Die Stadt Bern will in Migranten investieren

Bern

Die städtische Sozial­ministerin Franziska Teuscher möchte Gratisdeutschkurse für Migranten ­einführen – nach dem Vorbild der Stadt Basel. Auch zugunsten des Arbeitsmarkts.

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Die Stadt Bern will fremdsprachige Neuzuzüger beim Erwerb von Deutschkenntnissen unterstützen. (Symbolbild)

(Bild: Manuel Zingg)

Der Schwerpunkteplan Integration 2018– 2021 der Stadt Bern ist ein schlankes Heft mit 15 Seiten. Der Titel suggeriert, dass es sich um einen rot-grünen Gutmenschenkatalog handelt. Wenn man das Programm durchblättert, stösst man auf viel Pragmatismus.

Menschen aus 164 Nationen leben in der Stadt Bern. Jede vierte Person hat einen ausländischen Pass. Jedes zweite Kind wächst in einer Familie mit Migrationshintergrund auf. Franziska Teuscher (GB), in der Stadtregierung zuständig für Bildung, Soziales und Sport, benutzte am Montag beim Kick-off-Meeting für den neuen Plan diese Zahlen, um klarzumachen: Integration ist kein Programm für Randgruppen, sondern ein Thema, das mittlerweile fast für eine Mehrheit der Stadt­bevölkerung von Belang ist.

Wie Basel

Kein Wunder, steht bei den Massnahmen der Erwerb der deutschen Sprache im Vordergrund. Die Stadt plant, Migranten finanzielle Unterstützung für den Besuch von Deutschkursen zu bieten. Wie Franziska Teuscher ausführte, orientiert man sich am Kanton Basel-Stadt, der neu zuziehenden Migrantinnen und Migranten, die längerfristig bleiben, in den ersten 12 Monaten einen Deutschkurs im Umfang von 80 Lektionen finanziert.

Wie genau das Berner Modell eines Gratisdeutschkurses aussehen wird, sei noch offen, sagt Teuscher. Ein Konzept soll 2019 vorliegen, und erst dann wird man auch die Kosten kennen. Gemeinde- und Stadtrat müssten die Deutschoffensive noch absegnen. Die städtische Sozialministerin glaubt, dass die neue Unterstützung für den Deutscherwerb nicht nur neu zuziehenden Migranten zugutekommen sollte. Sondern auch solchen, die schon länger hier sind, die aber – vielleicht, weil sie kleine Kinder haben – den Einstieg ins Deutschlernen verpasst haben. Nach wie vor, so Teuscher, gehörten mangelnde Deutschkenntnisse zu den grössten Hindernissen im Integrationsprozess.

Roland Nydegger, Leiter des städtischen Personalamts, erinnerte daran, dass Integrationsefforts angesichts des demografischen Wandels wichtige Investitionen seien. Wenn die geburtenstarken Jahrgänge ins Pensionsalter kommen, sei es auch im Interesse des Arbeitgebers Stadt Bern, das Potenzial der hier lebenden Menschen zu vergrössern.

Wie New York?

Vorantreiben will die Stadt Bern im Rahmen ihrer Integrationsmassnahmen auch die Idee einer City-Card, die man an alle in Bern lebenden Menschen abgeben würde – also auch an an sich illegale Sans-Papiers. In New York wird auf diese Art die urbane Gemeinschaft gefördert.

jsz

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