Deshalb ist die Aare grün

Bern

Schön grün: So kennen und lieben die Berner die Aare. Wie aber kommt der Fluss eigentlich zu seiner Farbe?

Je mehr Schmelzwasser, desto grüner die Aare.

Je mehr Schmelzwasser, desto grüner die Aare.

(Bild: Anthony Anex/Keystone)

Christoph Albrecht

Die Aare ist vieles – Lebensraum, Planschbecken, Bootskanal. Für viele ist sie aber auch einfach ein Augenschmaus, ein hübsches Fotosujet, ein Stück Natur, das man gerne anschaut. Letzteres dürfte vor allem mit ihrer Farbe zu tun haben. Diese ist in der Regel wohltuend grün, manchmal geheimnisvoll smaragdgrün, an einigen Tagen sogar spektakulär türkis. Nur: Weshalb eigentlich?

Im Wesentlichen ist die Farbe auf die sogenannte Gletschermilch zurückzuführen, also auf das Wasser, das von den Gletschern herunterfliesst. «Dieses führt jede Menge mineralischer Partikel mit», erklärt Markus Zeh, Biologe beim Amt für Wasser des Kantons Bern. Konkret sind mit den mineralischen Partikeln Sand und Abschliff von Felsen und Moränen aus dem Gletschergebiet gemeint.

Einmal über die Nebenflüsse im Brienzer- und im Thunersee angekommen, sinken die groben Partikel zwar langsam auf den Grund, womit die milchige Konsistenz verloren geht. Der feine Abrieb schwebt allerdings noch länger im Wasser und schafft es somit teilweise in die Aare. Der Rest ist Physik. «Für die Farbgebung spielt das Licht eine wichtige Rolle», so Zeh. Dieses bricht sich in den einzelnen im Wasser schwebenden mineralischen Partikeln und führt durch die Reflexion zur grünen oder manchmal fast türkisblauen Farbe.

Laut Markus Zeh gilt grundsätzlich: «Je mehr Schmelzwasser es hat, desto grüner ist auch die Aare.» Wie intensiv die Farbe dann sein könne, habe sich etwa während der Hitzewelle Anfang Juli gezeigt. Damals führte die Aare relativ viel Schmelzwasser – und leuchtete bei permanentem Sonnenschein während Tagen typisch grün. Die vielen mitgeschwemmten mineralischen Partikel sind letztlich auch der Grund, weshalb die Aare dann – zumindest in Bern – stets etwas trüb und selten klar ist.

Auch Algen haben Einfluss

«Bei sehr viel Schmelzwasser wird das Wasser allerdings gräulich», so Zeh. Dies, weil dann besonders viel Gletschermilch in die Aare gelangt und diese auch gröbere Partikel erhält. Die Farbe verändert sich zudem mit den Jahreszeiten. «Im Herbst ist die Aare nicht mehr so intensiv grün, aber klarer, weil sie dann auch weniger Schmelzwasser führt.»

Ein weiterer Faktor können laut Zeh die Algen auf den Steinen im Flussbett sein. «Ihr Einfluss ist aber gering.» Auch wenn hinter der Farbe der Aare letztlich also mehr Physik als Mystik steckt, so bleibt ihr Anblick dennoch eine Augenweide. «Die Farbe der Aare ist durchaus ein Spezialfall», sagt Zeh. Das zeige der Vergleich zu anderen Flüssen, die oftmals klar, fast durchsichtig seien. Sie hätten im Prinzip gar keine Farbe. «Ihnen fehlen die Gletscher.»

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