Die seltsame Kehrtwende des Alexander Tschäppät

Bern

Berns abtretender Stadtpräsident war als künftiger Präsident von Welcome Bern vorgesehen. Dann sprang er Anfang Oktober ab – mit pikanten Folgen für Konzert Theater Bern.

Alexander Tschäppät möchte Stiftungsratspräsident von Konzert Theater Bern werden.

Alexander Tschäppät möchte Stiftungsratspräsident von Konzert Theater Bern werden.

(Bild: Iris Andermatt)

Oliver Meier@mei_oliver

Transparenz? Fehlanzeige. Im Geschacher um den Posten an der Spitze von Berns grösstem Kulturbetrieb drohen selbst ­Insider den Durchblick zu verlieren. Klar ist: Ende Jahr wird Benedikt Weibel sein Amt als Stiftungsratspräsident von Konzert Theater Bern abgeben. Und nach verdächtig langer Zeit ist noch immer nicht klar, wer ihm nachfolgt.

Bis zuletzt galt Vizepräsident Marcel Brülhart als Kronfavorit. Er war vom Stiftungsrat frühzeitig vorgeschlagen worden und genoss im Gremium wesentlich mehr Kredit als Alexander Tschäppät, der sich ebenfalls als Weibel-Nachfolger ins Spiel gebracht hatte.

Letzte Woche nun wurde überraschend bekannt, dass Brülhart für das Theateramt nicht zur Verfügung steht, weil er das Präsidium von Bern Welcome übernimmt. Die neue Organisation verfolgt das Ziel, die Akteure in den Bereichen Tourismus- und Standortförderung zusammenzubringen. In einem Brief an die Subventionsgeber wurde stattdessen die langjährige Stiftungsrätin Katrin Diem vorgeschlagen.

Spekulationen um die Gründe

Brülharts Rückzug sorgte für Spekulationen. Der «Bund» vermutete, der Anwalt reagiere auf das «Geraune» um seine «vielen Ämter und Mandate», die ihn hätten «machtgierig» erscheinen lassen.

Der wahre Hintergrund ist jedoch ein anderer. Tschäppät war als künftiger Präsident von Bern Welcome vorgesehen, wie mehrere Quellen bestätigen. Brülhart war zuvorderst ­dabei, als es darum ging, das Projekt aufzugleisen.

Anfang Oktober erklärte Tschäppät überraschend, das Präsidium von Bern Welcome doch nicht zu übernehmen. «Damit stand der Vorstand im Regen, und ein sofortiger Ersatz musste gefunden werden», sagt ein Insider, der nicht namentlich genannt sein will. «Brülhart war die einzig mögliche Lösung. Damit aber kann er nicht auch noch das Präsidium von KTB übernehmen.»

Welche Motive hinter Alexander Tschäppäts Rückzug bei Bern Welcome stehen, bleibt offen. Eine Stellungnahme ist nicht zu erhalten. Ob Tschäppäts Schachzug ihn an die Theaterspitze bringt? Der Gemeinderat steht vor einer heiklen Wahl.

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