«Machs guet, Spidi»

Bern

Am Montag verabschiedete sich der Circus Knie während eines öffentlichen Gottesdienstes von Peter Wetzel, bekannt als Clown Spidi. Vor drei Wochen wählte dieser den Freitod.

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Leise prasselte der Regen auf das Zirkuszelt, als der Gottesdienst begann. Die Manege war geschmückt mit Blumen, einem einzelnen Elefantenballon und zahlreichen Bildern von Clown Spidi.

In den Zuschauerreihen sassen, neben der Familie des Verstorbenen und den Mitarbeitern des Circus Knie, jede Menge Freunde, Bekannte und Bewunderer des langjährigen Zirkusclowns. Sie alle hatten sich in Bern auf der Grossen Allmend versammelt, um von Spidi Abschied zu nehmen.

Peter Wetzel, bekannt für seine weiss geschminkten Lippen und Augenlider, gehörte seit 24 Jahren zum festen Ensemble des Circus Knie. Immer wieder sah man den kleinwüchsigen Mann in der Manege, vor der Vorstellung verkaufte er Programmhefte und begrüsste die Besucher. Am 26. Juli 2018 hatte Spidi, im Alter von 51 Jahren, den Freitod gewählt.

«Immer in unseren Herzen»

Geleitet wurde die öffentliche Andacht vom ehemaligen Zirkuspfarrer Ernst Heller, zusammen mit seinem Nachfolger Adrian Bolzern. Speziell für seinen alten Freund Spidi hatte sich der eigentlich pensionierte Heller die Pfarrerrobe erneut übergestreift. «Zu mir hat Spidi immer gesagt, dass es ihm gut gehe», erzählte Heller den Anwesenden, «dabei wusste ich schon lange von seiner Depression.» Heute bedauere er es zutiefst, dass Spidi sich niemandem anvertrauen wollte. «Er wollte seinen Weg stets allein gehen.»

In einer bewegenden Trauerfeier in der Knie-Manege nehmen Familie und Zirkusfamilie am Montag Abschied von Peter Wetzel, ihrem «Spidi». Video: SDA/Tamedia

Auch die Familie Knie wendete sich während der Abschiedsfeier an ihren Clown. Franco Knie etwa erinnerte sich an die vielen Nächte, in denen er mit Spidi gefeiert hatte. Und an die zahlreichen Spässe, die sich Peter Wetzel erlaubt hatte. Einmal etwa, als eine Elefantendame erst dann absitzen wollte, als Spidi ihr ein Kissen in die Manege brachte.

Fredy Knie junior wiederum nannte Spidi einen «treuen Gefährten, fantasievollen Ideengeber, geduldigen Zuhörer und wertvollen Menschen.» Ein Zirkus bestehe nicht nur aus Scheinwerferlicht und Manege, gab der Zirkusdirektor zu bedenken: «Der Zirkus bedeutet auch Leben, weil er von Menschen wie Spidi gemacht wird.»

Stets habe sich der lebensfrohe Mann mit den Worten: «Machs guet!» von ihm in die Winterpause verabschiedet. «Heute sind wir es, die dir wünschen: Machs guet!»

Für einen besonders emotionalen Moment sorgte eine Videobotschaft, die von den Angestellten des Zirkus für Spidi aufgenommen worden war. Darin verabschiedeten sich etwa Programm­verkäufer, Mitglieder des Auf- und Abbauteams sowie der Küche von ihrem guten Freund.

Und in einem weiteren Video kam Peter Wetzel auch selbst zu Wort. Einst sagte er in einem Interview: «Der Zirkus ist mein Leben. Das ist so und wird immer so bleiben.»

thunertagblatt.ch/Newsnetz

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