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Seit 50 Jahren Berns Bardame Nummer 1

Seit 50 Jahren bedient Yvonne Jungo Gäste an Berner Bars – neu in der Jail-Bar in der Altstadt.

Immer noch hinter der Theke anzutreffen: die 68-jährige Yvonne Jungo. Foto: Jürg Spori
Immer noch hinter der Theke anzutreffen: die 68-jährige Yvonne Jungo. Foto: Jürg Spori

Wer in den letzten 50 Jahren Berner Bars besucht hat, kennt sie. Stets charmant. Immer elegant gekleidet und gut gelaunt. Man geht nicht in irgendeine Bar, man geht zu Yvonne. Zu Yvonne Jungo. Die legendäre Bardame ist 68-jährig.

Vor 50 Jahren stand sie erstmals hinter einer Theke. Es gibt in der Stadt kaum eine Bar, wo Yvonne Jungo nicht das Zepter geführt hat. Ans Aufgeben denkt die zweifache Grossmutter noch lange nicht. Derzeit ist sie in der Jail-Bar an der Gerechtigkeitsgasse im Einsatz.

Bars statt Büro und Berge

«Aufgewachsen bin ich in Blatten im Lötschental», erzählt Yvonne Jungo. «Meine Mutter, die selber im Gastgewerbe tätig war, wollte aber nicht, dass ich diesen Weg einschlage. Ich musste eine Handelsschule machen.» Sie habe dann kurze Zeit in einem Büro gejobbt. «Man konnte mich dort aber nicht wirklich brauchen. Ich muss Menschen um mich haben, immer wieder andere.» Mit 18 verliess sie das Büro, die Berge und das Wallis und zog nach Bern – und stand schon bald an der High-Noon-Bar, ein in den 1970er-Jahren angesagtes Lokal beim Käfigturm.

«Im Büro konnte man mich nicht brauchen. Ich muss Menschen um mich haben, immerwieder andere.»

Yvonne Jungo Bardame der Jail-Bar

«Ins High Noon kamen am Mittag Geschäftsleute zum Essen, abends kam das Milieu. Es war eine lustige Zeit, und ich habe viel gelernt.» Dort habe sie auch ihren Mann kennen gelernt, mit dem sie heute noch zusammenlebt. Jobmässig hat sie allerdings ein gutes Dutzend Mal gewechselt. Einige Stationen: Mistral, Landhaus, President-Club Metropole, Arlequin, Räblus, Venezia, Roland Delsbergers Interview sowie Arcadi Hotel Schweizerhof. Während ihrer Zeit im Nobelhotel (2005 bis 2009) fuhr sie an den Wochenenden nach Ascona ins Tessin und schmiss dort die Piccolo-Bar. Neun Jahre lang hat Yvonne Jungo auch einen eigenen Betrieb geführt, die Z1-Bar in Schönbühl.

«Diskretion ist wichtig»

Ein halbes Jahrhundert an der Bar. Da kommen Tausende von Geschichten zusammen. Jeder Gast hat seine eigene. Aber Yvonne Jungo will nicht so recht rausrücken. «Diskretion ist wichtig in diesem Job», sagt sie. «Du hörst zum Teil Unglaubliches, aber du darfst dich nicht damit beschäftigen, sonst landest du in der Klapsmühle.»

Eine Barmaid müsse zwar kommunizieren: «Wer an der Bar sitzt, will doch mit jemandem reden.» «Der Gast will aber keine Hilfe, sondern dass man ihm zuhört.» Und dann erzählt sie doch noch eine Geschichte. «Ein Mann kam dreimal am gleichen Abend an die Bar, trank Whisky, sprach kein Wort und weinte plötzlich wie ein kleines Kind. Was ihn den beschäftige? Seine 32-jährige Tochter war ausge-zogen.»

400 Franken Trinkgeld

?Unangenehmes habe sie in all den Jahren kaum erlebt. Vielleicht zweimal habe sie wegen einer Schlägerei die Polizei rufen müssen, einmal habe sie ein Hausverbot erteilt. «Meistens aber», sagt Yvonne Jungo, «habe ich die Probleme verbal gelöst.» Die schönste Zeit habe sie 1978 bis 1990 im Mistral erlebt. «Damals boomte die Baubranche, die Gäste liessen den Fünfer gerade sein.»

In der Mistral-Zeit habe sie vom Trinkgeld gelebt. 400 Franken habe sie einmal an einem Abend in den 1970er-Jahren erhalten. Bisweilen lässt sie sich auch einen Drink spendieren. «Eine betrunkene Barmaid aber geht natürlich gar nicht.» Ab und zu trinkt Yvonne gern Yvorne. Mässig.

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