Diese Antenne passt nicht ins Dorfbild

Wohlen

Die Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion des Kantons hat die Beschwerde gegen die geplante Sunrise-Antenne in Wohlen gutgeheissen. Damit ist die Geschichte aber noch nicht abgeschlossen.

Die Profile auf dem Hausdach zeugen vom Bauprojekt.

Die Profile auf dem Hausdach zeugen vom Bauprojekt.

(Bild: Sheila Matti)

Sheila Matti

Wartet man in Oberwohlen auf das Postauto, ergibt sich ein stimmiges Bild. Auf der einen Seite umgeben einen Bauernhäuser aus dem 19. und 20. Jahrhundert, auf der anderen Seite schmucke Ein- und Mehrfamilienhäuser, die sich hinter Obstbäumen und Thujahecken verstecken.

Alle Gebäude sind etwa gleich hoch, alle sind umgeben mit viel Grün, alle besitzen Walmdächer mit dunkelbraunen Ziegeln. So zumindest interpretiert die Kommission zur Pflege der Orts- und Landschaftsbilder (OLK) die Situation in Wohlen. Dass auf einem der Gebäude eine 4,5 Meter hohe Mobilfunkantenne zu stehen kommen soll? Undenkbar. Sie würde das Ortsbild zu sehr beeinträchtigen.

Auf Grund dieser Einschätzung der OLK fällte die kantonale Bau-,Verkehrs- und Energiedirektion (BVE) Mitte Juni eine Entscheidung: Die von Sunrise geplante Antenne auf dem ehemaligen Bauernhaus an der Uettligenstrasse 24 darf nicht gebaut werden. Die Beschwerde von 34 Privatpersonen aus der Umgebung gegen dieses Bauvorhaben wurde gutgeheissen.

Ein langes Hin und Her

«Für meine Mandanten war der Entscheid natürlich eine grosse Erleichterung», sagt Res Nyffenegger. Der Berner Anwalt vertritt die 34 Beschwerdeführenden bei ihrem Rechtsstreit gegen das Bauvorhaben des Mobilfunkanbieters. Sunrise will bereits seit 2015 eine neue Antenne in Wohlen bauen, um die Nachfrage im Gebiet decken zu können. Rund 50 Einsprachen waren gegen das damals publizierte Baugesuch eingegangen, jedoch ohne Erfolg.

Eine kurze Verschnaufpause boten die Jahre zwischen 2016 und 2018: Sunrise sistierte das Vorhaben, um weitere technische Abklärungen zu unternehmen. Kurz nachdem der Mobilfunkanbieter das Projekt im Juni 2018 wieder aufnahm, wurde das Baugesuch durch die Gemeinde bewilligt. Mit der Hilfe von Res Nyffenegger fochten die Anwohner dies jedoch an – so, dass die BVE im letzten Jahr darüber entscheiden musste.

Dass die Antenne nicht ins Dorfbild der Wohnsiedlung passe, sei nur einer von mehreren Gründen, der gegen deren Bau spricht, so Nyffenegger: «Die Anwohner vermissen einen konkreten Nachweis, wonach die Anlage die geltenden Strahlengrenzwerte einhalten würde.» Und auch die Notwendigkeit der Antenne werde immer wieder angezweifelt – «wobei dieser Punkt natürlich nicht Gegenstand der Beschwerde war.»

Noch kein Ende in Sicht

Komplett vom Tisch ist die Geschichte jedoch nicht: Wie Sunrise auf Anfrage bestätigt, plant das Unternehmen den Entscheid der BVE anzufechten. «Sunrise hat den Standort in Zusammenarbeit mit der Gemeinde Wohlen so weit ästhetisch optimiert, wie dies technisch möglich ist, und damit eine gute Kompromisslösung erarbeitet», so Mediensprecher Rolf Ziebold. Weiter betont er, dass eine neue Antenne für die Versorgung von Ober- und Unterwohlen wichtig sei: «Sunrise benötigt hier eine Mobilfunkanlage, um den heutigen Bedürfnissen entsprechen zu können. Ein alternativer Standort, der besser ins Ortsbild passen würde, ist nicht ersichtlich.»

Damit zieht Sunrise den Rechtsstreit um die Antenne an der Uettligenstrasse 24 weiter bis vors Verwaltungsgericht. Ob und wie die Anwohnerinnen und Anwohner auf einen allfälligen, für sie negativen Entscheid von diesem reagieren werden und ob sie die Thematik gar bis vors Bundesgericht weiterziehen, kann Anwalt Res Nyffenegger indes nicht sagen. «Das werden wir besprechen, sobald der Zeitpunkt gekommen ist.» Doch zumindest für einen Moment dürfte das Bild in Wohlen stimmig bleiben.

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