Die Abflugroute passt nicht allen

Bern-Belp

Vergangenes Jahr korrigierte der Flughafen Bern-Belp das Verfahren für den Südabflug. Die Kritiker sind trotzdem noch nicht zufrieden.

Der Südabflug

Der Südabflug

(Bild: zvg)

Johannes Reichen

Am 1. März hielt sich ein Einwohner von Münsingen die Ohren zu: «So um 14 Uhr flogen mindestens vier Airliner seelenruhig so lange geradeaus, dass sie gar nicht mehr in der Lage waren, den Überflug komplett über Münsingen zu vermeiden.» Er meldete dies der Interessengemeinschaft (IG) Lärmarmes Aaretal.

Der Mann sei nicht der Einzige, der sich über die Abflüge vom Flughafen Bern-Belp in Richtung Süden beschwert, so die IG. Die vorgegebene Route werde oft nicht eingehalten, sagt IG-Gründer Walter E. Strahm. «Aus dem Oberdorf in Münsingen erhalten wir laufend Reklamationen.»

Verfahren zweimal korrigiert

−In den letzten Jahren korrigierte der Flughafen Bern-Belp das Abflugverfahren gleich zweimal. Zuerst reagierte er 2013 auf Reklamationen aus Rubigen und verschob den Abdrehpunkt Richtung Münsingen. Prompt häuften sich dort die Lärmklagen. Deshalb wurde der Drehpunkt im letzten August wieder näher zum Flughafen und damit näher zur Gemeinde Rubigen verlegt. Seither liegt er drei Kilometer von der Pistenschwelle entfernt, etwa bei der Mühle Hunziken. Der Flughafen begründete diese Veränderung so: «Damit wird sichergestellt, dass die Flugzeuge in einem Korridor zwischen Rubigen und Münsingen nach Norden abdrehen und so wenig bewohntes Gebiet überfliegen.» Die Flugzeuge dürfen aber erst nach Osten abdrehen, wenn sie eine Höhe von 2600 Fuss (800 Meter) über Meer erreicht haben.

Trotz der Korrektur beklagt sich die IG. «Die Route wird mehrmals täglich nicht eingehalten», sagt Strahm. Das Problem seien vor allem voll beladene und vollgetankte Passagierflugzeuge, die nicht rechtzeitig abdrehen könnten. «Moderne Businessjets dagegen gewinnen rasch an Höhe.» Diese seien kaum zu hören. Auch dies stört die Kritiker: «Schon mehrmals haben wir uns an den Flughafen gewandt», sagt Paul Stähli, verantwortlich für die IT und die Organisation der IG. Die Antwort sei immer die gleiche: Die Piloten und Fluggesellschaften würden über das Verfahren informiert, und die Sicherheit stehe an erster Stelle.

Flughafendirektor ist erstaunt

Überrascht von dieser Kritik ist Flughafendirektor Mathias Häberli. «Wir haben im letzten halben Jahr kaum Lärmklagen mehr erhalten.» Auch nicht in der jetzigen, flugintensiven Saison. Zudem habe er mit allen betroffenen Gemeinden Kontakt gehabt und ebenfalls keine negativen Reaktionen bekommen. Die Abflugroute sei klar definiert und öffentlich. Natürlich gebe es immer wieder Abweichungen, zum Beispiel bei starkem Westwind oder aufgrund von Wolken. «Aber das betrifft weniger als ein Prozent der Starts.»

Gemeinden nehmens hin

Aus Sicht von Münsingens Gemeindepräsident Beat Moser (Grüne) hat sich der Abflugkorridor klar Richtung Rubigen verschoben. Früher seien die Skywork-Flugzeuge praktisch über die Dorfmitte geflogen, so sein persönlicher Eindruck. Insofern habe sich die Situation in Münsingen verbessert. «Das Problem ist aber, dass nicht alle Piloten diesen Vorgaben folgen.» Sei es aus Gründen der Flugzeuggrösse oder der Sicherheit.

Rubigens Gemeindepräsident Renato Krähenbühl (BDP) hat sich von den Flughafenverantwortlichen überzeugen lassen, «dass es nicht ganz einfach ist, genau über dem freien Feld abzudrehen». Insgesamt sei die Lösung gut, auch wenn die unteren Quartiere Rubigens vom Lärm betroffen seien. «Es gibt manchmal Abweichungen von der Idealroute, aber die muss man akzeptieren.»

Berner Zeitung

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