. – plus ­Zuschlag für 3-D-Brille und ­Dolby-Sound. 4 Punkte. cha

Westside
Das Pathé bietet zwar eine breites Programm – aber nicht jeder Film wird auch an jedem Wochentag gezeigt. An unserem Testtag, einem ­Montag, konnten wir nur zwischen 12 Streifen auswählen. Die meisten von ­ihnen wurden nur auf Deutsch gezeigt (10), bei gerade einmal zwei Filmen hätte man auf die Originalsprache ausweichen können. Für einen 3-D-Film zahlt man 22.50 Fr. pro Person, ansonsten 19.50 Fr. Günstiger ist es für Frühaufsteher: Wer eine Vorstellung vor 12 Uhr besucht, zahlt nur 15.50 Franken. Die ­hohen Preise enttäuschen, ­deshalb nur 2 Sterne. sm

Cinedome
Klar, den Charme eines altehrwürdigen Kinos mit flauschigen Sesseln und Retropopcornmaschine versprüht der Cinedome im Industriegebiet nicht. Hier ist alles modern, klinisch sauber und High End. Das hat aber auch seinen Reiz. Dies beginnt bei den Sitzen: Sie sind breit, bequem und bieten überdurchschnittlich viel Beinfreiheit. Zu punkten vermag das Megakino zudem mit einer ausgeklügelten Tontechnik. In einem der Säle sorgen nicht weniger als 59 Lautsprecher für eine eindrückliche Geräuschkulisse. Ebenfalls toll: Total hat es 37 Rollstuhlplätze. Dafür gibt es 4 Sterne. cha

Westside
Der Eingang zum Pathé West­side liegt unter­irdisch und wirkt auf den ersten Blick entsprechend etwas düster. Die Innen­architekten ­haben sich aber alle Mühe gegeben, den modernen Bau zumindest mit etwas nostalgischem Charme zu füllen: Goldene Säulen, gut versteckte Neonröhren und bordeauxrote Teppiche und Sessel dominieren das Ambiente. Die Sitze sind etwas enger als jene im Cine­dome, dafür deutlich weicher – was jedoch nicht bei allen Testpersonen gut ankommt. Zudem gibt es im Westside leider ­keine Pause während des Films. Deshalb nur 3 Punkte. sm

Cinedome
Wer ins hypermoderne Entree tritt, wähnt sich im Schlaraffenland. Das obligate Popcorn gibt es nicht nur salzig und süss, sondern auch in Klein-, Mittel-, Gross- und Riesenformat. Letzteres gleicht einer Migros-Einkaufstüte und kostet 12 Franken. In den glasigen Vitrinen warten zudem Kartoffel- und Fleischchips, Magenbrot und Schoggiriegel. Dazu kommen Glacetruhen, eine Theke mit Nachos sowie eine Candywall – eine Wand voller Schleckzeug. Zum Trinken gibt es von Kaffee über Süssgetränke (5. Fr.) bis zu kühlem Bier (7. Fr.) oder Wein alles Mögliche. Das verdient 5 Punkte. cha

Westside
Das Pathé Westside sorgt dafür, dass Besucher weder Hunger noch Durst leiden: Um in die Säle zu gelangen, muss man erst an mehreren Snackregalen vorbei. Hier findet sich alles für einen sündhaften Kinobesuch wie Glace, Süssigkeiten oder Chips. Alleine von den Nachos raten wir als erfahrene Pathé-Gänger ab – deren Käse ist wahrlich keine Gaumenfreude. Obligatorisch ist auch die Popcornvielfalt: süsse und salzige, kleine und riesige Tüten. Was die Getränke anbelangt, bleibt es jugendfrei: Bier oder Wein findet man nicht, alle anderen Fläschchen kosten 5 Franken. 4 von 5 Punkten. sm

Cinedome
Neben dem Kinoerlebnis halten sich die Beschäftigungsmöglichkeiten in Grenzen. Es gibt keinen Supermarkt, keine Kleiderläden und kaum Gastroangebote (siehe Gastronomie). Der Fokus liegt im Freizeitzentrum aber auch woanders – bei der Unterhaltung. So hat es im Center etwa eine Sportbar, wo auf mehreren Screens Sportübertragungen gezeigt werden. Weiter erwarten die Besucher eine Bowlinganlage mit zwölf Bahnen sowie eine Gamezone – ein Bereich mit Billardtischen, Töggelikasten, Darts sowie Virtual-Reality-Boxen. Zudem gibt es ein Möbelgeschäft. 3,5 Sterne. cha

Westside
Wer sich für einen Kinobesuch im Westside entscheidet, kann getrost auch einige Stunden ­früher erscheinen. Das 2008 errichtete Einkaufszentrum bietet etliche Möglichkeiten, sich die Zeit zu vertreiben: Es gibt viele Kleider- und Nahrungsmittel­läden, eine breite Auswahl an Restaurants (siehe Gastronomie) und mit dem Bernaqua auch ein grosses Schwimmbad. Entscheidet man sich jedoch für einen Besuch ausserhalb der ­regulären Öffnungszeiten, findet man sich in einem leeren Einkaufszentrum wieder, wo es entsprechend wenig zu tun gibt. Alles in allem 4 Sterne. sm

Cinedome
Punkto Gastronomie setzt das neue Freizeitzentrum voll und ganz auf Hamburger. Im Komplex hat sich die deutsche Restaurantkette Hans im Glück eingemietet. Es ist die erste Schweizer Filiale des Burgergrills. Wer jetzt an ein üblich grelles Fast-Food-Lokal mit Dauerpiepsen denkt, irrt jedoch: Im Hans im Glück isst man bei Loungemusik im nachgeahmten Birkenwäldchen. Und die Burger auf dem Teller sind variantenreicher und liebevoller zubereitet als im Schnellimbiss. Das Restaurant ist allerdings das einzige Gastroangebot weit und breit. 3 Sterne. cha

Westside
Wer vor oder nach dem Kinogang eine vollwertige Mahlzeit geniessen will, kommt im Einkaufszentrum Westside sicher auf seine Kosten. Rund um das Kino finden sich viele verschiedene Restaurants. Direkt neben dem Kinoeingang findet sich das mexikanische Restaurant Desperados. Nimmt man die Rolltreppe nach oben, landet man direkt im Food Corner des Westside. Hier gibt es unter anderem einen Chinesen, einen Thailänder und einen McDonald’s. Zumindest bei Letzterem lässt sich über die Qualität des Essens streiten, die Vielfalt überzeugt aber. Dafür gibts 4 Sterne. sm

Cinedome
Der Cinedome Muri darf durchaus als kinderfreundlich bezeichnet werden. Von den 16 Filmen waren in der Testwoche vier explizit für Kinder – ein guter Wert. Auch sonst kommen die Kleinen auf ihre Kosten: Es gibt einen Kids Corner mit Spielmöglichkeiten, weiter locken eine Kletteranlage, mehrere Rutschen sowie ein Minikino, wo Cartoons gezeigt werden. Die Kinoticketpreise sind eher an der oberen Grenze: Kinder bis 12 Jahre bezahlen 14.50 Fr. pro Eintritt, Jugendliche (13 bis 20 Jahre) 16.50 Fr. Unter dem Strich gibt das 4 Sterne für die Kinderfreundlichkeit. cha

Westside
Als nostalgische Disney-Fans wissen die Kinotester: Das Pathé Westside nimmt grundsätzlich jeden neuen Animations- und Zeichentrickfilm ins Programm auf. Auch vom Preis her lässt man sich auf Familien ein: Geht man mindestens zu dritt ins Kino, kann man das «Family Ticket» buchen und zahlt nur noch 13 Franken pro Person. Zudem finden immer wieder spezielle Familienanlässe im Pathé statt – wie etwa ein «Family Day» mit Nuggikino, bei dem Lautstärke und Licht auf ­Babys abgestimmt werden. Da freuen wir uns schon fast aufs Kinderkriegen. 4 Punkte. sm

Cinedome
Das Freizeitzentrum liegt direkt neben dem Autobahnanschluss Muri. Entsprechend gut ist der Konsumtempel mit dem Auto zu erreichen. Vor Ort stehen rund 300 Parkplätze zur Verfügung. Kostenpunkt: 1 Franken pro Stunde. Nicht ideal ist die ÖV-Anbindung. Vom Berner Stadtzentrum gibt es keine ­direkte Verbindung. Einzig der RBS-Bus 40 (Kappelisacker–All­mendingen) fährt zum Cinedome. Neu verkehrt zudem ab 20 Uhr alle 15 Minuten ein Shuttlebus der Linie 44 zwischen Gümligen und dem Center. Zu Fuss dauert es vom Bahnhof Gümligen 15 Minuten. 2,5 Sterne. cha

Westside
In puncto Erreichbarkeit macht dem Westside so schnell niemand etwas vor. Das Einkaufszentrum im Westen der Stadt Bern ist sowohl durch den öffentlichen Verkehr via Tram und S-Bahn als auch mit dem Auto schnell zu erreichen. Immerhin liegt es direkt über der Autobahn (Ausfahrt Bern-Brünnen). Für ­Kinobesucher gibt es zudem Parkplätze en masse – nur diese im riesigen Parkhaus zu finden, braucht etwas Übung. Und der Preis fürs Parkieren liegt bei ­gerade einmal 20 Rappen pro Stunde. Besser geht es kaum, finden wir und vergeben die ­volle Punktzahl. sm

So sieht es im «Cinedome» aus: Ein filmischer Rundgang durch das neue Freizeitzentrum. Video: Christoph Albrecht (Berner Zeitung)

Erstellt: 14.05.2018, 12:19 Uhr

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