Ein Dorf in Bildern

Etzelkofen

Interessante Menschen, ­Gebäude, Geschichten und ­Feste: Ein Fotobuch widmet sich dem kleinen Dorf, das seit knapp vier Jahren keine eigenständige Gemeinde mehr ist.

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Hans Ulrich Schaad

«Gemeindehaus» steht in blauen Lettern an der Fassade. Etikettenschwindel, könnte man sagen. Denn Etzelkofen besitzt seit der Achterfusion mit Fraubrunnen vor knapp vier Jahren keine eigene Gemeindeverwaltung mehr.

Auch im Schulhaus gleich nebenan wird seit dem letzten Sommer nicht mehr unterrichtet. Die Post existiert seit Jahren nicht mehr, ausser einem kleinen Hoflädeli gibt es keine Einkaufsmöglichkeiten im Dorf, doch dafür noch eine Dorfbeiz, das Rössli.

Etzelkofen mit seinen 315 Einwohnern ist trotz dieser Umstände mehr als ein Schlafdorf. Der im Zusammenhang mit der Fusion gegründete Dorfleist organisiert regelmässig Anlässe.

«Die Beteiligung ist recht gut», sagt Leistpräsident Daniel Bernhard. Am kommenden Samstag findet ein nächster solcher Event statt, bei dem die Bevölkerung im Mittelpunkt stehen wird: Eine Arbeitsgruppe aus dem Dorfleist präsentiert das Fotobuch Etzelkofen mit rund 850 Bildern auf über 300 Seiten.

Fotos statt Chronik

Ursprünglich sollte eine Dorfchronik entstehen, erklärt Konrad Althaus, Leiter der Arbeitsgruppe. Das war vor rund fünf Jahren im Hinblick auf die Fusion mit Fraubrunnen. Doch das Projekt wurde sistiert, es war zu aufwendig. Im Frühjahr 2016 kam das Thema im Dorfleist wieder auf die Traktandenliste.

Es ging auch um Geld. Denn aus der Liquidation der Nachfolgegesellschaft der Amtsersparniskasse Fraubrunnen von 2001 besteht ein Spezialfonds, aus dessen Geld Projekte in der Gemeinde realisiert werden können.

Im Fusionsvertrag war aber festgehalten, dass ein allfälliger Restbetrag nach 2017 der neuen Gemeinde Fraubrunnen zufällt. Diese 48 000 Franken investiert der Dorfleist nun in das Buchprojekt. Dank dem Fonds erhält jeder Haushalt in Etzelkofen ein Gratisexemplar.

Auf einen Aufruf hin sind der Arbeitsgruppe viele Bilder zur Verfügung gestellt worden, wobei man bei einem Kaffee manchmal nachgehakt habe. «Ich war aber erstaunt, wie wenige Fotos zu einzelnen Bereichen oder aus einzelnen Zeitperioden vorhanden sind», blickt Konrad Althaus zurück.

Andererseits kamen überraschende Aufnahmen zum Vorschein, wie jene rund hundert Jahre alte, die vier Frauen im festlicher Kleidung mit Hut und Fahrrad zeigt.

Das Fotobuch widmet sich den Gebäuden und ihren Veränderungen, der Schule im Wandel der Zeit, den Behörden, dem Gewerbe den Vereinen und den vielen Festen.

«Bei diesen Anlässen nahm die ganze Bevölkerung teil, das waren richtige Volksfeste», erinnert sich der 61-jährige Althaus, der in Etzelkofen aufwuchs und nach einem beruflich bedingten Wegzug seit dreissig Jahren wieder hier wohnt.

Der Ehrenbürger

In erster Linie zeigt das Fotobuch aber Menschen. Die älteste ­Einwohnerin und der älteste ­Einwohner erzählen aus ihrem Leben. Nicht fehlen darf der Prominenteste, Dewet Buri (1901 bis 1995). 1966 hat ihn die Gemeinde zum Ehrenbürger ernannt, 1996 erhielt er auf dem Gemeinschaftsplatz beim Schulhaus einen Gedenkstein.

Dewet Buri war ein politisches Schwergewicht: fünfzehn Jahre Grossrat, zwanzig Jahre Regierungsrat, zwölf Jahre Nationalrat und vierzehn Jahre Ständerat. Durch Buris politische Tätigkeit wurde Etzelkofen in der ganzen Schweiz bekannt. Selbst ausländische Staatsgäste machten einen Abstecher nach Etzelkofen: 1961 begrüssten die Etzelkofer Schulkinder Heinrich Lübke, den deutschen Bundespräsidenten.

Konrad Althaus ist zufrieden mit dem Fotobuch. Es sei ein wertvoller Blick zurück in die Vergangenheit und gleichzeitig eine bleibende Erinnerung für die Zukunft. Erstmals in Erinnerungen schwelgen können die Etzelkofer am Samstag.

Vernissage für das Fotobuch am Samstag, 9. Dezember, von 14 bis 17 Uhr in der Aula des Schulhauses Etzelkofen. www.etzelkofen.ch.

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