«Ein Gurt ist ein Schmuckstück»

Bremgarten

Seit ihrer Kindheit ist Tatjana von Mühlenen von einem Stoff fasziniert: der Seide. Diese verarbeitet sie zu Gürteln, und jeder von ihnen wird dabei zu einem Unikat.

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Annic Berset

Für manche ist er ein lästiges Zusatzteil, das man anziehen muss, damit die Hosen nicht runterrutschen, sondern gut sitzen. Für Tatjana von Mühlenen ist er hingegen ein wahres Schmuckstück. In ihrem Atelier in Bremgarten stellt die Bernerin Gurte her – und zwar eben nicht solche, die man nur trägt, weil man sie tragen muss.

Von Mühlenens Kreationen sind bunt gemustert, alle in verschiedenen Farben, es sind Unikate, und viele sind aus dem Lieblingsstoff der 44-Jährigen gefertigt: Seide. «Wenn ich diesen Stoff berühren kann, ist das einfach ein schönes Gefühl», beschreibt sie die Leidenschaft für diesen Stoff.

Erstmals an die Öffentlichkeit

Das Interesse an den seidenen Bändern begleitet Tatjana von Mühlenen bereits von Kindsbeinen an. Ihre Mutter nähte Gurte für sich selber oder als Geschenke und stellte die Stücke auch in Boutiquen in Bern und Zürich aus. «Nach ihrem Tod habe ich mich eigentlich sofort dazu entschieden, dass dieses Handwerk weiterleben soll.»

Seit drei Jahren verkauft Tatjana von Mühlenen ihre Gürtel für 85 bis 110 Franken in der Berner Altstadt, in einem Schaukasten des Küchenladens an der Gerechtigkeitsgasse. Ausserdem arbeitet sie nebenbei auch im Laden, denn leben kann sie von den Gürteln nicht. Dieses Wochenende wird von Mühlenen an der Weihnachtsausstellung von Bremgarten teilnehmen und ist dafür ganz schön am Vorbereiten. «40 verschiedene Gurte habe ich dafür hergestellt», erklärt von Mühlenen. Es sei das erste Mal, dass sie so in die Öffentlichkeit trete. «Ich bin sehr gespannt auf das Feedback der Leute.»

Tagelanges Kombinieren

Der Traum der zweifachen Mutter ist es aber, selber einmal einen kleinen Laden aufzumachen und ihre Gurte dort zu verkaufen. «Oder ich stelle mir vor, dass eine meiner Kreationen auf einer grossen und wichtigen Modenschau getragen wird», schwärmt sie. Es gehe ihr beim Ganzen aber nicht darum, möglichst viele Stückzahlen zu produzieren und zu verkaufen. «Ich arbeite einfach gerne daran, und immer nach dem Arbeiten erfüllt mich eine grosse Zufriedenheit.»

«Es kaufen auch Männer meine Gurte, die muss man zuerst aber immer davon überzeugen.»Tatjana von Mühlenen

Wenn sich die Bernerin an ein neues Modell setzt und die Seiden- und Samtstoffe aus den renommierten «Stoffstädten» Lyon und Düsseldorf hervornimmt, geht es vor allem zuerst ans Experimentieren. «Welche Schnalle passt zu welchem Stoff, welche Muster kann ich wie kombinieren, wie soll der Abschluss aussehen?», fragt sie sich. Manchmal sitze sie tagelang daran, bis sie mit der Kombination zufrieden sei.

Für sie sei schon immer klar gewesen, dass sie die seidenen Bänder nicht in Kleidern verarbeiten wolle, sondern als eigenes Accessoire. «Kleider nähen macht mich ungeduldig, Gurte verarbeiten hingegen beruhigt mich.»

Mehr Frauen, aber nicht nur

Tatjana von Mühlenen will um des Verkaufens Willen nicht nur solche Gurte herstellen, die allen Leuten gefallen müssen, erklärt sie. «Manchmal muss auch ein ‹bsunders gspunnigs Exemplar› darunter sein», sagt sie lachend.

Sowieso seien viele ihrer Kundinnen aus der 68er-Bewegung. «Manche waren früher wohl Hippies, heute nenne ich sie ‹Edel­freaks›.» Bei ihnen würden die farbigen und gemusterten Gürtel besonders gut ankommen. «Es kaufen auch Männer bei mir ein, die muss man aber zuerst immer ein bisschen überzeugen.»

Weitere Infos unter www.tvonm.ch

Berner Zeitung

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