Ein Bad und 1200 Meinungen

Mehr Toiletten? Ein Zaun um das Kinderbad? An einem Workshop und in einer Umfrage konnten Marzili-Fans ihre Wünsche bezüglich des Badumbaus kundtun.

Stadtbaumeister Thomas Pfluger befragt Badegäste zu ihren Wünsche für das Marzili. Foto: Franziska Scheidegger

Stadtbaumeister Thomas Pfluger befragt Badegäste zu ihren Wünsche für das Marzili. Foto: Franziska Scheidegger

Rund 1200 Personen haben am öffentlichen Partizipationsverfahren zur Zukunft des Marzilibades mitgemacht und sich an der Umfrage – vom 22. Juli bis 5. August – beteiligt. «Das grosse Echo freut mich ausserordentlich, es zeigt, dass das Marzili den Bernerinnen und Bernern am Herzen liegt», sagte Stadtpräsident Alec von Graffenried am Montagabend vor 60 Marzili-Fans. Diese waren zum Workshop ins Restaurant Dählhölzli gekommen, um ihre Anregungen und Wünsche gemeinsam zu diskutieren.

Vorgängig aber wurden die Resultate der Umfrage präsentiert, von Gemeinderätin Franziska Teuscher, Stadtbaumeister Thomas Pfluger sowie Christian Bigler, Leiter Sportamt. Fast 50 Prozent der Befragten gaben an, dass sie das Marzili mehrmals pro Woche besuchen. 95 Prozent schätzen in erster Linie die direkte Lage an der Aare, für 80 Prozent ist es laut Umfrage der freie Eintritt.

«Wir werden uns überlegen, wo und wie wir Schatten ins Marzili bringen.»Franziska Teuscher, Gemeinderätin

Die Spiel- und Spassangebote stossen indes auf wenig Interesse: 60 Prozent der Befragten gaben an, dass sie auf sämtliche verzichten. Das beliebteste Angebot sind die Tischtennistische, die 20 Prozent regelmässig nutzen. Bezüglich der Infrastruktur wünschen 40 Prozent zusätzliche Toiletten, während 35 Prozent mit der momentanen Situation zufrieden sind.

Mehr Schattenplätze

Auf der Wunschliste ganz oben tauchte in der Umfrage sowie am Workshop immer wieder das Thema Schatten auf. Viele Badegäste sind sich einig, dass auf den Liegewiesen sowie im Bereich des Restaurants zu wenig Schattenplätze vorhanden sind. «Wir werden uns überlegen, wo und wie wir Schatten ins Marzili bringen», meinte Franziska Teuscher, «die Leute wissen heute, dass das Bräteln in der Sonne nicht gesund ist.»

Ein Grundtenor der Marzili-Gäste ist auch, dass der spezielle Charme des Bades erhalten bleiben soll. Franziska Teuscher: «Zum Charakter des Marzili wird ganz sicher Sorge getragen. Dazu gehört nicht nur das ‹Paradiesli›, das ja definitiv bleibt, sondern auch die Pritschen, die ebenfalls nicht verschwinden werden.»

Diskussion am runden Tisch

Nach der Präsentation der Umfrage nahmen die 60 Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Workshops an sechs runden Tischen Platz. Vorgegeben zur Diskussion waren drei Themen, je eines an zwei Tischen: erstens Vision Marzili; zweitens Infrastruktur und Bäderlandschaft sowie drittens der «Löifu». Letzteres führte schnell zu angeregten Diskussionen und konträren Voten. Soll es künftig wieder einen «Löifu» geben oder nicht?

Einige waren dafür, andere hielten ihn für überflüssig – und zu kostspielig. Es gab schon einmal einen. Bis Ende der 1960er-Jahre lag das Marzili auf einer Insel, zwischen der Aare und dem «Löifu», einem Aare-Seitenarm, der zwischen der Dampfzentrale und der ehemaligen Ryff-Fabrik dahinfloss und durch das Bad zog. 1968 wurde dieser Lauf zugeschüttet. Zu diesem Thema kam es am Workshop zu keiner Einigkeit.

Diskutiert wurde auch das Thema Sicherheit für Kinder. «Das Kinderbassin steht ohne Abgrenzung und zu nahe an den anderen Bädern», meinte ein Familienvater. Der Konter: «Einen Zaun um das Kinderbad? Das wäre ja schrecklich.» Eine jüngere Frau brachte wettkampftaugliche Schwimmbecken aufs Tapet.

«Nicht übertreiben mit neuen Sachen», erhielt sie zur Antwort. Das Thema Spassangebote war eines der wenigen, das eine Mehrheit fand, nämlich, dass es keine neuen geben soll. Unzählige andere Fragen endeten mit einem Pro und Kontra. Die Diskussionen waren angeregt, aber nie hitzig. Und so schrieben die Gesprächsleiter, alle Mitglieder städtischer Ämter, die Voten stichwortartig auf Plakate und hefteten diese an die Wand des Restaurantsaals.

Fazit: Viele Fragen offen

Dann, um 21.30 Uhr, war das Fazit der Diskussion angesagt. Aber es gab keines. Oder doch: nämlich, dass viele Fragen offen bleiben. Die Erkenntnisse aus diesem Workshop müssten jetzt detailliert ausgewertet werden, meinte Stadtpräsident Alec von Graffenried. Es werde ein Bericht erstellt, der den Planungsteams abgegeben wird.

Das Siegerprojekt aus dem Studienauftrag soll 2020 vorliegen. Der Baukredit für die Gesamtsanierung des Marzilibades wird den Stimmberechtigten voraussichtlich 2022 unterbreitet. Ein Jahr später könnten dann die Bauarbeiten beginnen. Diese sollen etappenweise und ausserhalb der Badesaison vorgenommen werden.

Infos: www.bern.ch/zukunft-marzili

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