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Die Singtradition lebt seit 100 Jahren

Für seine Mitglieder ist der Kirchenchor Biglen mehr als nur ein Verein: Das gemein­same Singen macht Freude und hilft über schwierige Situationen hinweg.

Dirigent Martin Studer bereitet den Kirchenchor Biglen samt Orchester für das Jubiläumskonzert vor.
Dirigent Martin Studer bereitet den Kirchenchor Biglen samt Orchester für das Jubiläumskonzert vor.
Beat Mathys

Elisabeth Schär ist über 80 und singt seit mehr als 45 Jahren im Kirchenchor Biglen. «Der Verein trägt», sagt sie. Zweimal musste sie Abschied von einem Lebenspartner nehmen. Dabei habe ihr der Chor über die schwere Zeit hinweggeholfen, ihr Halt gegeben. «Es ist mehr als nur ein Verein», resümiert sie. Eva Horisberger und Christine Hollenweg nicken. Auch sie singen bereits seit über 45 Jahren im Chor – Christine Holenweg gar seit 50 Jahren. «Chor ist Heimat», sind sich die Frauen einig.

Martin Studer, seit 5 Jahren Dirigent, hat nach dem Tod seines Vaters ebenfalls viel Mitgefühl erfahren, erzählt er. «Die Solidarität war gross.» Im städtischen Umfeld, so habe er die Erfahrung gemacht, komme die zwischenmenschliche Dimension nicht so sehr zu tragen wie im ländlichen Biglen.

Das Jubiläum

Gegründet 1918 feiert der Chor in diesem Jahr sein 100-jähriges Bestehen. In der langen Tradition ist Martin Studer erst der vierte Dirigent des Vereins. Gründer Albert Junker leitete den Chor 54 Jahre lang. Die drei Frauen können sich gut an ihn erinnern, Christine Hollenweg hat gar unter seiner Leitung gesungen, Eva Horisberger Geige gespielt. 1972 hat er den Dirigentenstock an Hewdig Gfeller ­weitergereicht. Gesungen hat er weiterhin im Chor. «Als er 80 wurde, haben wir ihm eine Torte, bestückt mit 80 Kerzen, in die Probe mitgebracht», erinnert sich Christine Holenweg. «Ein Geburtstag ist kein Verdienst», habe er bescheiden dazu gemeint.

Die wenigen Wechsel in der Vereinsgeschichte hätten Kontinuität geschaffen, womit sich der Chor in Biglen habe verankern können, erklären die Frauen.

Der kritische Moment

Nach 40 Jahren folgte auf Hedwig Gfeller ein kurzes Intermezzo einer anderen Dirigentin. Im Herbst 2012 verliess sie den Chor bereits wieder – zwei Wochen vor einem wichtigen Auftritt. Das Adventskonzert stand kurz bevor. Eine wichtige Tradition für den Chor, aber auch fürs Dorf: «Das Konzert ist quasi Weihnachten», sagt Elisabeth Schär.

Eva Horisberg erinnert sich gut an die Suche nach Ersatz: «Bis spätabends sassen wir zusammen und überlegten, wen wir anrufen könnten.» Das Telefon klingelte schliesslich bei Martin Studer. Eine Sängerin des Chors kannte ihn durch ihre Ausbildung zur Musiklehrerin. Ohne das Werk zu kennen, sagte Martin Studer zu. Als Aushilfe gekommen, blieb er bis heute. «Der Chor und ich, das passte einfach, es war Schicksal.»

Die Strahlkraft

Der Kirchenchor Biglen besitzt eine Strahlkraft, die über die Region hinausreicht. Er ist bekannt dafür, grosse, komplexe Werke auf die Bühne zu bringen. Als «Kulturoase» habe der verstorbene «Bund»-Feuilletonist Martin Etter Biglen einst betitelt, erzählen die drei Frauen stolz. Auch als Geheimtipp seien ihre Auftritte bereits bezeichnet worden.

Für Elisabeth Schär bleibt der 1. Mai 1977 in besonderer Erinnerung: Damals wurde die Predigt auf Radio Beromünster übertragen – in Begleitung des Kirchenchors. Die musikalische Untermalung der Gottesdienste ist bis heute ein zentrales Element des Chors. Das werde geschätzt und fördere die Singfreude im Dorf. Dabei könne man auf Sequenzen aus den ­grossen Werken zurückgreifen, so Martin Studer. Beispielsweise auf die Choräle der Passionen.

Gefallen an hochstehender Musik hatte bereits Gründer Albert Juncker. Unter Hedwig Gfeller habe sich dies akzentuiert, und der Chor trug vermehrt barocke Werke vor. Mit Martin Studer habe sich das Niveau noch einmal weiterentwickelt. Elitär sei der Chor deshalb aber nicht. «Einige von uns können praktisch keine Noten lesen.»

Für das kommende Konzert anlässlich des Jubiläums hat sich der Chor für die Johannes-Passion von Johann Sebastian Bach entschieden. Die biblische Vertonung des Leidenswegs Christi ist ausgelegt für Chor, Orchester und Solisten. Begleitet wird der Kirchenchor vom Neuen Zürcher Orchester, das auch von Martin Studer geleitet wird.

Ganz in der Tradition der Publikumschoräle – laut Studer hat das Publikum zu Bachs Zeiten die Choräle mitgesungen – sind die Konzertbesucher dazu eingeladen, vor der Aufführung die einfacheren Lieder der Passion mit Martin Studer einzuüben, um anschliessend mitzusingen. «Auf diese Weise können vielleicht auch neue Sängerinnen und Sänger gewonnen werden.»

Konzerte: Freitag, 23., und Samstag, 24. März, 20 Uhr, und Sonntag 25. März, 15 Uhr, Reformierte Kirche Biglen.

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