Die Sanierung des Freibads ist umstritten

Grosshöchstetten

Lehnt die Gemeinde am 19. Mai die zwei Sanierungsvarianten für die baufällige Badi Grosshöchstetten ab, muss diese wohl schliessen.

Nehmen die Stimmbürger gar eine mögliche Steuererhöhung in Kauf, um die Badi zu retten?

Nehmen die Stimmbürger gar eine mögliche Steuererhöhung in Kauf, um die Badi zu retten?

(Bild: Christian Pfander)

Noch ist es ruhig in Grosshöchstetten. Wegen der kommenden Abstimmung am 19. Mai wird sich das vermutlich ändern. Die Gemeindepräsidentin Christine Hofer (EVP) vermutet, dass die geplante Freibadsanierung die Bevölkerung bald intensiver beschäftigen wird: «Kurz vor der Abstimmung wird die Vorlage sicherlich zum grossen Gesprächsstoff im Dorf.»

Dem Stimmvolk stehen drei Optionen offen: zwei unterschiedliche Sanierungsvarianten oder die Ablehnung der Investitionen. Letzteres wäre das Todesurteil für die Badi, eine Schliessung wäre in den nächsten Jahren unausweichlich. Kürzlich hat der Infoabend der Gemeinde rund hundert Interessierte angelockt. Fachliche, emotionale, positive und negative Meinungen; alles war am Anlass vertreten. Grund dafür ist sicher auch die komplizierte Vorgeschichte.

Rückbau statt Renovation

Die langwierige Geschichte begann 2007, als das Stimmvolk die Sanierung des Hallenbads bewilligte. Geplant waren dafür 4,6 Millionen Franken. Schliesslich kostete die Renovation aber 5,7 Millionen. Der Nachkredit sorgte für ein unerwartet grosses Loch in der Gemeindekasse. Zehn Jahre nach der ersten Abstimmung nahm sich der Gemeinderat des benachbarten Freibads an. Anstatt für eine ausufernde Renovation entschieden sich die Behörden für den Rückbau der Badi.

Nach der Bekanntgabe dieses Strategieentscheids entstand ein Bürgerkomitee, das eine Initiative zur Erhaltung und Sanierung des Freibads lancierte. Vor einem Jahr entschied sich das Höchstetter Stimmvolk zu 66 Prozent für diese Initiative und forderte vom Gemeinderat ein Konzept zur Renovation. Dieser bekam einen Kostendeckel bei 3,5 Millionen, um ein Debakel wie bei der Hallenbadsanierung zu verhindern.

Seit Februar ist bekannt, wie die Badi nach dem Umbau aussehen soll. Die erste Option plant einen U-förmigen Zusammenschluss der bestehenden Becken. Diese werden rundum mit Chromstahl verkleidet, um die Dichtheit ohne grössere Betonarbeiten zu erhalten. Das durchgehende Becken würde nur eine Wasserzufuhr benötigen, und durch die Metallverkleidung würde der Reinigungsaufwand verringert. Zudem entsteht neben dem Becken eine neue Garderobe und auf der Grünfläche ein Volleyfeld. Insgesamt rechnet die Gemeinde mit 3,5 Millionen Kosten für die notwendigen Arbeiten.

Die Planer stellen allerdings noch eine zweite Option zur Diskussion. Zusätzlich zu den nötigen Arbeiten könnte eine Breitwasserrutsche für 250'000 Franken Mehraufwand gebaut werden. Laut der Gemeindemitteilung steigert diese die Attraktivität und könnte für höhere Besucherzahlen sorgen.

Steuererhöhung droht

Unabhängig davon, ob die renovierte Badi mehr Besucher anlockt, wird die Gemeinde weiterhin einen grossen Anteil der Betriebskosten des Freibads und des Hallenbads tragen. Diese werden, zusammen mit den Zinsen und anderen nötigen Investitionen, die finanziellen Möglichkeiten der Gemeinde übersteigen. Christine Hofer macht kein Geheimnis daraus: «Die Sanierungen des Sekundarschulhauses und der Turnhalle sind schon länger nötig.» Diese Projekte müssten jetzt anlaufen, egal ob die Badisanierung zustande kommt. «Wenn sich bei den Gemeindefinanzen nichts unerwartet ändert, ist eine Steuererhöhung wahrscheinlich», so Hofer.

Zum vergangenen Jahreswechsel stieg der Steuersatz von 1,42 auf 1,52. Trotzdem rechnet Hofer der Vorlage weiterhin gute Chancen an. «Für 3,5 Millionen erhält Grosshöchstetten ein zeitgemässes und attraktives Freibad», erklärt sie den Entscheid des Gemeinderats, die Vorlage zu unterstützen. Für den Variantenentscheid mit oder ohne Rutsche gibt die Behörde keine Empfehlung ab.

Berner Zeitung

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