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Die roten Teufel im schwarzen Cape

Am Donnerstag war die Berner Innenstadt fest in Kinderhand. Unsere Redaktorin Claudia Salzmann hat sich mit ihrem Patenbuben Fynn Eymann unter das kostümierte Publikum der Kinderfasnacht gemischt.

Als Teufel an die Fasnacht: Redaktorin Claudia Salzmann mit ihrem Gottenbuben Fynn Eymann (10) aus Zollbrück.
Als Teufel an die Fasnacht: Redaktorin Claudia Salzmann mit ihrem Gottenbuben Fynn Eymann (10) aus Zollbrück.
Christian Pfander
«Ich bin ein Steinzeitmensch. Das Fell meines Kostüms gehörte früher dem Schaf Moriz.» – Selia Brunner, 7 Jahre
«Ich bin ein Steinzeitmensch. Das Fell meines Kostüms gehörte früher dem Schaf Moriz.» – Selia Brunner, 7 Jahre
Christian Pfander
Mit dem Kriegsbeil durch die Berner Strassen: David Paral verkleidete sich als Indianer.
Mit dem Kriegsbeil durch die Berner Strassen: David Paral verkleidete sich als Indianer.
Christian Pfander
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Gotti, ich hab eine super Idee. Wir könnten ja in den Lolipop», sagt Fynn. «Aber erst nach dem Umzug», erwidere ich, die Gotte. Es ist 13 Uhr, wir stehen in der Zeughausgasse, und ich frage mich, wo all die Kinder sind. Natürlich: Jedes Mami plant, erst kurz vor dem Start des Umzugs anzukommen, da es feucht, grau und kalt ist.

Um 14 Uhr sind alle Prinzessinnen, Supermänner, Feen, Harry Potters, John Lennons und wir zwei Teufel parat. Im Gepäck haben wir ein Katapult und Konfetti. «Bist du ein Böser?», fragt eine Umzugsteilnehmerin Fynn.

«Ein Hinterhältiger», meint der 10-Jährige und führt die Methode vor: Leicht auf die Schulter tippen, bis sich die Person umdreht, und die Ladung schön ins Gesicht pulvern. Die erste Schlacht auf dem Kornhausplatz liefert sich Fynn mit ei­nem Piraten.

Es bleibt aber nicht bei den Papierzettelchen, sondern kommt zum Schwerter-Dreizack-Duell. Plötzlich dreht Fynn sich um und sagt: «Ich will hier weg.» Sagts und stiefelt los, rein in den Umzug und weg von dem Piraten. Ich husche hinterher, immer im Hinterkopf, dass ich noch meine Telefonnummer auf seinen Arm schreiben sollte.

Impressionen vom Kinderumzug. Video: Sheila Matti

Langsam schlängelt sich der Kinderumzug die Rathausgasse hinunter, die Strassen sind von farbigen, lachenden Zuschauern gesäumt. Eher tanzend als spazierend, nähern wir uns dem Rathausplatz. «Ich habe mich sehr gefreut, dass ich heute mit dir an die Fasnacht darf», sagt Fynn, während er sein Katapult nachlädt.

Mein schlechtes Gewissen, eine miserable Gotte zu sein, beruhigt sich etwas. Es ist unsere zweite gemeinsame Fasnacht, er lebt in Zollbrück und geht mit der Familie selten an solche Anlässe. «Meine Eltern würden das aber auch toll finden. Nächstes Mal könnten wir vielleicht als Iron Man gehen.

Ah nein, das geht als Frau ja nicht, das wäre komisch», plaudert er munter. Beim Rathausplatz kommt, was kommen musste: Wir werden beschimpft. Fynns doch eher saloppe Art, die Leute mit Konfetti zu beschiessen, kommt nicht bei allen gut an. Vor allem nicht beim jungen Mann mit der miesen Laune und den Kontaktlinsen. Ich entschuldige mich, versuche Fynn zu belehren, versage dabei kläglich.

Auf dem Münsterplatz treffen wir auf Julius Cäsar, den wir zusammen mit anderen Kindern gnadenlos bekriegen. Die Fasnacht bietet sich als Treffpunkt an, um Freundinnen und ihren Nachwuchs zu treffen. Die Guggen spielen ununterbrochen, und ein Lied spielen sie nur für uns, mutmassen wir: «U i ha gmeint, de Tüüfu chäm im Füür u nid im rote Chleid».

Fynn verschwindet be­geistert in der Menge. Ich versuche ihn einzuholen, ohne Chance. Zum Glück ist die Munition bei mir geblieben, sobald Fynn nachladen muss, ist er wieder da. «Wir könnten nächstes Jahr als Dracula gehen», sinniert er.

Der Nachmittag und die Konfetti neigen sich dem Ende zu. Als wir die Münstergasse hochlaufen, werde ich an seine super Idee erinnert: «Jetzt gehen wir in den Lolipop. Das ist doch der perfekte Abschluss», motiviert er mich. Wer könnte diesem Teufelchen das abschlagen?

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