Eine Reise durch das Leben – mit dem Mann von der Kasse 6

Seit fünf Jahren sendet Donat Hofer als «Maa vo dr Kasse 6» über die Frequenz des Kultsenders Rabe. Der 28-Jährige nimmt seine Zuhörer auch schon mal mit aufs Velo. Zum Beispiel für eine «Hörreise» quer durch Frankreich.

Seit fünf Jahren auf Sendung: Donat Hofer im Rabe-Studio. «Radio, das ist für mich ein Lebensgefühl», sagt er über seine grosse Passion.

Seit fünf Jahren auf Sendung: Donat Hofer im Rabe-Studio. «Radio, das ist für mich ein Lebensgefühl», sagt er über seine grosse Passion. Bild: Urs Baumann

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Es ist Juni. Irgendwo in der französischen Wildnis sitzt Donat Hofer auf seinem Velo. Die Glutofenhitze macht ihm nichts aus. Er tritt kräftig in die Pedale. Über seine Trommelfelle fliesst die Musik und neben ihm die Rhone.

Angetrieben vom Sound und dem Gefühl grenzenloser Freiheit, steuert er seinen «Esel» südwärts. Mit jedem Tag kommt er dem Ziel näher. Inspiriert durch den mächtigen Fluss an seiner Seite, schreibt er am Abend in sein Tagebuch: «Kein Stauwehr der Welt kann den Strom des ­Lebens aufhalten, er muss zum Meer – genau wie ich.»

In seiner Radiosendung «Dr Maa vo dr Kasse 6» spricht der Berner Donat Hofer mit seinen Gästen über ihr Leben. Durch sein Hörtagebuch, das im Anschluss an eine Veloreise quer durch Frankreich entstanden ist, gewährt der Radiomacher einen intimen Einblick in sein eigenes.

Abenteurer und Cowboys

Kurz nach Weihnachten: Statt im Velosattel sitzt Donat Hofer auf einem bequemen Sofa und nimmt einen Schluck aus der Teetasse. Der Himmel über Bern ist nebelverhangen: Donat Hofer ist zu Hause. Hier ist er aufgewachsen, nie hat er an einem anderen Ort gewohnt.

Nach der Matura zog es ihn an die Uni. Er studierte Betriebsökonomie, schloss ab und arbeitete eine Zeit lang als Bankenrevisor. Dann schmiss er alles hin. «Ein Revisor blickt nur zurück. Ich will aber vorwärtsschauen, mich weiterentwickeln», begründet Hofer seinen Ausstieg.

«Mir geht es nicht darum, möglichst viel Geld zu verdienen. Erfüllung zu finden, in dem, was ich tue, ist mir viel wichtiger.» Ausserdem wollte er sich wieder vermehrt seiner grossen Passion widmen, dem Radio­machen.

Zu Studentenzeiten sass Hofer während sechs Jahren an der Kasse 6 im Coop Ryfflihof, um sich seinen Lebensunterhalt zu finanzieren. Dort sei ihm das Leben in all seinen Facetten begegnet. «Egal ob jung, alt, dumm, gescheit, Penner oder Politiker – an die Kasse kommen sie alle.»

Eines Tages fasste er den Entschluss: «Ich will mit diesen Menschen über das Leben sprechen.» Aus der Idee wuchs ein Konzept, und das stiess beim Berner Kultradiosender Rabe auf offene Ohren.

«Dr Maa vo dr Kasse 6» gehört seit nunmehr fünf Jahren zum ­fixen Programm des Senders. Der Gästemix ist bunt: Tropenmediziner, blinde Abenteurer, Cowboys oder Rapperinen – alle waren sie schon bei Donat Hofer, um mit ihm über das Leben zu sinnieren. «Jeder Mensch hat etwas zu erzählen. Ich will eine Verbindung schaffen zwischen den Erzählenden und den Zuhörern.»

Intimer Reisebericht

Im Februar feiert Hofer das fünfjährige Jubiläum seiner Sendung. Das sei ein schöner Erfolg. Doch: «Es muss immer weiter gehen.» Momentan arbeitet er an einer Erweiterung des Sendekonzepts. Kurz vor Weihnachten veranstaltete er zum ersten Mal eine Livesendung aus dem «Sattler».

Das Lokal im Berner Länggassquartier ist so etwas wie das zweite Zuhause des 28-Jährigen: «Diese Bar ist für mich ein Lebensgefühl, genau wie meine Radiosendung. Deshalb war es der perfekte Ort für diesen Anlass.» Das Pilotprojekt war ein Erfolg. An die 50 Leute kamen zur Livepremiere.

Grossen Anklang fand der Radiomacher auch mit der Vertonung seiner Frankreich-Reise im letzten Sommer. Eine gescheiterte Beziehung und das Fernweh trieben Hofer aus Bern raus. Er bepackte sein Fahrrad und pedalte los, hinunter an die Côte d’Azur und von dort weiter zu den wilden Stränden des Atlantiks. Im Gepäck: ein Zelt, eine gute Pestosauce und sein Tagebuch.

Unterwegs traf er die unterschiedlichsten Menschen: Etwa den französischen Witwer Fred, der sich jeden Freitag in der Dorfkneipe betrinkt, um den Verlust seiner Frau erträglicher zu machen. Oder den britischen Lebenskünstler Jamie, der mit seiner Gitarre durch die Spelunken Lyons zieht.

Diese und andere Begegnungen dokumentierte Hofer in seinem intimen Reisebericht, den er mit persönlichen Anekdoten über Trennungsschmerz und Lebensfreude anreicherte. Das Hörstück «Über Wellen zu den Wellen» brachte ihm eine Nomination am Sonohr-Festival ein, an dem jedes Jahr herausragende Hörbeiträge prämiert werden. An seine «Tour de France» denkt Hofer gerne zurück: «Eine Reise mitten durchs Leben und hin zu mir selbst.»

«Dr Maa vo dr Kasse 6», Sendungen und «Hörreise» als Podcasts unter: www.kasse6.ch (Berner Zeitung)

Erstellt: 30.12.2015, 20:12 Uhr

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