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Ein Berner will Bierkönig werden

Pierre Dubler aus Uettligen kann am Samstag Schweizer Meister der Biersommeliers werden. Das ist ihm aber gar nicht so wichtig.

Dass Bierdegustieren keine einfache Aufgabe ist, zeigt unser Test mit Pierre Dubler. Der Biersommelier, der bei der Brauerei Felsenau als Verkaufsleiter arbeitet, erkennt das hauseigene «Bärni» nicht.

Röstbrotig. So rieche das Getränk, sagt der freundliche Herr auf dem Barhocker. Er schwenkt sein Glas, die dunkle Flüssigkeit perlt darin, der Schaum wird fester. «Schön», sagt er dann, «cremefarbener Schaum.» Dann nimmt er einen Schluck. «Ein bisschen Lakritze. Ein Schwarzbier. Ja, das ist ein Appenzeller, Schwarzer Kristall heisst es. Ich lege mich fest.»

Der freundliche Herr heisst Pierre Dubler und sitzt in der Braustube der Berner Brauerei Felsenau und degustiert Bier. Der 54-Jährige spricht von Hopfigkeit, von Bananenaromen, von öligen Strukturen. Er spricht auch von saurer Milch, von Stinktieren und von Wundpflastern.

Solche Fehlgeschmäcke können sich entwickeln, wenn Bier beispielsweise durch zu viel Lichteinfluss schlecht wird – oder, schlimmer, wenn ein Fehler in der Herstellung passiert ist.

Bierdegustieren ist fast wie Weindegustieren, und auch die Begriffe, die Experten wie Dubler dabei verwenden, sind ähnlich. Der grosse Unterschied ist, dass Bier nicht ausgespuckt, sondern immer getrunken wird. Nur so könne man das Retronasale erkennen, erklärt Dubler.

«Schöner, cremefarbener Schaum»: Biersommelier Pierre Dubler (54) degustiert in der Berner Brauerei Felsenau ein dunkles Bier. Bild: Andreas Blatter
«Schöner, cremefarbener Schaum»: Biersommelier Pierre Dubler (54) degustiert in der Berner Brauerei Felsenau ein dunkles Bier. Bild: Andreas Blatter

Es tönt nicht elitär, wenn er das sagt. ­Dafür ist der Mann viel zu freundlich – und dafür erklärt er alles, was er sagt, viel zu anschaulich. Es seien jene Aromen, die nach dem Schlucken vom Rachen durch die Nase strömten, sagt Dubler. Im Falle des Schwarzbiers, das er gerade verkostet, fühlten sich diese Aromen «wohltuend und leicht süsslich» an.

Olympischer Gedanke

Pierre Dubler ist Biersommelier, einer von 285 in der Schweiz, die diese Ausbildung absolviert haben. Am Samstag könnte er Schweizer Meister seiner Zunft werden. 35 Kandidaten treten beim Wettstreit in Zürich an, die vier besten dürfen die Schweiz Mitte September an der Weltmeisterschaft in München vertreten.

Der «olympische Gedanke» stehe bei seiner Teilnahme im Vordergrund, sagt Dubler, der in Uettligen zu Hause ist. «Aber selbstverständlich würde ich gerne nach München fahren.»

Pierre Dubler erklärt im Videointerview, weshalb er an der Schweizer Meisterschaft antritt und wie man richtig Bier degustiert. Video: Florine Schönmann

Bier degustieren werden Dub­ler und seine Konkurrenten am Samstag auch müssen, aber nicht nur. In der ersten Runde wird ihr Bierwissen in einer schriftlichen Prüfung abgefragt. Später müssen sie Bierstile und -aromen erkennen. Die Paradedisziplin folgt in der Finalrunde der besten acht: die Bierpräsentation.

Die Bewerber dürfen aus drei Bieren eines auswählen. Dieses müssen sie der Jury präsentieren, es ­degustieren, beschreiben und schliesslich Vorschläge machen, was man dazu essen könnte. Weil er recht gut reden könne, sagt ­Dubler, rechne er sich in dieser Disziplin Chancen aus. Dann grinst der gelernte Koch – und redet weiter. Über Bier.

Ja, über Bier kann der Vater von zwei erwachsenen Kindern stundenlang sprechen. Das Getränk ist ein zentraler Teil seines Lebens geworden. Dubler, früher Weinhändler, arbeitet seit sechs Jahren als Verkaufsleiter bei ­Felsenau.

Daneben ist er unter anderem Prüfungsexperte für Biersommeliers und veranstaltet mit dem Berner Gastronomen Michel Gygax regelmässig den Anlass «Bier vs. Wein» in verschiedenen Berner Restaurants.

Es gibt einen Fünfgänger, Gygax serviert zu jedem Gang einen passenden Wein, Dubler ein passendes Bier. Nach jeder Runde stimmen die Gäste ab, was besser zum Essen gepasst hat. Derzeit stehe es 5 zu 3 für Bier, sagt Dubler und grinst. «Gygax ist ein bisschen unter Druck.»

«Bier ist viel, viel mehr, als einen Stüpper runterzustürzen.»

Pierre Dubler

Wachsende Vielfalt

Bier sei eben viel, viel mehr, als «einen Stüpper runterzustürzen», sagt Dubler. Und genau das wolle er den Menschen vermitteln. Die stetig wachsende Vielfalt im Schweizer Biermarkt, dass es mittlerweile über 700 lizenzierte Brauereien gibt, dass es Biere von Mikrobrauereien auf die Karte von grossen Bars und Restaurants schaffen, all das seien grossartige Entwicklungen. Gegen 400 verschiedene Biere habe er in seinem Leben getrunken, schätzt Dubler. Er hoffe, dass noch viele dazukommen.

Und der Schwarze Kristall, den er beim Degustieren gelobt hat? Ist gar kein Schwarzer Kristall, sondern ein Bärni aus der Brau­erei Felsenau. Dubler lag im Blindtest bei einem Bier aus seinem Haus falsch.

«Ganz schlecht», sagt er und lacht laut. «Am Samstag muss das deutlich besser laufen.»

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