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Die Künstlerversteherin

Der Kreis ist vollendet: Dorothe ­Freiburghaus schliesst ihre Galerie Kunstkeller Bern an der ­Gerechtigkeitsgasse – mit einer Ausstellung zu jenem Künstler, mit dem vor 47 Jahren alles begann.

Ende einer Ära: Dorothe Freiburghaus im Kunstkeller, der nach 47 Jahren schliesst. Zum Abschied sind Werke von Martin Ziegelmüller ausgestellt.
Ende einer Ära: Dorothe Freiburghaus im Kunstkeller, der nach 47 Jahren schliesst. Zum Abschied sind Werke von Martin Ziegelmüller ausgestellt.
Andreas Blatter

Jetzt ist sie eingerichtet, die allerletzte Ausstellung des Kunstkellers Bern. Gezeigt werden Gemälde des Vinelzer Künstlers Martin Ziegelmüller. Jener Künstler, mit dem Dorothe Freiburghaus vor 47 Jahren ihre Galerie in der Berner Gerechtigkeitsgasse auch eröffnet hatte. «Ein Kreis schliesst sich», so Freiburghaus.

Die Frau mit den grauen Locken spricht bedacht und schreitet durch den Gewölbekeller. An den Wänden hängen Landschaften in Öl, Winterszenen, Laubfelder, die mit ihren groben Pinselstrichen und -punkten ins Abstrakte kippen.

Initiativ, aber im Hintergrund

Überraschend verkündete Freiburghaus im Februar, den Kunstkeller zu schliessen. Wobei: So überraschend kommt der Entschluss nicht. Freiburghaus ist 73 Jahre alt und möchte ihre Tätigkeit auf hohem Niveau und aus freien Stücken beenden, wie sie sagt. Überraschend deshalb, weil die Kunstszene Bern schwer vorstellbar ist ohne den Kunstkeller.

In fast fünf Jahrzehnten sind mit seinem Renommee auch die Künstlerkarrieren von Renée Magana, Willi Müller, Pat Noser, Jürg Straumann oder Charlotte Hug gewachsen. Erstmals waren Internationale wie der Brite Henry Moore im Kunstkeller ausgestellt, ehe sie den Sprung in ein Museum schafften. Oder der französische Trompe-l’Œil-Maler Claude Yvel.

Immer wieder wurde Freiburghaus für ihr Programm kritisiert. Weil es sich nicht an bestimmten Kunst­stilen orientiert: «In meinen Anfangsjahren war das Kunstverständnis enger. Realismus war etwa verpönt. Es ist eine Errungenschaft der Gegenwart, dass alle -ismen und Gattungen nebeneinander Platz haben.» Programm ist bei Freiburghaus der Inhalt: «Ich mag Künstler, welche die Ränder der Gesellschaft ausloten», fasst sie zusammen.

Nicht nur mit ihrem Programm hat Freiburghaus die Kunstszene geprägt. Ende der Siebzigerjahre, nachdem sie in Paris zufällig einem Künstlerwochenende beigewohnt hatte, rief sie in Bern das Galerienwochenende ins Leben. Eine Veranstaltung, die bis heute vom Verein Berner Galerien durchgeführt wird.

Freiburghaus sass selbst jahrelang im Vorstand, präsidiert hat sie den Verein allerdings nie. «Ich arbeite lieber im Hintergrund», sagt sie. Dort arbeitet sie ohne laute Töne, aber beharrlich und mit klaren Zielen.

Nicht alle davon konnte sie verwirklichen. Regelmässig hat Freiburghaus versucht, Berner Galerien die Zusammenarbeit mit grossen Häusern wie dem Kunstmuseum Bern oder dem Zentrum Paul Klee schmackhaft zu machen. Meist erfolglos. Liegts am Gärtchendenken? Freiburghaus sieht das Problem vor allem im harten Metier: «Viele Galeristen müssen einem Nebenerwerb nachgehen. Da bleibt nicht viel Zeit für Kooperationsprojekte.»

Mangelware Zeit

Die Zeit war auch bei Freiburghaus Mangelware. Morgens und am Wochenende besuchte die ausgebildete Zeichenlehrerin Ausstellungen oder Ateliers, nachmittags stand sie in der Galerie. Bis zum Schulalter war auch die Tochter oft mit dabei. «Als Kind hat sie die Galerie manchmal als Konkurrenz gesehen», so Freiburghaus. Heute teilen die beiden Frauen das Interesse an der Kunst, «vor allem aber das Feuer für den eigenen Beruf», sagt die Galeristin über ihre Tochter, die als Pädagogin für behinderte Kinder arbeitet.

Ausstellungen, Vermittlungsarbeit, Publikationen. Und immer wieder Ziegelmüller. Doch nicht alle Werke des Malers, der 2011 mit einer Ausstellung im Kunstmuseum Bern und im Kunsthaus Langenthal geehrt wurde, verkauften sich gut.

In den Siebzigerjahren schuf der leidenschaftliche Strahler Höhlenbilder, auf denen Schwarz dominierte. Zu düster für viele Sammler. «Bei der Galerietätigkeit spielt immer eine unkalkulierbare Komponente mit», so Freiburghaus. Vorhersehbar dürfte das Interesse an der letzten Kunstkeller-Ausstellung sein. Der erste rote Punkt, der einen Gemäldekauf signalisiert, klebte schon vor der Vernissage an der Kellerwand.

Kellerräume, die der Kunst erhalten bleiben könnten: Barbara Marbot hat sich beworben und wäre bereit, ihre Galerie da Mihi vom Bubenbergplatz an die Gerechtigkeitsgasse zu zügeln. Entsprechende Verhandlungen laufen noch bis zum Sommer.

Weiter auf Atelierbesuch

Auch ohne Galerie wird sich Freiburghaus weiter mit Kunst aus­einandersetzen. So will sie ihre Atelierbesuche und die entsprechenden Erfahrungsberichte «Blitzlichter» auf ihrer Website weiterführen. Die neu gewonnene Freizeit will sie mit ihrer Familie verbringen – und mit Aufräumen. In ihrem Zuhause stapeln sich Werke «ihrer» Künstler, wie Freiburghaus verrät. «Angekaufte, aber auch viele geschenkte. 47 Jahre Kunstkeller: Ich wurde verwöhnt.»

Ausstellung Kunstkeller Bern: Martin Ziegelmüller, 29. April bis 10. Juni. www.kunstkellerbern.ch

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