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Durch das Starthaus ins Kino

Die Filmnächte Münsingen haben am Donnerstag ihre Tore geöffnet. Ein eigens gebauter Schrebergarten, Schweizer Film-Leckerbissen, kulinarische und kulturelle Köstlichkeiten warten bis Sonntag auf Besucher.

Christoph Maurer steht an der Bar im Schatten eines Festzeltes. Er hat Schweissperlen auf der Stirn und seine Arbeitskleider sind voller Erde. Vor ihm steht ein kühles Bier, sein Blick schweift über den Schlossgutplatz Münsingen. «Einen Tag haben wir gebraucht, um den Platz in eine Art grossen Schrebergarten zu verwandeln», sagt der Öko-Gärtner aus dem Dorf. Jetzt sprudelt hier ein Wettergott in Form von aufgetürmten Giesskannen, improvisierte Beete beherbergen Salat, Kräuter und Tomaten, und WC-Häuschen mit herzförmigen Löchern dienen als Geräteschuppen. Christoph Maurer ist zufrieden, alles ist bereit für die diesjährigen Filmnächte.

Filmnächte seit 12 Jahren

Das Open-Air-Kino im Aaretal findet seit 1998 statt und ist bekannt für seine aufwändige Dekoration. Andere Jahre wurden beispielsweise Tonnen von Sand oder gar ein Flugzeug hergeschafft, immer passend zu den vorgeführten Filmen. Dieses Jahr stehen die vier Filmnächte unter dem Motto «Bienvenue chez les suisses» – gezeigt werden ausschliesslich Schweizer Filme. Die Idee für die Dekoration lieferte der Dok-Film «Unser Garten Eden» über die Schrebergärten im Bottigenmoos, der heute Samstag gezeigt wird.

Start wie bei Ski-Weltcup

Doch nicht nur Schrebergärtlern wird es in Münsingen warm ums Herz: Am Eingang muss jeder Besucher durch ein eigens gebautes Starthäuschen gehen, wie an einem Ski-Weltcup. Nachdem die Slalomtore passiert sind, fällt der Blick auf einen grossen Wanderwegweiser, der für Orientierung sorgt. Christoph Maurer geniesst sein Feierabendbier, während seine Frau Jolanda den Salat für das afrikanische Nachtessen anrichtet. Die Gastronomie passt sich jeweils den Filmen an. Eröffnet wurde mit dem Streifen «Baba’s Song», einer tragikomischen Geschichte über eine Schweizer Kinderadoption in Afrika.

Familien engagieren sich

Der Platz an diesem Sommerabend ist um acht Uhr bereits gut gefüllt. Mittendrin steht Urs Wiedmer, der Präsident der Filmnächte Münsingen, und sucht jemanden. «Ich weiss nicht, wo die afrikanische Band ist, die gleich auftreten soll», sagt er und läuft davon. Kurz darauf findet er die Musiker, und es erklingen mitreissende afrikanische Rhythmen.

Rund 40 freiwillige Helfer machen den Event möglich. «Es sind alles Familien aus dem Dorf. Das macht den Umgang miteinander locker, flexibel und kreativ», sagt Christoph Maurer. Auch die Töchter des Gärtners haben mit angepackt, dem Anlass wird der Nachwuchs also nicht ausgehen.

Salatköpfe zum Brauchen

«Ich freue mich am meisten auf den Dok-Film über die alte Öle Münsingen und auf ‹Cannabis›», sagt Maurer. Der Abend ist ausverkauft und am afrikanischen Büfett geht der Salat aus. Jolanda Maurer schnappt sich ein Messer, geht hinüber zum Gemüsebeet und schneidet zwei Köpfe ab. «Die sind schliesslich zum Brauchen da», meint sie. Am nächsten Tag werden neue gepflanzt.

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