Die Tramkritiker loben die Sensibilität der Stimmenden

Bern

Das Nein zum Tram Region Bern überraschte sogar die Tramkritiker. Die Stimmenden hätten offenbar nicht goutiert, wie das Projekt aufgegleist worden sei, erklärten sie.

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Stephan Künzi

«An einer Vorlage, für die derart die Werbetrommel gerührt wird, muss ja etwas faul sein.» Von diesem Leitsatz, stellt Urs Dürmüller fest, hätten sich in Ostermundigen und Köniz ganz offensichtlich sehr viele leiten lassen. Der Kopf jener, die mit Vehemenz gegen den neuen Schienenstrang von Ostermundigen über Bern nach Köniz-Schliern angetreten sind, ist sichtlich aufgeräumt an diesem späten Sonntagnachmittag. Wen wunderts: Zur Überraschung aller ist das Vorhaben nicht nur im von jeher tramkritisch eingestellten Köniz durchgefallen, sondern auch in Ostermundigen.

Hier wie dort sei die millionenschwere Kampagne der Befürworter von einer Mehrheit der Stimmenden nicht goutiert worden, so Dürmüller am improvisierten Medientermin auf dem Kornhausplatz weiter. «Es gab zu viel Behördenpropaganda.»

Auch Ruedi Gygax, Tramkritiker aus Ostermundigen, freut sich unverhohlen darüber, «dass die Stimmbürger so sensibel sind». Um gleich anzufügen, wie es mit dem öffentlichen Verkehr in Ostermundigen weitergehen sollte: Nach dem Nein sei nun der Weg frei für Doppelgelenkbusse, wie sie unter anderem auch in Luzern eingesetzt würden. Wenn gleichzeitig der Umsteigepunkt am Bahnhof Ostermundigen ausgebaut werde – das bleibe auch nach dem Nein durchaus möglich –, sei schon viel gewonnen.

Dürmüller setzt ebenfalls auf den Bahnhof Ostermundigen als Umsteigepunkt. Mit der schon seit längerem diskutierten neuen Buslinie vom Oberfeld über den Bahnhof Ostermundigen in den Breitenrain liessen sich zudem die nötigen Kapazitäten schaffen. Wenn die Ostermundiger noch entdeckten, dass sie mit der S-Bahn eigentlich schneller in Bern seien, profitierten auch all jene, die an der Fortsetzung der Buslinie ins Stadtzentrum wohnten. Weil die Busse nicht mehr so voll wie heute wären, fänden sie dann umso leichter Platz.

IG bleibt bestehen

Dann wird Dürmüller wieder grundsätzlich, redet davon, wie sehr ihn das Vorgehen der Politikerinnen und Politiker gestört habe. Über die Köpfe der direkt Betroffenen sei zum Beispiel entschieden worden, dass das Tram wichtiger sei als der Erhalt der alten Baumalleen. «Das verträgt sich nicht mit meinem Verständnis von Demokratie.»

Dürmüller fordert deshalb für die Zukunft einen stärkeren Einbezug der Bevölkerung. Die Interessengemeinschaft «Tram Region Bern – so nicht» werde auf alle Fälle weiter bestehen bleiben. Und für entsprechende Gespräche offen bleiben.

Megabusse auch für Köniz

Und Köniz? Hier überrascht die Tramkritiker vor allem die Deutlichkeit des Resultats, wie Thomas Schneiter in ihrem Namen festhält. Seine Lösung ähnelt jener, die Gygax bereits für Ostermundigen vorgeschlagen hat. Er fordert Megabusse.

Berner Zeitung

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