Dichtestress auf der Laufstrecke

Die Reduktion der Startblöcke hat am Grand Prix von Bern für Stau auf der Strecke gesorgt. Das OK verspricht fürs nächste Jahr Anpassungen, am Prinzip will es aber festhalten.

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Zu 80 Prozent ist Michael Schild zufrieden. Der Rennleiter des Grand Prix von Bern kann auf eine Veranstaltung zurückblicken, die ein weiteres Mal gut funktionierte – allerdings mit Abstrichen. Das veränderte Startprozedere gefiel nicht allen.

Das Organisationskomitee hatte sich umgeschaut. Grosse internationale Läufe in Berlin, London, Chicago oder Boston dienten dem Grand Prix von Bern als Vorbild für die Neuerung, die die Ausgabe 2018 mitprägen sollte: eine drastische Reduktion der Startblöcke.

Beim Altstadt-GP waren im Vorjahr 22 Startblöcke aufgestellt, heuer nur noch 6. Über die zehn Meilen wurden aus 32 Sektoren deren 8. So sollten sich die Läuferinnen und Läufer gleichmässiger über die Strecke verteilen und weniger auf vorher gestartete Blöcke auflaufen.

Dennoch war es eng auf der Strecke, insbesondere auf den 4,7 Kilometern des Altstadt-GP. «Es stimmt, punktuell kam es zu Stau», räumt Michael Schild ein. So entstanden etwa bei der Wende am Zytglogge und beim Bärengraben-Kreisel Nadelöhre, einige mussten zeitweise ins Gehtempo wechseln.

Die Startpassage ist seit diesem Jahr schmaler, so sollten weniger Menschen pro Zeiteinheit das Rennen in Angriff nehmen, was eigentlich das Gedränge verringern würde. Weil aber viele möglichst rasch starten wollten, trat das Gegenteil ein. Manch einer nahm gar die Ellbogen zu Hilfe.

Mehrere Nadelöhre

Eigentlich wäre ja, absolut gesehen, im Vergleich zu 2017 etwas mehr Platz vorhanden gewesen, der Teilnehmerrekord vom Vorjahr wurde verpasst. OK-Präsident Matthias Aebischer machte den Rückgang am Pfingstwochenende fest. Ausserdem, so Aebischer, habe der lange Winter dazu beigetragen, dass weniger Leute ihr Training zeitig aufgenommen hätten. Immerhin sei die Gesamtzahl von 30'000 Anmeldungen erneut übertroffen worden. Aebischer zeigte sich vor dem Lauf zufrieden.

Besonders der Altstadt-GP ist weiterhin sehr beliebt. Prozentual war der Rückgang beim «kleinen» Grand Prix kleiner als beim 16-Kilometer-Lauf, letztlich erreichten knapp 8200 die Ziellinie. Weil die Strecke eben kurz ist und durch die Altstadt führt, ist es kaum möglich, unterwegs mehr Platz zu schaffen.

Die Nydeggbrücke und der Aargauerstalden werden auch in Zukunft in der Mitte geteilt sein, damit in beide Richtungen gelaufen werden kann. Schild verspricht: «Wir werden alles genau analysieren und fürs nächste Jahr bestimmt Anpassungen vornehmen.»

«Jetzt das Konzept über den Haufen zu werfen, ist ausgeschlossen.»GP-Rennleiter Michael Schild

Eine Option sei etwa, nicht nur den Platz bei der Startlinie, sondern auch die Wartezone im Block zu verengen. Am Grundprinzip will das OK aber festhalten. «Jetzt das Konzept über den Haufen zu werfen, ist ausgeschlossen.

Und Staus hat es auch früher schon ­gegeben», sagt Schild. Und wenn etwas neu sei, dauere es jeweils, bis sich alle daran gewöhnt hätten. Einen Teil zur Verbesserung könnten indes auch die Teilnehmerinnen und Teilnehmer beitragen: indem sie es am Start lockerer angehen lassen.

Obergrenze ist kein Thema

Die Reduktion der Startblöcke hat auch organisatorische Vorteile. Es braucht zum Beispiel weniger Personal, welches die einzelnen Blöcke kennzeichnet und dirigiert. Trotzdem bleibt der Eindruck des Gedränges haften. Und die Anzahl Anmeldungen dürfte in der Tendenz wieder ansteigen – vieles spricht dafür, dass die Popularität des Laufsports eher zu- als abnehmen wird.

Das waren die GP-Highlights. Video: zvg/GP Bern

Ist beim Altstadt-GP also bald eine Kapazitätsgrenze erreicht? «Es gibt schon Überlegungen, die Teilnehmerzahl zu begrenzen», sagt Schild. «Aber so weit sind wir ­derzeit nicht.» Ein Stück weit schützt sich der Grand Prix selbst, indem das Anmeldefenster schon drei Wochen vor dem Anlass schliesst. Kurz entschlossen Startende gibt es somit keine.

2019 ist Pfingsten erst im Juni, der GP findet am 11. Mai statt. Ein neuer Teilnehmerrekord ist nicht ausgeschlossen – die Herausforderung mit dem Startprozedere würde noch ein Stück grösser.

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