Die Gebäudefinger erhalten eine ringförmige Zufahrt

Niederwangen

Es ist die grösste Baulandreserve in der Region. Im Ried in Niederwangen sind bis zu 1000 Wohnungen geplant. Am Donnerstag zeigte die Gemeinde Köniz, wie sie das neue Quartier erschliessen will.

So soll das Ried-Quartier erschlossen werden.

So soll das Ried-Quartier erschlossen werden.

(Bild: Quelle: Gemeinde Köniz)

Lucia Probst

Diese Strasse soll mehr als eine Quartierstrasse sein, auf der primär die Autos durchfahren. Sie ist als breiter Korridor geplant und damit auch als Lebensraum für die Bewohner(innen) gedacht. Als Lebensader des Quartiers quasi. Als ein Ort, wo es sich flanieren und spazieren lässt. Wo Erwachsene auf einer Parkbank einen Schwatz halten oder Kinder Velo fahren lernen können. Und das ohne Gefahr.

So stellen sich die Gemeinde und die Miteigentümerschaft die Strasse vor, die durch das geplante Neubaugebiet im Ried in Niederwangen führen soll. Im Ried liegt die grösste Baulandreserve der Region Bern. Auf dem 31 Hektaren grossen Terrain sind an die 1000 neue Wohnungen geplant, die Platz für rund 2000 Menschen bieten werden. Letzten Sommer hiess das Könizer Stimmvolk die Überbauungsordnung für das gigantische Bauprojekt gut.

Die Strassenidee fürs Quartier wurde im Rahmen eines Studienauftrags entwickelt. Drei Teams machten mit, gewonnen hat ein Team aus Zürich. Mit von der Partie waren in diesem auch die Architekten, die 2008 den Wettbewerb zur Gesamtplanung für das Gebiet gewonnen hatten. Zu den sieben Gebäudefingern und den dazwischenliegenden Grünfingern mit Bäumen und Wiesen, die sie entwickelt haben, gesellt sich nun die Strasse als «Fingerring», wie das siegreiche Projekt heisst. Vor allem da, wo die Grünfinger auf die Strasse treffen, sollen einladende Aufenthaltsorte entstehen.

Promenade mit Aussicht

Für eine Strasse eine Ideenkonkurrenz durchzuführen, sei eher selten, räumte Gemeinderätin Katrin Sedlmayer (SP) ein. Doch weil das Ried eine riesige Bauzone sei, gelte es damit besonders sorgfältig umzugehen. «Strassen sind verkannte Chancen. Sie prägen ein Gebiet stark.»

Prägend für das Gebiet im Ried ist auch die hügelige Topografie. Ihr trägt das Siegerteam Rechnung, indem es den Hang entlang vom Weiler Ried her bis zum Tuubetränki-Plateau eine Aussichtspromenade geplant hat. Von der Landorfstrasse her führt für diesen Teil der Siedlung auch die neue Erschliessungsstrasse ins Quartier, die Komturenstrasse heissen soll. Die andere Seite der Siedlung wird mit einer Strasse erschlossen, die quasi die Fortsetzung der heutigen Brüggbühlstrasse bildet. Beim Tubetränki-Plateau laufen die Strassen zusammen – dort werden sie zwar auch für Busse befahrbar sein, aber einen naturnahen Belag aufweisen. Rund 800 Meter lang wird die Strasse insgesamt. Nur noch als Rad- und Fussweg vorgesehen ist der Schürlirain. Mitten durch den Hang wird zudem ein Schulweg zum geplanten Schulhaus am Rand der Siedlung führen.

Zur Spitzenzeit 200 Autos

Im ganzen Quartier – das auch zwei Bushaltestellen haben wird – ist Tempo 30 vorgesehen. Am Morgen werde es konzentriert am meisten Verkehr geben, sagt Verkehrsplaner Markus Birchler vom Siegerteam. «Wir rechnen mit 200 Autos verteilt auf die zwei Arme.» Das mache 1 bis 2 Autos pro Minute. Birchler geht davon aus, dass ein Grossteil der Bewohner den öffentlichen Verkehr nutzen wird, um nach Köniz oder Bern zu gelangen.

Wie viel die Erschliessung kostet, ist noch nicht bekannt, gebaut wird die Strasse von den Eigentümern. Bis dahin wird es aber noch eine Weile dauern: Im August will die Gemeinde den Projektwettbewerb für die ersten zwei Gebäudefinger starten. Frühestens 2015 könnte Baustart für diese Häuser sein. Wie die Gebäude wird auch die Strasse in Etappen entstehen.

Ausstellung der Strassenprojekte bis 15. Februar im Gemeindehaus. Infos zum Projekt auch unter: www.koeniz.ch/ringstrasseried.

Berner Zeitung

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