Der Wohlensee bleibt ein Regatta-See

Neuer Name, neues Organisationskomitee und neues Wettkampfformat: Der legendäre Armada Cup auf dem Wohlensee hat mit dem Bern Boat Race doch noch einen Nachfolger gefunden.

Bei der Wohleibrücke befinden sich Start und Ziel des neuen Ruderwettkampfs. Foto: Urs Baumann

Bei der Wohleibrücke befinden sich Start und Ziel des neuen Ruderwettkampfs. Foto: Urs Baumann

Hans Ulrich Schaad

Der letzte Samstag im Oktober bleibt in der Agenda der Ruderer rot angestrichen. Auch der Ort der Regatta ist unverändert: der Wohlensee. Ansonsten ist aber vieles neu. Der Wettkampf heisst Bern Boat Race statt Armada Cup, es treten nicht nur Skiffs an, und der Massenstart gehört der Vergangenheit an.

Vor einem Jahr löste sich das Organisationskomitees des Armada Cup nach über dreissig Austragungen auf. Nach den Rücktritten von mehreren OK-Mitgliedern konnte die Nach­folge nicht geregelt werden. Der Armada Cup 2018, der «Engadiner der Ruderer», war der letzte.

Moderne Infrastruktur

Im vergangenen Januar ergriff Alexander Schorno, Mitglied des Rowing Club Bern, die Initiative, ein neues Rennen auf die Beine zu stellen: «Ich liebe Herausforderungen. Im Sport und im Beruf.» Schorno stellte ein neues, meist junges Organisationskomitee zusammen aus Mitgliedern der beiden Vereine Rowing Club Bern und Ruderklub Wohlensee. Dank der Bootshäuser der beiden Vereine stehe eine topmoderne Infrastruktur zur Verfügung für eine Veranstaltung, streicht er heraus.

«Ruderinnen und Ruderer gehören zu jener Spezies, die sich immer erst im letzten Moment für einen Anlass einschreibt.»Alexander Schorno, OK-Präsident Bern Boat Race

Und das OK suchte nach einem neuen Wettkampfformat. Ein Massenstart habe zwar seine Faszination, sei aber nicht bei allen Ruderern beliebt, begründet Schorno. «Er kann teilweise unfair sein. Es gibt Staus, die Zeiten sind nicht immer vergleichbar.» Zudem könne es durchKollisionen zu Materialschäden kommen. Viele fanden den Armada Cup zwar eine «Supersache», aber traten wegen der Angst vor Schäden am eigenen Boot unter Umständen nicht an, blickt der neue OK-Chef zurück.

Nicht nur Einer-Boote

Das erste Bern Boat Race am 26. Oktober wird als Verfolgungsrennen ausgetragen, vergleichbar mit einem Zeitfahren bei den Velofahrern. Der Start erfolgt einzeln und je nach Bootsklasse im 20- oder 30-Sekunden-Intervall unterhalb der Wohleibrücke. Neben den Skiffs sind auch Doppelzweier und Doppelvierer zugelassen. Die Strecke führt entlang des Nordufers in Richtung Wehr Mühleberg bis in die Eymatt-Bucht, wo die Wende stattfindet. Am Südufer entlang geht es zurück zum Ziel bei der Wohleibrücke. Mit knapp10,5 Kilometern ist das Rennen rund einen Kilometer länger als der Vorgänger.

Jedes Boot wird mit einem GPS-Sender ausgerüstet. So könne auf einem Bildschirm im Zielraum das Rennen live verfolgt werden, erzählt Schorno. Und im Nachhinein könne jeder Ruderer sein Rennen nochmals abrufen und schauen, auf welchem Abschnitt er wie schnell unterwegs war, und die Zeiten mit anderen Booten vergleichen.

Passt in Saisonplanung

Ganz alles auf den Kopf stellen wollte das neue OK nicht. So ist das Datum Ende Oktober ge­blieben. Zum einen möchte man auf jenen Athletenpool greifen, der bisher am Armada Cup teilgenommen hat. Zum anderen passe das Rennen in die allgemeine Saisonplanung, sagt Schorno. In dieser Phase des Jahres stehe bei vielen Ruderern der Konditionsaufbau im Zentrum, Langstreckenrennen dienten als gute Test. Ein Sprint etwa würde nicht passen.

Die Macher des Bern Boat Race setzen nicht auf Olympiasieger oder Weltmeister als Zugpferde. «Antrittsgagen oder Preisgelder bezahlen wir nicht», sagt Alexander Schorno. Aber internationale Cracks seien natürlich willkommen. Deshalb sei der Name des neuen Rennens auch Englisch, um es international bekannt zu machen.

Gute Bedingungen

Das Budget für die Austragung beträgt rund 35000 Franken. Es sei nicht ganz einfach gewesen, Sponsoren für diesen neuen Anlass zu finden. Alexander Schorno hofft, dass sich das Bern Boat Race spätestens in drei Jahren etabliert hat.

Bisher halten sich die An­meldungen für das Rennen in einem sehr überschaubaren Rahmen. Schorno lässt sich dadurch nicht nervös machen: «Ruderinnen und Ruderer gehören zu jener Spezies, die sich immererst im letzten Moment für einen Anlass einschreibt.» Und um etwas Werbung in eigener Sache zu machen, fügt er an, dassdie Rennbedingungen auf dem Wohlensee so gut seien wie schon lange nicht mehr. Es habe sehr wenig Seegras.

Bern Boat Race am Samstag, 26. Oktober. Erster Start um 10 Uhr.

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