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Drei Stürme in Folge hinterlassen viel Arbeit

Erst Burglind, dann Evi und heute Friederike – drei Winterstürme in Folge sind aus Sicht des Meteorologen «nichts Ausserordentliches». Aber sie hinterlassen viel Arbeit. Zum Beispiel für die Experten der Gebäudeversicherung.

Bäume stürzten auf den Gartensitzplatz: GVB-Experte Urs Gasser (links) bespricht mit dem Hauseigentümer das Vorgehen.
Bäume stürzten auf den Gartensitzplatz: GVB-Experte Urs Gasser (links) bespricht mit dem Hauseigentümer das Vorgehen.
Nicole Philipp
Schneebedeckte Strassen: Besonders auf der A1 zwischen den Verzweigungen Schönbühl und Wankdorf staute sich der Verkehr am Mittwochvormittag.
Schneebedeckte Strassen: Besonders auf der A1 zwischen den Verzweigungen Schönbühl und Wankdorf staute sich der Verkehr am Mittwochvormittag.
Leserreporter
Auch die Meteorologen von Meteonews haben die Situation am Dienstag kurz nach 9 Uhr neu eingeschätzt: Für die Nordwestschweiz galt Gefahrenstufe Rot. Heisst: «Schwerer Sturm».
Auch die Meteorologen von Meteonews haben die Situation am Dienstag kurz nach 9 Uhr neu eingeschätzt: Für die Nordwestschweiz galt Gefahrenstufe Rot. Heisst: «Schwerer Sturm».
Screenshot/Meteonews
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Die Strasse ist gesperrt. Ein Fahrverbotsschild hängt an der Abschrankung und schwankt im Wind. Hohe Tannen und laublose Bäume säumen die Alte Bernstrasse, die vom Zentrum Laupen hinauf Richtung Bramberg führt. Wintertief Evi drückt die Bäume in gefährliche Schräglage.

Es rauscht wie am Meer. Autorin und Fotografin zögern. Der Treffpunkt für die Reportage liegt einige Hundert Meter oberhalb des Sperrgitters am Waldrand. Verabredet sind wir mit Urs Gasser, der für die Gebäudeversicherung Bern (GVB) Schäden begutachtet, die zwei Wochen zuvor Sturm Burglind angerichtet hat.

«Sie können trotzdem rauffahren. Die Einfahrt zum Haus befindet sich schon bei der nächsten Kurve», sagt Gasser am Telefon und warnt: «Aber gehen Sie nicht in den Wald hinein.» Auf keinen Fall. Wir sind erleichtert, als wir unter dem schützenden Vordach der Liegenschaft stehen, die Urs Gasser gerade inspiziert.

Mehrere mächtige Bäume hat Burglind auf dem Nachbargrundstück geknickt oder ganz umgeworfen. Unter dem Holzhaufen ist der Aussensitzplatz des Einfamilienhauses begraben.

Nicht schon wieder! Das dachte Gasser, als am Montag auf seinem Smartphone der Wetteralarm für Evi aufpoppte. Nicht schon wieder, weil er seit nunmehr zwei Wochen täglich unterwegs ist, um Schäden aufzunehmen, die Burglind hinterlassen hat. Urs Gasser ist einer von rund 150 Experten, welche die GVB als Milizmitarbeitende einsetzt, um Liegenschaften zu schätzen oder eben Unwetterschäden zu beurteilen.

«Nicht schon wieder!»

GVB-Experte Urs Gasser

Mit diesem System kann die GVB kurzfristig viele Experten auf­bieten, wenn sie diese braucht. Wie die meisten anderen arbeitet auch Urs Gasser ansonsten als selbstständiger Architekt. «In meinem Büro bleibt natürlich alles liegen, wenn ich für die GVB im Einsatz bin.»

Seit er im Jahr 2000 als Experte angefangen hat, hat er mehrere «Grossereignisse» erlebt: die Folgen des Sturms Lothar, Überschwemmungen in Neuenegg und der Berner Matte, Hagelzüge oder eben zuletzt Burglind.

Evi war kein «Grossereignis»

Sturm Evi sei für die Gebäudeversicherung «kein aussergewöhn­liches Ereignis und hinterlässt deutlich weniger Schäden als das Grossereignis Burglind», hiess es gestern bei der Medienstelle der GVB.

Die Hausexperten stünden jedoch noch immer im Einsatz, um die Schäden der ersten Januarwoche abzuwickeln. Über 70 Sturmschäden von Burglind hat allein Urs Gasser in den letzten 14 Tagen begutachtet. Circa 80 Prozent davon waren Schäden an Dächern.

Weder Mensch noch Tier verletzt

Urs Gasser bespricht mit dem Eigentümer der Liegenschaft das weitere Vorgehen. Dieser ist froh, dass nichts Schlimmeres passiert ist. «Es sind zum Glück weder Menschen noch Tiere verletzt worden. Der Schaden an der Terrasse lässt sich beheben. Und ich bin ja gut versichert.» Er lacht. In der Tat wird die GVB in diesem Fall sogar die Räumung und die Entsorgung des Holzes bezahlen. «Je nach gewählter Versicherungsdeckung ist das eingeschlossen», sagt Gasser.

«Es sind zum Glück weder Menschen noch Tiere verletzt worden. Der ­Schaden an der Terrasse lässt sich beheben.»

Der Hauseigentümer

Den meisten Hauseigentümern sei klar, welche Schäden sie selber tragen müssten. Es ist ein wichtiger Punkt seiner Arbeit, herauszufinden, welche Schäden tatsächlich von einem Unwetter herrühren und welche vielleicht entstanden sind, weil der Unterhalt einer Liegenschaft vernachlässigt wurde.

Für jede Schadenmeldung eröffnet der GVB-Experte ein Formular, in das er Informationen zum Hauseigentümer, seiner Versicherungspolice, der Liegenschaft sowie zum Schaden einträgt. Vor Ort ist ein sorgfältiger Augenschein das Wichtigste. Urs Gasser fotografiert die Schäden, damit er sie später im Büro wieder vor ­Augen hat.

Die Hauseigentümer können frei wählen, welcher Handwerker den Auftrag bekommt, die Offerte wird allerdings von der GVB geprüft. «Die Gebäudeversicherung darf selber nicht in den Markt eingreifen. Es ist aber meine Aufgabe, zu beurteilen, ob ein Handwerker eine marktgerechte Offerte macht», erklärt Gasser.

Bei der Liegenschaft in Laupen ist alles klar. Ein unkomplizierter Fall. «Hoffen wir, dass nicht noch mehr Bäume umstürzen», sagt Urs Gasser und blickt hinauf zum nahen Wald. In dem Evi bläst.

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