Die Verkaufsstrategie der Gesamtkirchgemeinde

Am Beispiel der Berner Matthäuskirche zeigt sich, welche Überlegungen sich die Gesamtkirchgemeinde bei der Abgabe einer Liegenschaft macht. Der Verkauf an die Stadt steht zuoberst auf der Prioritätenliste.

Die Matthäuskirche soll an die Stadt Bern verkauft werden.

Die Matthäuskirche soll an die Stadt Bern verkauft werden.

(Bild: Beat Mathys)

Sheila Matti

Es war kein einfaches Jahr für den Kleinen Kirchenrat der evangelisch-reformierten ­Gesamtkirchgemeinde Bern. Während beinahe jeder Sitzung diskutierte er über die Liegenschaftsstrategie in der Stadt Bern.

So weiss diese Zeitung auch von zwei entsprechenden Traktanden, die auf dem Programm der Sitzung von letzter Woche standen: Einerseits besprach der Kleine Kirchenrat die Zukunft des Treffpunkts Wittigkofen, andererseits unterhielt er sich über den Verkauf der Matthäuskirche. Während der Kirchenrat das Geschäft Wittigkofen auf nächstes Jahr verschob, konnte er mit dem Entscheid zur Matthäuskirche die Ängste der Quartierbewohner zerstreuen.

Sowohl die Kirchgemeinde Matthäus Bern und Bremgarten als auch der Leist der Engehalbinsel befürchteten, dass ­ihre Kirche an einen privaten Unternehmer verkauft werden könnte.

«Damit wären die letzten öffentlich nutzbaren Räume auf der Engehalbinsel der Stadt Bern verloren gegangen», sagt Kirchgemeinderat Stephan Baumann. Um dies zu verhindern, wurde eine Petition lanciert und an die Gesamtkirchgemeinde übergeben – rund 1600 Stimmen wurden innerhalb von vierzehn Tagen gesammelt. «Eine beachtliche Anzahl, wenn man berücksichtigt, dass auf der Engehalbinsel nur etwa 2000 Haushalte verzeichnet sind», betont Baumann.

Eine Bibliothek in der Kirche

Dass die Kirchgemeinde Matthäus dermassen besorgt um ihre Kirche ist, erstaunt. Im Rahmen der Liegenschaftsstrategie verzichtete sie nämlich auf die Liegenschaft. Und sobald eine Verzichtserklärung eingereicht wird, liegt es in der Zuständigkeit der Gesamtkirchgemeinde, das Gebäude zu verkaufen.

«Es ist uns ein Anliegen, dass weiterhin eine öffentliche Nutzung möglich ist.»Bruno Banholzer, stv. Kirchmeier

Doch das Rossfeld darf auf­atmen: Wie der Kleine Kirch­gemeinderat in seiner Antwort auf die Petition schreibt, werden im Fall der Matthäuskirche «in erster Priorität Verkaufsverhandlungen mit der Stadt Bern geführt. Ihr sollen die Liegenschaften im Baurecht verkauft werden.»

Am Beispiel der Matthäuskirche erklärt der stellvertretende Kirchmeier Bruno Banholzer, wie die Gesamtkirchgemeinde beim Verkauf der abgegebenen Liegenschaften vorgeht: «Erste Priorität hat immer die Stadt Bern; wir suchen zuerst mit ihr das Gespräch und klären insbesondere ab, ob eine Umnutzung der Liegenschaft infrage kommt. Es ist uns ein Anliegen, dass weiterhin eine öffentliche Nutzung möglich ist.» Erst wenn die Stadt kein Interesse zeige, werde nach weiteren Möglichkeiten gesucht.

«Zweite Priorität haben dann soziale Institutionen, welche ebenfalls eine öffentliche Nutzung garantieren könnten», fährt Banholzer fort. Erst wenn diese beiden Möglichkeiten wegfielen, werde der freihändige Verkauf an eine Privatperson geprüft. Voraussetzung für einen gelungenen Verkauf sei aber immer, dass die Finanzierung sichergestellt sei, «schliesslich geht es hier auch um den verantwortungsvollen Umgang mit Steuermitteln, welcher gemäss Gemeinde­­gesetz erfolgen muss.»

Erste Vorschläge im März

Diese Strategie führte in verschiedenen Fällen bereits zum Erfolg, wie Banholzer sagt. So konnte etwa das Calvinhaus an die Stadt vermietet werden – aktuell wird es umgebaut, damit darin bald Schulklassen unterrichtet werden können. Und auch das Gemeindehaus Burgfeld konnte an die Stadt Bern verkauft werden. Trotzdem: Vor dem Kleinen Kirchenrat liegen noch viele weitere Sitzungen. Voraussichtlich im März will er erste Vorschläge präsentieren, wie man die Liegenschaftsstrategie ganzheitlich umsetzen könnte.sm

Berner Zeitung

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