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Ein Haus für Berner Männer in Not

Der Verein ­Zwüschehalt sucht in Bern nach einem Standort für ein zweites Väter- und Männerhaus. Das Hilfsangebot gibt es landesweit erst im Aargau.

Sieglinde Lorz leitet das Berner Väter- und Männerhaus, Oliver Hunziker gründete die Hilfe für Männer. Bilder: Susanne Keller, Flurin Bertschinger/Ex-Press
Sieglinde Lorz leitet das Berner Väter- und Männerhaus, Oliver Hunziker gründete die Hilfe für Männer. Bilder: Susanne Keller, Flurin Bertschinger/Ex-Press

Wo soll ein Mann hin, der unter seiner gewalttätigen oder ausfälligen Partnerin leidet? Das einzige Männer- und Väterhaus der Schweiz steht im Kanton Aargau. Bald könnte in Bern jedoch eine weitere solche Institution hinzukommen.

Der Verein Zwüschehalt, welcher das Haus im Aargau betreibt, sucht derzeit nach einer geeigneten Wohnung in der Stadt Bern. Diese sollte zwischen viereinhalb und sechs Zimmer gross sein, damit die geplanten vier bis fünf Betreuungsplätze angeboten werden können. «Wir wollen so schnell wie möglich beginnen», sagt Oliver Hunziker, der Gründer des Väterhauses und Präsident des Vereins.

Sind die Bernerinnen besonders rabiat, oder warum fiel die Wahl auf die Bundesstadt? Die Gründe seien andere, so Hunziker. Man habe gute Kontakte zu hiesigen Institutionen in diesem Bereich. Ausserdem habe sich gerade eine Leiterin beworben. Und Bern verfüge über geografische Vorteile, vor allem weil die Westschweiz nahe liege. Das Hauptproblem für viele Männer sei die Distanz, viele würden auf das Angebot verzichten, weil ihnen die Entfernung in den Aargau zu weit sei.

Leiten wird das Väterhaus eine Frau – Sieglinde Lorz. Sie ist der Öffentlichkeit als Präsidentin der IG Chappelebrügg und Dauercamperin bekannt, die sich gegen die Schliessung des Campings Eymatt am Wohlensee wehrte.

Hilfsangebote nur für Frauen

Auch Männer müssten die Möglichkeit haben, die gemeinsame Wohnung zu verlassen, bevor die Situation eskaliere, so Lorz. Für diesen Zweck biete ihr Haus Raum und Betreuung an.

Männer könnten in Notsituationen nirgends hin, sagt Oliver Hunziker. Die meisten Hilfsangebote seien praktisch nur auf Frauen ausgerichtet. Denn Männer, so das Vorurteil, seien Täter, keine Opfer. Tatsächlich spricht die Polizeistatistik eine andere Sprache. Heutzutage ist jedes vierte Opfer häuslicher Gewalt männlich.

Weitere Vorurteile machen Betroffenen das Leben schwer. Etwa jenes, dass hilfesuchende Männer schnell als Schwächlinge gelten. Das Gegenteil sei der Fall, so Hunziker. «Zu uns kommen starke Männer, die oft schlimme Situationen lange ausgehalten haben.»

Betroffen seien alle Schichten, wobei Wohlhabende aber weniger vertreten seien, weil die eher ins Hotel gehen würden. Im Schnitt seien die betroffenen Männer um die vierzig und hätten Kinder um die drei Jahre. Unter den Bewohnern habe es zudem viele Ausländer, weil die oft keine Eltern in der Nähe hätten, bei denen sie eine Zeit lang unterkommen könnten.

Geheime Adresse

Ein verheirateter Mann darf seine Kinder genauso ins Männerhaus mitnehmen wie eine Mutter ihre Kinder, wenn sie in ein Frauenhaus flüchtet. Die Partnerin erhält nach dem Einzug einen Anruf, damit sie weiss, dass es dem Kind oder den Kindern gut geht. Ein Vorgehen, welches sich von jenem der Frauenhäuser unterscheidet. Sowohl von Frauen- als auch von Männerhäusern wird die Adresse geheim gehalten.

Staatliche Unterstützung bekommt das Väterhaus im Gegensatz zu den meisten Frauenhäusern allerdings keine. Es finanziert sich über Spenden, seit 2012 sind die beiden Landeskirchen beteiligt. Was das Berner Väterhaus betreffe, werde man sicher noch bei der Stadt Bern vorstellig werden, so Oliver Hunziker.

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