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Die Arura umfloss das römische Bern

Wie die Aare zu ihrem Namen kam.

svb
Heute Aare, früher Arura: Die ältesten Bezeichnungen für die Aare stammen aus der spätrömischen Zeit.
Heute Aare, früher Arura: Die ältesten Bezeichnungen für die Aare stammen aus der spätrömischen Zeit.
Stefan Anderegg

Die ältesten schriftlich belegten Namen für den Berner Hauptfluss sind lateinisch und stammen aus der spätrömischen Zeit des zweiten Jahrhunderts. Auf der Engehalbinsel nördlich der Stadt Bern gab es damals eine kleine römische Siedlung. Der nahe Fluss hiess gemäss Inschriften Arura. Das haben die Herausgeber des Ortsnamenbuchs des Kantons Bern recherchiert. Im Mittelalter war das deutschsprachige Are, Ahre oder Aare gebräuchlich. Auf der mittelalterlichen Ebstorfer Weltkarte von 1239 heisst der Fluss auf Lateinisch «Araris flumen» – Fluss Aare.

Gemäss dem Ortsnamenbuch gibt es auch eine Theorie, dass der Name Arura keltischen Ursprungs sei und «Adlerweib» bedeute. Heute weiss man, dass Rückführungen auf keltische Ursprünge oft nur schöne Erfindungen sind. Auch deshalb, weil die Kelten keine schriftlichen Zeugnisse hinterlassen haben.

Wahrscheinlicher ist, dass der Name Aare aus alteuropäischen Gewässernamen hervorging. Der emeritierte Berner Dialektologieprofessor Peter Glatthard schreibt in einem Aufsatz, dass Flussnamen zu den ältesten Namen überhaupt gehören und ins dritte Jahrtausend vor Christus zurückgehen. Damals gab es im heutigen Europa eine indogermanische Ursprache, aus der sich später die europäischen Einzelsprachen herausbildeten. Es gibt keine schriftlichen Zeugnisse dieser Sprache, indogermanische Worte oder Silben sind Rekonstruktionen. Eine solche Silbe ist laut Glatthard *ora/*er. Sie trägt die Bedeutung «fliessen, in Bewegung setzen». Diese Ursilbe steckt im Namen Aare.

Auch die Namen Rhein, Rhone, Emme oder Worble gingen auf indogermanische Bedeutungen für das Rinnen und Fliessen des Wassers zurück, schreibt Glatthard. Flussnamen kommen in Europa oft mehrmals vor. Den Namen Aare findet man auch in Deutschland, Frankreich, Holland, England, Schottland, Süditalien und Spanien. Für Glatthard zeigt das: Es gibt ein europäisches Flussnamensystem. Flüsse sind nicht nur hydrologisch, sondern auch namenstechnisch verbunden.

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