Die Post kommt nicht in allen Verwaltungen gut an

Wenn kein Laden in die Bresche springt, übernimmt oft die Gemeinde die Post. Doch die Zusammenarbeit gelingt nicht überall. Und manchmal gar nicht.

Pioniere vor zehn Jahren: Gemeindeschreiber Urs Rüegger (l.) übernahm mit seinem Team 2008 die Postagentur Bowil.

Pioniere vor zehn Jahren: Gemeindeschreiber Urs Rüegger (l.) übernahm mit seinem Team 2008 die Postagentur Bowil.

(Bild: Thomas Peter)

Stephan Künzi

Die Geschichte machte just an dem Tag die Runde, als die Post ihre, wie sie es nannte, «positive Zwischenbilanz beim Umbau des Poststellennetzes» zog. Am Montag zogen die Postverantwortlichen Bilanz über die weitere Straffung ihres Filialnetzes, betonten gleichzeitig, dass dafür die Zahl der Postagenturen deutlich zugenommen habe – in diese aufgeräumte Stimmung platzte der «Blick» mit der Nachricht, dass im Bieler Vorort Leubringen-Magglingen erst vor ein paar Tagen eine dieser Agenturen zugegangen sei.

Die Gemeinde habe Ende September die Zusammenarbeit mit der Post aufgegeben. Ersatz biete der Briefträger mit dem Hausservice. Wer auswärts arbeite, müsse eingeschriebene Sendungen aber in Biel abholen. 

Im Branchenblatt «Schweizer Gemeinde» äusserte sich Gemeindepräsidentin Madeleine Deckert schon vor anderthalb Jahren kritisch zum Verhalten des gelben Riesen. Offen liess sie durchblicken, dass die Gemeinde nur deshalb in die Lücke gesprungen war, um das Postbüro im Ortsteil Leubringen mit seinen rund 2000 Einwohnern retten zu können. Nachdem man, wie sie monierte, mit dem Schliessungsentscheid vor ein Fait accompli gestellt worden sei und keiner der Dorfläden Interesse gezeigt habe.

Unter keinem guten Stern

Die Agentur schien von Anfang an nicht unter einem guten Stern zu stehen. Bereits die Übergabe Anfang Oktober 2016 sei chaotisch verlaufen, klagte Deckert damals. Um nun in der aktuellen «Schweizer Gemeinde» nachzudoppeln: Die 22'000 Franken Jahresentschädigung der Post deckten ein Pensum von 20 bis 30 Stellenprozenten, nie aber den effektiven, rund doppelt so grossen Aufwand. Zudem stauten sich auf der Verwaltung regelmässig die Pakete, und: Wegen der vielen Postkunden könne sich das Personal kaum mehr richtig auf seine angestammte Arbeit konzentrieren.

Eine Erhebung aus dem November 2016 hatte tatsächlich gezeigt: Von den 930 Kunden, die damals den Schalter besuchten, kamen 73 Prozent allein wegen der Post.

Im Grossraum Bern scheint sich das Problem nirgends in dieser Schärfe zu stellen. Trotzdem gibt es auch hier Gemeinden, die sich nur mit einer gewissen Zurückhaltung zur Agentur in ihrer Verwaltung äussern. Wie Kirchdorf mit seinen 1800 Einwohnern, wo Gemeindeschreiber Peter Blatti offen sagt, dass die Entschädigung sicher keinen Gewinn abwerfe. Und dass der Organisationsaufwand nicht zu unterschätzen sei, weil immer jemand im Büro sein müsse, der für die Postgeschäfte ausgebildet sei. Trotzdem ist der Service in Kirchdorf unbestritten. Blatti zeigt sich aber offen, die Agentur wieder abzugeben, sollte es im Dorf plötzlich eine Alternative geben.

Bedauern in Meikirch

Entspannt tönt es aus Bowil. Die Gemeinde mit ihren knapp 1400 Einwohnern übernahm vor zehn Jahren als eine der ersten im Kanton die Postagentur in Eigenregie. Ob sich die Sache lohne oder nicht, sei schwer abzuschätzen, sagt Gemeindeschreiber Urs Rüegger, «wir haben nie eine Vollkostenrechnung gemacht».

Dass sie die Angestellten bei ihrer Arbeit für die Gemeinde stört, erlebt er indessen nicht, «bei uns läuft der Postbetrieb nebenher». Wichtig ist ihm vor allem: «Dass man bei uns Briefmarken kaufen und Einzahlungen tätigen kann, wird sehr geschätzt.»

In der 2500-Seelen-Gemeinde Meikirch führt das Personal die Postagentur seit dem Mai 2010 – und das «sehr gern», wie Gemeindeverwalter André Bechler betont. Aus dem zusätzlichen Schalterverkehr ergäben sich «viele gute Kontakte». Das sei umso wichtiger, als die Gemeinden in der Vergangenheit Aufgaben verloren hätten. Wer einen Pass oder eine Identitätskarte bestellen wolle, müsse nicht mehr zwingend bei der Gemeinde vorbeischauen. 

Trotzdem wird die Gemeindeverwaltung die Post in gut einem Monat verlieren. Die Gründe liegen ganz woanders als in Leubringen. Eine Petition machte schon vor zwei Jahren Druck, die Agentur in den 2012 neu eröffneten Volg-Laden zu verlegen. Der Gemeinderat wollte dem Wunsch entsprechen, doch dann trat die Post auf die Bremse. Erst nach längerem Hin und Her willigte sie in einen Wechsel ein. Am 12. November ist es so weit.

Bechler macht keinen Hehl daraus, dass er das bedauert. Stellen abbauen müsse die Verwaltung aber nicht. «Die frei werdenden Kapazitäten stecken wir zum Beispiel in die Ausbildung der Lernenden.»

Berner Zeitung

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